Lagerfeuereinsamkeit:
Geschichte zum Bild

Hier scheinen Mensch und Natur nur im Einklang zu sein. Die Geschichte aber ist eine andere.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pax Auinger).

Kommentar des Fotografen:

Silvester dieses Jahres, nach fast einjähriger Fernbeziehung sehe ich meine Freundin nur sporadisch. Einer dieser Momente ist zum Jahreswechsel. Wir feiern in einer kleinen Gruppe an einem wunderschönen Ort, aber die Beziehung ist alles andere als stabil und auch wenn / oder gerade weil ich alles versuche, etwas dagegen zu tun, kann ich nicht an sie heran. Emotionen überschlagen sich, ich wäre am liebsten nur noch allein und dennoch will ich nichts mehr als bei ihr sein. Ein Schizma. Ein schwarzer Jahreswechsel voller Emotion.

Einsamkeit und Sehnsucht mischen sich an diesem abgelegenen Ort in den Alpen in Perfektion. Kein einziges Feuerwerk erhellt den Abend und die Fackeln spiegeln meine Emotion, die Haltung meiner Freundin, die mit dem Rücken zu mir vor dem Feuer, kniet auch ihre Verzweiflung wider. Wohl meine Art unbewusster Verarbeitung der Situation. Rein emotional fotografiert.

Verbesserungsvorschläge? Erbitte Kritik. Sind das Startrails oder Verwacklung, weil das Eis des Sees sich bewegt, auf dem mein Stativ steht? Ort: Almsee, Gebirge im Hintergrund: Totes Gebirge.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Pax Auinger:

Mir gefällt das Bild aufgrund seiner zurückhaltenden Gestaltung, seiner leisen Poesie und vor allem aufgrund der Hintergrundinfomration. Diese Geschichte zum Bild öffnet zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten der vorhandenen Aspekte: Einsamtkeit, Leere, Stille, lodernde Energie, Hoffnung, Distanz.

Vom fotografischen Standpunkt betrachtet ist die Szenerie ganz klar auf das Feuer als einzige bedeutende Lichtquelle und die Person davor konzentriert. Weil die Person im Knien niedriger ist, wird sie vom Schein des Feuers perfekt als Silhouette scharfgezeichnet. Sie ist der Mittelpunkt des Bildes.

Das sie umgebende Bergmassiv läßt sie winzig klein und unwichtig erscheinen. Die Sterne verleihen der Szenerie einen Hauch von Romantik, während das Feuer die einzige Wärmequelle ist. Ich kann die Gedanken des Fotografen auf jeden Fall aufgrund des Bildaufbaus nachvollziehen. Es ist ein trauriges distanziertes Bild. Insofern ein persönlicher Volltreffer.

Wenn ich mir jetzt noch andere Details wünschen könnte, die noch mehr Stimmmung in das Bild transportieren würden, dann wäre das mehr Licht. Viele Möglichkeiten gibts da ja nicht, ohne das Feuer als zentrale Ort verblassen zu lassen. Aber ein Vollmond, der das Bergmassiv anstrahlt und aus der Dunkelheit zerrt, wäre schön. Oder die letzte Abendsonne, die die Bergspitze strahlen läßt. Ein Schwachpunkt in diesem Bild ist nämlich die fast konstante Dunkelheit, die das Bild sehr flach wirken läßt.

Die Sterne sind bei einer halben Minute Belichtungszeit tatsächlich auch bei einem 50mm-Objektiv bereits als Sternschweife zu erkennen -wir haben generell die Tendenz, die Drehgeschwindigkeit unserer Erde zu unterschätzen: Je nach Brennweite reichen ein paar Sekunden, um den Mond oder die Sterne auf dem Bild zu verwischen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Horst Kloever says:

    Wir diskutieren hier ganz zurecht die Schönheit dieses Bildes. Ich stelle mir gerade vor, wie man die Intention des Fotografen, eine Stimmung und Szene der Isolation und Nicht-Kommunikation darstellen könnte, wenn man zum Beispiel als Profi den Auftrag dazu hätte: Eine einzelne Figur, die im gleicher Umgebung abseits von der Gruppe und abgewandt stünde, würde viel davon erzählen und es für andere sofort verständlich machen, denke ich.
    So wie das Foto aufgebaut ist, kann man auch Harmonie hineinlesen. Da zeigt sich die Offenheit dieses Bildes, diese ist eine seiner Stärken und macht es zu einem kleinen Kunstwerk.

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  2. Pascal says:

    Die Lichtquelle mit dem langgezogenen Schattenwurf hat schon so viel schönes, da braucht es für mich keine zweite in der Dunkelheit versunkene Bergkette. Aber klar, die Bildaussage wäre eine andere, aber sicherlich nicht schlechtere :)

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  3. Horst Kloever says:

    Aber wo packst du dann die mystische Bergpartie hin? Ein Problem, das ganz ähnlich auch viele Kameraleute haben, wenn es nicht nur darum geht, die flachen Prärien und Weiden von Texas im Western ins extreme Breitbild zu setzen…denn dafür wurde das Scope einer amerikanischen Legende nach erfunden. Eins hilft: Ganz weit zurücktreten, aber dann wird die Figurengruppe am Feuer unter gegebenen Umständen winzig. Westernfeeling hat das Bild in jedem Fall.

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  4. Pascal Reis says:

    Ich würde das Bild evt. sogar noch weiter reduzieren. Cinescopeformat von 16:9 oder sogar 21:9 und dann die »Horizontlinie« noch etwas gerade rücken (Bild kippt nach rechts)

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