Gigabank im Test:
Das Online-Bildarchiv

Die Schweizer „Gigabank“ verspricht Langzeitarchivierung auch für Digitalbilder. Wir haben das System getestet.

Die Gigabank: Optimal zur Langzeit-DigitalfotoablageDigitalbilder haben viele Vorzüge gegenüber Film. Langzeit-Datensicherheit gehört jedoch nicht dazu: Während Filme erst nach Jahrzehnten ausbleichen, sind CD-Rs und DVD-Rs mitunter schon nach Monaten unlesbar. Zudem finden sich für ältere Medien wie Disketten und ZIP-Disks an heutigen Computern gar keine Lesegeräte mehr. Auch heutige Festplatten sind zwar recht zuverlässig, wenn man sie in den Schrank legt, doch in ein paar Jahren wird den PCs die passende Schnittstelle fehlen, um sie anzuschließen.

Warum nicht im Netz ablegen? Aber wenn der Provider dann in 3 Jahren Pleite ist, sind die online hinterlegten Bilder plötzlich weg. Manchmal sogar noch eher. Gibt es denn etwas mit Langzeitsicherheit?

Ja, den in der Schweiz gehosteten Dienst Gigabank:

Anmeldung bei der GigabankMatthias Zahn von FAST, der bereits etliche neue Produkte auf den Markt brachte, wurde am bekanntesten ab 1985 mit kryptographischen Produkten und ab 1994 mit Multimedia-Hardware.

Er hat mit der Gigabank einen Online-Backupdienst entwickelt, der ein anderes Ziel verfolgt als die sonst üblichen Produkte wie Carbonite , die ein Spiegelbild ausgewählter Festplatteninhalte für begrenzte Zeit im Netz duplizieren, und nur den aktuellen Stand: Eine Datei, die vom Rechner gelöscht ist, wird im normalen Online-Backup nach einer gewissen Zeit ebenso entfernt, eine Datei, die auf dem Rechner bearbeitet ist, wird online durch die neue Version ersetzt.

Die Gigabank speichert die Daten dagegen dauerhaft auf neunfach redundanten RAID-Festplattensystemen an gegenwärtig drei Standorten in der Schweiz.

Der Dateibrowser, um gespeicherte Daten später anzusehenZusätzlich sind die Festplatten der Gigabank mit einem Versionierungs- und WORM-System (Write Once Read Many) augerüstet. Dies bedeutet, eine einmal gesicherte Datei kann weder mit einer neuen Version überspielt noch versehentlich gelöscht werden.

Das schützt vor Datenvernichtung durch Viren oder Fehlbedienung. Und ermöglicht beispielsweise, bei einem Handbuch oder Roman oder einer Software automatisch jede Version zu speichern und gegebenenfalls ältere Versionen zurückzuholen.

Entwickelt wurde die Gigabank für Kunden aus dem Medizinbereich, um Röntgenbilder und Patientendaten zu sichern. Langfristige Speicherzeiträume und hohe Zuverlässigkeit sind hier Pflicht. Als „Fotobank“ sollte sie dann die Schätze der Digitalfotografen sichern.

Inzwischen steht sie allerdings allen denkbaren Digitaldaten offen, ob Steuererklärung, Liebesbriefe oder Musik. Nur Video ist weniger zu empfehlen: Video-Dateien sind einfach zu groß für ein Online-Backup.

Das Prinzip der Gigabank: Man kauft sich ein Datenkontingent, das dann nach und nach mit Inhalten gefüllt werden kann und fünf Jahre gespeichert bleibt. Das erste Gigabyte ist kostenlos, hiermit kann getestet werden.

Das Gigabank-LaufwerkDas klingt nach viel Speicherplatz, aber wie schon erwähnt: Jede Version wird gespeichert und es kann nichts gelöscht werden. Wer also drei Versionen seines Urlaubsvideos bei der Gigabank ablegt, hat schnell etliche Gigabyte Speicherplatz verbraucht. Dies ist nicht wirklich sinnvoll. Bei Texten kann es dagegen durchaus sinnvoll sein, mehrere Versionen abzuspeichern.

Ist das Kontingent aufgebraucht, ist Speicherplatz nachzukaufen. Angenehm: Die Speicherdauer für diesen beträgt nun wieder fünf Jahre, doch inkludiert das die „Altdaten“ – diese werden nun ebenfalls weitere fünf Jahre gespeichert. Es ist also nicht alle fünf Jahre der gesamte Speicherplatz neu zu kaufen, sondern nur der zusätzlichen Speicherplatz. Wird allerdings gar nichts zugekauft, so wird der Zugang nach fünf Jahren komplett gesperrt.

Automatik-Sicherung

Die Daten werden von der zu installierenden Gigabank-Software gesichert. Diese kann dies automatisch für festzulegende Dateien oder Verzeichnisse tun. Hier ist allerdings aufzupassen: Wer sein Outlook-Verzeichnis mit einem GB E-Mails automatisch sichern lässt, hat nach jeder noch so kleinen Änderung sofort ein weiteres GB verbraucht – sogenannte „inkrementelle Backups“, die nur gerade die veränderten Dateien eines Ordners umfassen, gibt es hier nicht.

Ein Punkt an den zu sichernden Dateien zeigt ihren Status an – wenn die Sicherung der aktuellen Version erfolgreich vollzogen ist, wird dieser grün. Die gesicherten Daten sind dann als zusätzliches Laufwerk zugänglich, wenn die Gigabank-Software installiert ist. Die Daten sind allerdings bei Bedarf von einem anderen Rechner ebenfalls, nur etwas weniger komfortabel, über den Webbrowser erreichbar.

Die Daten werden selbstverständlich über eine verschlüsselte Verbindung übertragen, auf Wunsch sind die Daten selbst noch einmal verschlüsselt. Dies bewahrt davor, dass der Gigabank-Zugang in falsche Hände gerät. Im Zeitalter der Online-Durchsuchung will schließlich niemand dem „großen Bruder“ auch noch unnötig die Arbeit erleichtern. Das Passwort hierfür wird nicht abgespeichert, sodass selbst bei einem Diebstahl des Computers kein Zugriff auf verschlüsselte Daten möglich ist.

Apple mag die Gigabank nicht

Mit der Apple-Update-Benachrichtigungsfunktion kommt die Gigabank-Software leider nicht zurechtIm Test klappte die Datensicherung einwandfrei, solange die Online-Verbindung stabil war. Bei unterbrochener Online-Verbindung, beispielsweise durch eine wacklige WLAN-Anbindung, wird nach der Wiederherstellung zunächst teils Unsinn angezeigt und der Benutzer befürchtet, einige seiner zum Backup vorgesehenen Dateien und Verzeichnisse seien nicht mehr markiert – ebenso wie im Backup Dateien verschwunden zu sein scheinen, bis die Gigabank-Software sich wieder auf den aktuellen Stand gebracht hat. Dieses Phänomen tritt allerdings bei anderen Online-Backup-Systemen ebenso auf.

Außerdem ist zu beachten, dass die Anzeige mit den Punkten an den Dateien und Verzeichnissen nur sicher funktioniert, wenn keine andere Software unter Windows ebenfalls solche Markierungen setzen will. Für Linux gibt es bislang keine Gigabank-Lösung, für Mac OS gibt es sie seit letztem Jahr.

Die ungefragt mitten im unbewacht durchlaufenden Backup losplärrenden Apple-Update-Benachrichtigungen beispielsweise von Itunes schießen die Gigabank-Software und damit den laufenden Backup allerdings leider sofort ab.

Wer also Quicktime, Itunes oder andere Apple-Software installiert hat, sollte diese ohnehin sehr nervigen Benachrichtigungen über neu verfügbare Updates unbedingt abschalten, da es ärgerlich ist, wenn ein übers Wochenende geplanter Backup deshalb schon nach drei Stunden unbemerkt abgebrochen wird.

Silent Cube-RackUnd natürlich ist ein ausreichend starker Upstream notwendig: Wer 5 GB Fotos oder Videos sichern will, kann bei einem langsamen DSL-Anschluss hiermit durchaus eine Woche beschäftigt sein.

Für zahlungskräftigere Kunden wird übrigens unter dem Namen „Silent Cube“ auch eine lokale Datensicherung auf einem derartigen 9-fach-RAID-System von FAST angeboten, wobei das Festplattenarray sehr energiesparend arbeiten und die beteiligten Platten schonen will – das verspricht hohe Zuverlässigkeit und Lebensdauer.

Doch beginnt diese Lösung mit einem Terabyte Speicherplatz bei 2500 Euro – da ist der reine Online-Backup der Gigabank für den Normal-Fotografen doch finanzerbarer: Das erste Gigabyte ist sogar gratis.

Fazit

Die Gigabank ist eine gut durchdachte Lösung, um wichtige Daten in mehreren Versionen sicher und bezahlbar außer Haus zu lagern. Sie ist allerdings nicht dazu gedacht, einen ganzen Rechner kontinuierlich online zu sichern; hierfür gibt es andere Lösungen.

Für digitale Fotodaten, Texte und kleine Datenbanken ist die Gigabank gut geeignet und im Gegensatz zu einer Festplatte im Banksafe oder im Ausland zeitnah erreichbar. Nicht geeignet ist sie zum Sichern sich häufig ändernder, großer Dateien, da eine Aktualisierung bereits abgespeicherter Dateien nicht möglich ist und die Software kein inkrementelles Backup beherrscht.

3 Antworten
  1. Wolf-Dieter Roth says:

    @Corinne: Fast hat teils 30-Jahres-Verträge abgeschlossen. Natürlich können auch die in zwei Jahren „zusperren“, doch nicht unbemerkt. Dann werden sie zuvor jemand anders suchen müssen, der die Chose weiterführt und die Kunden informieren. Denn die Nichterfüllung der Verträge aus dem Medizinbereich käme enorm teuer. Die „Gigabank“ ist eigentlich nur ein Nebenprodukt der für diese Kunden installierten Technik.

    Wenn Du selbst 5 Jahre lang nicht zahlen kannst…na ich würde sagen, dann brauchste auch die Bilder nicht mehr…

    Ich würde auch die Gigabank nicht als Ersatz für lokale Backups sehen – z.B. RAW-Dateien wird man auf DVDs tun, wären viel zu groß für online und auch die TB-Platte wäre da bald voll – sondern als Ergänzung für besonders wichtige Dinge.

    Und nun, mich und Dich mag es nicht betreffen, aber es soll ja Leute geben, die nicht wollen, daß der Ehemann die Urlaubsfotos mit dem Liebhaber findet :-)) aber mal ganz abgesehen davon gibt es im geschäftlichen bereich sicher Fälle, wo es wichtig ist, daß Bilder nicht öffentlich zugänglich werden.

    Ansonsten stimmt das mit den Paßwörtern sicher, aber es ist halt die erste Frae bei Online. Bilder wird kaum jemand im Netz „mitschneiden“ beim Hochladen, eher wird schon der eigene PC „onlinedurchsucht“. Insofern sind sie bei der Gigabank ev. sicherer. Zumindest, bis auch bei der das Schweizer Bankgeheimnis aufgehoben wird. Am Ende hat ja Herr Zumwinkel was hochgeladen…

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  2. Corinne ZS says:

    Momentan kostet eine externe Terabyte-Festplatte (mit USB-Anschluss) gegen CHF 150.-, Tendenz stark sinkend. Und wenn die mitgelieferte Software nicht gefällt: Perfekte Backup-Programme gibts gratis im Netz, inkl. einfachster Bedienung (von Hausfrauen getestet) und – auf Wunsch! – inkrementieller Datensicherung.

    Wahrscheinlich ist diese Variante auch dann noch billiger, wenn alle paar Jahre die Technologie wechselt und neue Festplatten oder Kabel gekauft werden müssen und auch dann noch, wenn man doppelt, dreifach oder neunfach spiegelt.

    Die Sicherung zuhause mit Aufbewahren zuhause und bei der Arbeit dürfte eine ähnliche Datensicherheit bringen wie die Neunfach-Spiegelung in Zürich, Bern und Genf. Mir sind die Fotos jedenfalls sofort egal, wenn Mühleberg hochgeht. Deshalb reicht für mich doppelte Sicherheit.

    „Aber wenn der Provider dann in 3 Jahren Pleite ist, sind die online hinterlegten Bilder plötzlich weg. Manchmal sogar noch eher. Gibt es denn etwas mit Langzeitsicherheit? Ja, den in der Schweiz gehosteten Dienst Gigabank.“

    Hier muss es sich um einen klassischen Denkfehler handeln, oder um eine Abschrift eines Gigabank-Werbeprospektes. Oder bringt Dir der Gigabank-Angestellte eine Festplatte nach Hause, bevor sie den Laden schliessen? Hm … Kommt hinzu, dass es auch private Konkurse gibt, und dann wird’s hart bei Gigabank. Dann sind die Daten weg, wenn Du einmal nicht bezahlst. Ein klassischer Knebelvertag also, gegen den die Konsumentenschützer seit langem Sturm laufen. Zu recht.

    „Die Daten werden selbstverständlich über eine verschlüsselte Verbindung übertragen, auf Wunsch sind die Daten selbst noch einmal verschlüsselt. Dies bewahrt davor, dass der Gigabank-Zugang in falsche Hände gerät. Im Zeitalter der Online-Durchsuchung will schließlich niemand dem “großen Bruder” auch noch unnötig die Arbeit erleichtern. Das Passwort hierfür wird nicht abgespeichert, sodass selbst bei einem Diebstahl des Computers kein Zugriff auf verschlüsselte Daten möglich ist.“

    Was übers Netz läuft, wird vom grossen Bruder in jedem Fall mit Interesse bedacht. Wer hofft, Verschlüsselung ändere daran etwas, liegt falsch (oder kennt keine Computercracks mit Spezialinteressen). Mich wundert allerdings die Diskussion grundsätzlich, wenn es um Bilder geht. Welche darf nie jemand zu Gesicht bekommen? Ich möchte es wohl lieber gar nicht wissen … Kommt hinzu, dass das häufigste Problem nicht gestohlene Passwörter sind, sondern vergessene.

    Meine neue Terabyte-Festplatte hat über den USB-Anschluss durchschnittlich 1 Giga pro Minute gesichert. Damit kann ich glücklich werden.

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  1. […] nach 50 Jahren noch zugänglich wären (wer kann heute noch 5 1/4-Zoll-Disketten lesen?). Gut auch als Bildarchiv für Fotografen.Doch nichts ist in der Computertechnik so alt wie die Idee von gestern. Diese Idee hat sich leider […]

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