Friedhofs-Makro:
Eisige Zwergwelt

Das Makro-Motiv am Wegesrand ergibt bisweilen ein im wahrsten Sinne des Wortes “wunder-bares” Bild. Kompaktkameras eignen sich dafür besonders.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frank Goebels).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frank Goebels).

Kommentar des Fotografen:

Ich entdeckte das Kreuz auf einem Friedhof im Münsterland. Es ist wirklich nur knapp einen Zentimeter groß. Ich fand es beeindruckend, wie sich die Eiskristalle abbildeten und man sogar sehen konnte, woher denn der Wind kam. Leider hatte ich kein Stativ dabei und so musste ich mit zittriger Hand auslösen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Frank Goebels:

…und die Hand zitterte wohl noch umso mehr, da Du, wie ich annehme, mit einer Kompaktkamera unterwegs warst. Das ist ein Aspekt der Mini-Knipsen, der immer wieder Diskussionstoff hergibt: Spiegelreflex sind gross und schwer – und liegen viel besser und ruhiger in der Hand als die Hosentaschen-Kameras.

Andrerseits könnte man als Spiegelreflex-Fotograf bisweilen die Kompaktfotografen beneiden, wenn sich solche kleine Motive am Wegesrand anbieten.

Denn mit dem 24-70mm-Objektiv ist der Mindestabstand zum Scharfstellen auf das Objekt häufig mit einem halben meter zu gross, als dass sich ein Gelegenheits-Makro machen lässt. Die Kompakten dagegen lassen meistens eine Distanz vo wenigen Zentimetern zu und entwickeln dabei plötzlich auch einen Schärfentiefen-Effekt, den sie bei “normalem” Abstand zum Motiv nicht aufweisen.

Dieses Bild gefällt auch grade deswegen, weil die Freistellung des Kreuzes nicht so weit geht, dass der Hintergrund nicht mehr erkennbar wäre. Das ist hier kritisch, weil ansonsten nicht mehr zu erkennen wäre, dass es sich um ein winziges Objekt handelt. So spielt der Hintergrund just die eine Rolle als Größenvergleich und Kontextanzeige. Das Kreuzlein dagegen steht wie eine Minitaurausgabe des ganzen Friedhofs in seiner Eiskristall-Landschaft und macht deutlich, dass Tod nichts mit Grösse zu tun hat. Das weiche Licht und die sich deutlich vor dem dunklen Hintergrund der Hecke abhebenden Eiskristalle sorgen für eine gute Tonwertverteilung bei starkem Kontrast. Die Komposition passt, indem das Kreuz nicht genau in der Mitte steht und sein Sockel wie ein Hügel die kleine Landschaft in der grossen verdeutlicht. Die dürren, wie Arme in den Himmel hochragenden Blumen hinten rechts sind eine ideale Ergänzung des Kreuzes im Vordergrund.

Ich würde hier allenfalls am oberen Bildrand ein wenig schneiden, um die weiße, offenbar schneebedeckte kante der Hecke loszuwerden, die doch ein wenig ablenkt. Ferner hättest Du versuchen können, den Schriftzug im kleinen Kreuz (Griechisch?) mit etwas Seitenlicht beispielsweise durch einen improvisierten Reflektor aus irgendeiner hellen Fläche hervorzuholen. Und, wenn es denn doch eine Spiegelreflex gewesen sein sollte, mit der die Aufnahme entstand, den großen Schriftzug links – der lesbar ist – in ein klein wenig mehr Unschärfe versinken zu lassen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Lieber Peter, danke schön für die gute Rezension.

    Nun, es war wirklich eine Kompakte und meine Hände zitterten wegen der Kälte.
    Viel eingestellt habe ich nicht, sondern einfach auf Makro und automatische Schärfe gestellt.
    Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Spiegelreflex.
    Das der Bildrand ein wenig geschnitten werden könnte, stimmt!
    Du hast recht. Oben rechts sind ein wenig störende Elemente zu sehen.
    Das ich den Namensschriftzug unscharf machen wollte, kam mir auch in den Sinn, allerdings hätte ich es nur getan, wenn der komplette Doppelname zu erkennen gewesen wäre.
    So, glaube ich, hat das kalte Kreuz sogar noch einen Namensbezug.
    Vielen Dank nochmal und Grüße,
    Frank Goebels

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