Besuch in Afrika:
Natürliches Licht reicht nicht

Ein schönes Bild braucht mehr als natürliches Licht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Schilliger).

Kommentar des Fotografen:

Am Viktoriasee zu Besuch bei einem Freund. Nach fünf Minuten hat sich der neun Quadratmeter grosse Raum, den er mit seiner Frau bewohnt, mit Kindern gefüllt, die mich staunend betrachten. Der jüngste Nachbar wird stolz herumgezeigt. An seinen Söckchen sieht man Haftnoppen. Auf dem sandigen Boden vollkommen nutzlos. Ein Schnappschuss, der nur durch das Licht, das durch die Tür in die dunkle Hütte dringt, beleuchtet wird.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Michael Schilliger:

Ich habe das Bild gewählt, weil mir das Licht besonders gut gefällt und sich Fotografie durch den Einsatz von Licht definiert.

Weil die kleine Hütte hier nur spärlich beleuchtet wird, ensteht eine zauberhafte Atmosphäre, die natürlich dadurch gesteigert wird, dass ein kleines, süßes Kind beleuchtet wird. Das ist ein guter Anfang, reicht allerdings nicht aus, um das ganze Bild zu einem Hingucker zu machen. Ganz einfach gesagt: mir fehlt noch weitere Elemente im Bild, die mir etwas erzählen.

Ich erfahre: Es ist eine kleine Hütte, mitten in Afrika, am Viktoriasee. Sehr wahrscheinlich ein Dorf. Jetzt ist es natürlich schwierig, alle diese Infomationen in ein Bild zu packen, ohne das tolle Licht zu verlieren. Aber wenn man sich zwei oder drei heraus pickt, klappt das vielleicht.

Man könnte z.B. „Hütte“, oder „Afrika“ oder „Dorf“ schon noch mit einbeziehen.

Die Größe der Hütte durch einen Schritt zurück und ein Weitwinkel. Das hätte den Vorteil, dass das Kind offensichtlicher „angestrahlt“ wird, da es nun inmitten einer dunklen Hütte sitzt. Zusätzlich würde man aber viel über die Menschen erfahren, die dort leben, da man deren zu Hause sieht.

Afrika und Dorf könnte man miteinbeziehen, indem auch noch andere Kinder zu sehen sind, deren Kleidung oder Tracht für die Region spricht. (So wie jetzt könnte es auch ein Kindergeburtstag in Berlin Kreuzberg sein) Ich will aber sehen, was der Fotograf ausdrücken will: Den Stolz über den fremden Gast und das kleine Kind.

Das Kind, das gerade aus der Tür verschwindet, verdeckt leider einen großen Teil des Bildes, ohne dem Bild etwas zu geben. Hier wäre ein Profil im Licht wunderschön gewesen.

Dieses Licht ist toll! Merke: Licht durch ein Fenster in einen dunkleren Raum ist immer toll! Für Reportagen und Portraits. Also, der richtige Riecher ist auf jeden Fall vorhanden.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Michael Schilliger says:

    Danke für das Lob und die auführlichen Anregungen. Da ich mit einer Nikon Kompaktkamera fotografiert habe, stand mir – soweit ich mich erinnern kann- leider kein grösserer Weitwinkel zur Verfügung; und ein Schritt zurück war in der kleinen Hütte ebenfalls nur schwer möglich. Während meiner Reise habe ich mir aber oftmals ein besseres (richtiges) Weitwinkelobjektiv gewünscht.
    Das Original ist ein Farbbild, das ich konvertiert, aber nicht beschnitten habe.

    LG

    Michael

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  2. Tobias Daniel Kammann says:

    Ich finde die Situation, das Licht und das Motiv ebenfalls sehr gelungen: das hell bekleidete Baby, im Kontrast die anderen Kinder (Blick zur Kamera und unscharf im Vordergrund der Junge). Super. Aber auf mich wirkt der Bildausschnitt auch etwas zu eng oder zu weit nach rechts gelegt. Wie sieht denn das Originalbild aus? Wurde noch was beschnitten? (4:3?) Aber für einen Schnappschuss sehr fein.

    LG,
    Tobias.

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