Gegenlicht-Akt:
Zu viel Drama

Gutes Gegenlicht verlangt nach entsprechender Aufhellung, um die Hauttöne im Porträt oder Akt nicht zu gefährden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bela Beier).

Kommentar des Fotografen:

Beim Testen eines neuen Blitzes entstanden.

Profi Horst Kløver meint zum Bild von Bela Beier:

Da hat der neue Blitz aber ganz schön reingehauen. Man kann auch sanfter mit einer Lady umgehen, gerade, wenn es um Hauttöne geht… Pose und Bildidee sind im Grunde sehr interessant, das Model scheint für ein erotisches Porträt, eine Aktaufnahme geeignet.

Auch an Gegenlicht ist an sich nichts auszusetzen, nur musst du es mit einer weichen Aufhellung von vorne auffangen:

Hierfür eignen sich Aufheller, mit Alufolie oder weissem Stoff bespannte Bretter – alles, was in Kameranähe die Riesenmenge Licht, die Dein Modell durchstrahlt, auffängt und zurückwirft. Auch eine große Softbox (mindestens 60×80 cm) mit einem weiteren, regelbaren Blitzkopf bestückt, wirkt Wunder. So vermeidest du krasse Kontraste dort, wo hell und dunkel zu hart aufeinander treffen und Kanten enstehen, die im Brust- und Bauchbereich schon in ein brandiges Rot mit einer Tendenz in bräunliche Grüntöne umschlagen. Jeder Versuch, dieses Bild auszudrucken, muss misslingen – kein Drucker kann diese Kanten mehr verarbeiten.

Auffällig sind auch die Blendenflecke. Durch ein Herunterregeln der Blitzleistung oder eben den erwähnten Ausgleich von vorne könntest Du diese unter Kontrolle bringen und so vielleicht sogar mit Gewinn für die gesamte Bildwirkung einsetzen. Das Licht sollte den schönen Körper umspielen, nicht verbrennen. Schade ist es um Partien wie zum Beispiel die Kniekehlen, wo sich in Deinem Bild noch die Lichteffekte andeuten, die einem Körper Plastizität geben können. Diese würden Dein ganzes Bild beleben und ihm die reizvolle Wirkung geben, die Du beabsichtigst.

Ich wurde vor etwa drei Jahren von einem Freund gebeten, ihm bei seinem ersten FHM-Shooting das Licht zu setzen. Einmal hatten wir für eine schwierige Einstellung zwölf Blitzköpfe mit Softboxen, Striplights und Spots im Einsatz! Ich glaube, ein Spot hat nur einen nackten Fuss von hinten mit einer kaum sichtbaren Lichtkannte versehen… Es lohnt sich immer, mit Licht zu spielen, wie Du es wohl gerne tust. Dein Bild ist Beweis dafür.

Dass Dir auch der einfühlsame und poetische Umgang mit dem schönen Geschlecht nicht fremd ist, zeigt das schwarzweisse Bild, das Douglas Abuelo im April 2008 unter dem Titel „Ein ungewöhnliches Porträt“ besprochen hat. Auch dort gehst Du mit hartem Licht vor, aber Schwarzweiss lebt von starken Kontrasten, die man im Farbbild eher zügeln muss. Wunderbar finde ich persönlich hier die Schrift auf dem Rücken dieses anderen Bildes – Gefährliche Liebschaften lassen grüssen, und die Künstlerin Shirin Neshat hat so wunderbare und auch sehr kritische Geschichten erzählt. Gibt es noch mehr davon von Dir?

Zur Pose: Wie schon erwähnt ist sie spannend, nur ist nicht ganz klar, warum nur ein Arm ohne Hand, ein Bein ohne Fuss und wenige der wilden Haare zu sehen sind. Es ist immer besser, alle Gliedmaßen eines Menschen zumindest anzudeuten, auch wenn es nur ein parallel leicht versetztes Bein hinter dem anderen ist. Menschen wollen komplette Menschen sehen. Ich verstehe durchaus, dass Du den Po im Off lässt, dies ist eine in der sitzenden Darstellung sehr schwierige Partie. Versuche trotzdem, auch hier im aufgehellten Gegenlicht eine ansprechende Lösung zu finden. Dass Du es kannst, beweist Dein Flickr-Stream, zum Beispiel an den Bildern von K. oder Mala.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Bela says:

    hi!
    erstmal danke fürs kritisieren :)

    ein paar frage (eigentlich nur frägchen) hätte ich noch: bei diesem bild habe ich den blitz durch eine reflektor geworfen, und gehofft, das es ausreicht. denn leider lässt sich der blitz nicht genau einstellen.

    gibt es da eine möglichkeit, die blitzmenge zu regulieren? mit einer faustregel zum beispiel den kopf abzuschirmen? oder kann ich nur noch mit indirektem licht arbeiten? (das mit den farben: jaaaa, ich weiß das die miserabel sind. unkalibrierter schirm und unkalibriertes hirn ;)

    die pose ist deswegen etwas arm- und beinlos, weil das modell mit dem bildabgewandeten arm und dem bein der reflektor vor den blitz gehalten hat – multifunktional, sozusagen. die haare und und restlichen gliemaßen hatte ich in dem – vermutlich irrigen – versuch angeschnitten, um den körper als rahmen für die blendenflecke zu setzn. vermutlich nicht gelungen. fällt dir eine möglichkeit ein, wie das funktioneiren kann, oder ein beispiel?

    das mit der sitzfläche ;) wie kann ich den breit & flach – eindruck vermeiden? das einzige, was mir spontan einfällt, wäre auf der abgewandten seite die sitzfläche zu erhöhen – ein telefonbuch oder ähnlcihes – und so die bild-seite ein bisschen nachzuregiulieren. das stelle ich mir aber fürs modell monströs unbequem vor. sonst fällt mir leider da nix ein, gibts da ’nen trick? oder muss es wohl oder übel dann halt in der bildbearbeitung sein?

    @ das erste bild: joa, da gibts schon was, allerdings nur sporadisch. habe mir allerdings vorgenommen, das demnächst mal richtig zu verfolgen. und ich fürchte, dass ich die kunstfertigkeit von neshat nicht erreiche. das ist schon mal noch ne ganz andere liga … aber versuchen kann man es trotzdem. :)

    danke für tipps im voraus,
    bela

    p.s. sorry für die schreibfehler und kleinschreibung – smartphones sind nicht optimal für texte …

    Antworten
    • Horst Kløver says:

      Der Durchlicht-Reflektor, den Du von Deinem „multifunktionalen“ Model hast halten lassen, veteilt das Licht nur etwas gleichmässiger, nimmt ihm aber höchstens eine Blende an Intensität. Besser hätte sich der Reflektor in seiner reflektierenden (Die goldene Seite macht schöne Hautöne) Eigenschaft auf der Seite der Kamera gemacht – denn durch die Aufhellung von vorne wird die Lichtmenge von hinten quasi im Vordergrund verteilt. Du belichtest im vorliegenden Bild eigentlich auf nicht aufgehellte Schattenpartien des Körpers vorn. Also machst du die Blende sehr weit auf, um dort überhaupt einigermassen normale Tonwerte zu erhalten. Der Blitz, in den du wie in die Sonne bei einer vergleichbaren Gegenlichtaufnahme in der Natur hineinschaust, wird so stark überbelichtet. Versuch einmal, aufzuhellen und du wirst die Kontraste besser in den Griff bekommen.
      Die Blitzleistung kann man mit neutraldichten (ND)-Fliterfolien stufenweise reduzieren. Hier gelten die gleichen Abstufungen wie bei Graufiltern, die man an Objektiven einsetzt. Das ist Studiozubehör, gibts auch beim Filmgeräteverleih. Versuchs mal bei Calumet.

      Es gibt auch eine geniale Halterung für Aufheller, falls Du Dein Model etwas entlasten willst: Manfrotto/Avenger D705B. Dazu benötigst du noch ein Standardstativ.

      Zur Haltung: Ich kann hier leider keinen Aktfoto-Kurs beginnen (schade, eigentlich – dazu müsste ich mich aber vorher selbst mehr mit dem reizvollen Thema befassen). Dennoch zwei Tipps:
      Abstand halten und längere Brennweite einsetzen, so werden Körperteile im Vordergrund nicht überproportional gross abgebildet. Aus diesem Grund sind Fotostudios meistens länger als breit.
      -Im Knien kann das Model den Po anheben, mit den freien Händen (ohne den Aufheller) kann es sich abstützen und so auch die Bodenhaftung vermeiden. Eine Erhöhung der Sitzfläche verlagert das Problem nur, denke ich. Der Rest ist deinem Talent überlassen!

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