Skater-Trash:
Ein Suchbild

Jan Zappner, 23. März 2009 11:22 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Wenn bestimmte Techniken die Bildaussage unterstützen sollen, braucht es doch auch eine klare Bildaussage.

Kommentar des Fotografen:

“the bowl” – Regenwetter, dreckiger Skatepark und wie es der Teufel so will, bin ich nur mit einer Snapshotkamera bewaffnet. Doch genau dieses “Low-Budget-Setting” wollte ich festhalten. Kontraste stark angehoben, Graffitis etwas in den Vordergrund gerückt, auf Widescreen zugeschnitten und via Cross Processing nochmal umgekrempelt, um alles einen Tick “trashiger” aussehen zu lassen.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Andreas Niederwieser:

Ich bin an diesem Bild hängen geblieben, weil es so trashig, so bunt, so grell rüber kam. Mich hat auch der Gegensatz zwischen wildem Vorder- und bürgerlichem Hintergrund interessiert. Doch erst beim sehr genauen Hinsehen, oder ehrlich gesagt, vielleicht auch eher per Zufall, habe ich überhaupt erst den den Skater erkannt, der gerade durch die Luft schwebt. Da dachte ich dann eher an ein Suchbild. Was ist hier schief gelaufen?

Obwohl es eine klare Unterscheidung zwischen Vorder- und Hintergrund gibt, ist das eigentlich zentrale Motiv, der Skater, fast unsichtbar. Durch die Überlappung zwischen der lila Grafitti-Wand und dem lila T-Shirt, dunkler Hose und Cap ergibt sich kein Kontrast zwischen diesen Bildinhalten. Auch fehlt dem Skater die Spannung, die ich erwarte, wenn ich jemanden durch die Luft fliegen sehe. Ich sehe nicht, wie hoch er springt. Ich sehe nicht, ob es anstrengend ist.

Es ist einfach ein falscher Blickwinkel zum Fotografieren gewählt worden – nämlich ein langweiliger. Der Skater ist das Motiv. Also muss er am deutlichsten herausgearbeitet werden. Abgesehen von dem Pfosten rechts, der völlig überflüssig ist, hätte dem Bild eine Froschperpektive gut getan: Der Skater flöge dann durch den Himmel und wäre klar abgegrenzt vom Hintergrund.

Als weitere Info hätte ich gern gesehen, wieso er durch die Luft fliegt. Eine Schanze? eine Halfpipe? Als unscharfer Vordergrund hätte diese Info dem Bild vielleicht auch noch eine gewisse Tiefe gegeben. Es ist natürlich möglich, dass durch den Perspektivenwechsel der Stadthintergrund verloren geht. So what! Egal. Hauptsache, der Skater ist gut getroffen.

Und wenn der erstmal richtig in Szene gesetzt wurde, kann man mit den eingesetzten Techniken das Bild bearbeiten und nach Belieben dramatisieren. Es sei denn, Du wolltest ein Suchbild. Dann ist es ein Volltreffer.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Kommentare

  1. Feylamia
    schrieb am 23. März 2009 um 15:05 Uhr (#)

    Ich sehe keinen fliegenden Skater, sondern einen der an der Wand einer skate bowl entlangdüst. (Will heissen: Man sieht doch, was Sache ist.)

  2. Andreas Niederwieser
    schrieb am 23. März 2009 um 15:46 Uhr (#)

    Erstmal danke dass mein Bild für die Profikritik ausgewählt wurde, ist doch was anderes als dieses “Honig um den Mund Geschmiere” auf fl*ckr.
    Klar ist das Bild nicht perfekt von daher hat mich die Kritik jetzt nicht sonderlich überrascht, allerdings gehts hier um Bowlskaten und das heißt für mich nunmal entspannt in der Bowl rumcruisen und nicht wie wild “durch den Himmel fliegen” – somit find ich die Perspektive schon in Ordnung so. Natürlich wärs für den Kontrast besser gewesen, wenn der Skater andersfarbige Klamotten hätte, “Suchbild” find ich aber doch etwas übertrieben… Grüße, A.

  3. Steffi
    schrieb am 23. März 2009 um 21:35 Uhr (#)

    liebe leute,
    ich fürchte, hier herrscht ein missverständnis über das foto: jan ist eventuell etwas vorbelastet, was bilder von skatern angeht – meistens “fliegen” sie auf fotos wirklich – über eine kante, halfpipe, whatever. in dem fall sehe ich allerdings – und, andreas, korrigiere mich, wenn ich falsch liege – einen skater, der die wand einer BOWL (=schüssel) ENTLANGFÄHRT! aus dem grund kann man nicht sehen, wo er abgesprungen ist, wie hoch er fliegt etc. ER FLIEGT NICHT!
    möglicherweise ist das “problem” dieses bildes eher, dass man durch den fehlenden kontrast zwischen grafitti-wall und skater nicht klar erkennen kann, dass sein board die wall berührt.
    wie seht ihr das?
    greetings,
    steffi (kein skater, kein fotograf)

  4. Matidio
    schrieb am 23. März 2009 um 21:48 Uhr (#)

    @Feylamia
    Nun ja, versetz dich in die Lage eines, der Skaten nur vom Hoerensagen kennt, der weiss selbst jetzt nicht was Bowl-Skaten ist. Ich hab es hier auch zum ersten Mal gehoert. Aber daran soll’s nicht liegen

    @Andreas
    Vielleicht bist du nur in den falschen Gruppen unterwegs :) Ich bin schon oft genug af Fl*ckr zerrissen worden …
    Nun ja ich glaube mit Perspektive war eher gemeint, dass der Skater besser isoliert wird. Ob er jetzt durch die Luft fliegt oder du ihn, z.B., mittels Panning aus deiner gewaehlten Perspektive gegenueber der Bowlwand hervorhebst, ist letztendlich nur eine Stilwahl. Wichtig ist, dass er sich abhebt vom Rest des Bildes, ob von der “unruhigen” Wand oder gegen den Himmel entscheidest du. Wie schon oben geschrieben, die Isolierung des Motivs ist ein wesentliches Element der Komposition eines Fotos. Wobei allerdings ein unscharfer Vordergrund mit einer Kompakten nur sehr schwer zu realisieren ist.
    Ich muss dem Kritiker schon Recht geben, es ist wirklich ein wenig ein Suchbild, der Skater faellt sehr spaet auf und soll doch ein, wenn nicht der Protagonist des Bildes sein. Aber der Rest des Bildes (links vom Pfosten) gefaellt mir schon ganz gut.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 23. März 2009 um 21:51 Uhr (#)

    Seh ich ähnlich, Steffi. Ich gehe aber mit Jan einig, dass die Wand rechts und auch der Mast links weggeschnittenw erden könnten. Der trashige Look gefällt insgesamt, aber der Skater geht total unter – er würde allein schon durch einen leichten seitlichen Schnitt und damit die Entfernung der Ablenkungen stärker hervorgehoben:

  6. Jan Zappner
    schrieb am 24. März 2009 um 14:31 Uhr (#)

    mir ist schon klar, dass in einer bowl weniger geflogen als an der wand entlang gefahren wird. diese flug-beispiele sollen plakative beschreiben, wie man eine sache deutlicher in den inhaltlichen mittelpunkt stellen kann: das hauptmotiv. und das ist hier doch der skater. in einer bowl kann man das auch durch eine perspektivenänderung erreichen. möglichwäre vonunten und näher an der wand. vielleicht gibt es ja ein zweites bild, das einen vergleich zulässt?

    jan

  7. Andreas Niederwieser
    schrieb am 25. März 2009 um 12:22 Uhr (#)

    Leider war nur das eine Bild verwertbar, freu mich aber über die angeregte Diskussion und die Verbesserungsvorschläge.
    Andreas

  8. Feylamia
    schrieb am 27. März 2009 um 16:35 Uhr (#)

    Matidio - Ich habe vom Skaten auch keine Ahnung, aber zum Einen steht da “bowl” in der Beschreibung und ich kann ein wenig Englisch ;) und zum Anderen kann man das meiner Meinung nach wirklich recht problemlos erkennen, dass da jemand an der Wand entlangfährt.

    Jan - Nicht böse sein, aber das klingt sehr herausgeredet. “Oops, da habe ich mich verguckt” hätt’s auch getan. ;)

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