Olympus E-30 im Test (1/3):
Der Mac der Fotografie?

Die Ankündigung der Olympus E-30 klang ziemlich marketingmäßig, wenig interessant: Braucht man eine Kamera mit “Grainy Film-Modus”? Nun, haben wir uns ihr etwas ausführlicher gewidmet. Einige Features sind durchaus interessant.

Olympus gilt bislang als Nischenhersteller bei den Anbietern von Digitalspiegelreflexkameras: Platzhirsche sind Canon und Nikon. Doch hat Olympus technisch viel zu bieten. Das technisch interessanteste Produkt aus dem Haus Olympus momentan ist die E-30.

Die Olympus E-30 kombiniert die Funktionen von Olympus’ Profi-Digitalspiegelreflexkamera E-3 und der Consumer-Spiegelreflexkamera E-520 . Dabei wurden von beiden Modellen technische Fortentwicklungen übernommen:

Von der E-3 beispielsweise der klapp- und drehbare Monitor, der bei der E-30 mit 2,7 Zoll / 6,9 cm Bildschirmdiagonale und 230.000 Pixeln (320 x 240 Pixel RGB-Auflösung) noch etwas größer ausgefallen ist als bei der E-3 sowie der schnelle Phasen-Autofokus mit elf Autofokus-Sensoren der E-3.

Von der E-520 kommen dagegen der neue Kontrast-Autofokus, die Gesichtserkennung und der Bildsensor mit 12,3 Megapixeln sowie die blauen statt grünen Kennzeichnungen, was farbenblinden Fotografen zugute kommt.

Ebenfalls von der E-3 kommen die höhere Empfindlichkeit von bis zu ISO 3200, kürzere Blitzsynchron- (1/250 s) und Belichtungszeiten (1/8000 s), das drahtlose Blitzkoppelsystem, die Serienbildfunktion mit bis zu fünf Bildern pro Sekunde und einem Puffer für bis zu 12 RAW-Aufnahmen.

Dann der zusätzliche Weißabgleich-Sensor auf der Frontseite, der sich links neben dem Auslöser befindet, die zwei Drehräder vorne und hinten an der Kamera und die Direktzugriffstasten für ISO-Empfindlichkeit, Belichtungs- und Fokusautomatiken sowie Weißabgleich. Schließlich das “Lightbox”-Feature, bei dem ein Bild mit allen anderen auf der Speicherkarte nebeneinander gestellt werden kann.

Nicht übernommen wurde das spritzwasserfeste Magnesiumgehäuse der E-3 – sonst hätte Olympus auch deren Preis und Gewicht für die E-30 übernehmen müssen. Wer nicht gerade mit seiner Kamera auf Wildwasser-Kanutouren gehen will oder als Polizeireporter von Einsatz zu Einsatz rennt, kann mit dieser Einschränkung sicher leben. Das Kunststoffgehäuse ist jedoch mit Glasfaser verstärkt und damit stabiler als das der E-520.

Mit dem schwenkbaren Monitor kann man sich nun auch beim Selbstportrait beobachten – allerdings nur im Landschaftsmodus. Im Portraitmodus steht das Monitorbild in dieser Anordnung Kopf!

Auch nicht übernommen wurde der fehlende Programmwahlschalter an der E-3: Diesen hatte Olympus aufgrund Klagen der Kunden, ihn immer wieder versehentlich zu verstellen, bei der E-3 kurzerhand durch Drucktasten ersetzt, was jedoch noch unangenehmer war: Nun war der Programmwechsel ziemlich umständlich geworden.

Bei der Olympus E-30 ist der bei allen vorherigen Modellen (außer eben der E-3) rechts angeordnete Programmwahlschalter stattdessen nach links gewandert. Damit kommt er dem Auslösefinger nicht mehr in die Quere und unbeabsichtigte Programmwechsel dürften deutlich seltener werden.

Zudem wurde so rechts der Platz frei für das zusätzliche, zuvor nur bei der E-3 zu findende LC-Statusdisplay. Dieses ist praktisch bei Nachtaufnahmen: Der Monitor – auch auf minimale Helligkeit reduziert – ist wesentlich heller und damit eventuell blendender als das auf Knopfdruck einige Sekunde grün schimmernde Display unterhalb des Auslösers. Allerdings kann letzteres nur 999 freie Bilder auf der Speicherkarte anzeigen, der Monitor dagegen 9999.

Auch der Einschalter hat auf einem Ring bei den Cursortasten einen sicheren und doch gut erreichbaren Platz gefunden.

Die Olympus E-30 ist sozusagen der “Mac” der Fotowelt. Die ART-Kreativprogramme sollen dies widerspiegeln, die ebenso wie die Mehrfachbelichtungs-Funktion mit der E-30 neu hinzukamen und weder bei E-3 noch E-520 zu finden sind. Zwar kann man ihre Effekte besser am Computer erzielen und sie werden daher werden in der Praxis nur wenig genutzt werden. Aber sie sollen zu Ideen anregen.

Die bei Kreativ-Fotografen in den letzten Jahren recht häufig zu sehenden “schrägen” Bilder sind dagegen mit der Olympus E-30 Geschichte: Sie hat eine eingebaute doppelte elektronische Wasserwaage, mit der sichergestellt werden kann, dass die Kamera weder gekippt ist (wichtig bei starken Weitwinkelobjektiven, um stürzende Linien zu verhindern) noch der Horizont schief hängt.

Back- und Frontfocus, bei Four-Thirds-Objektiven bis vor kurzem noch als nichtexistent angesehen, können für bis zu 20 Objektive individuell korrigiert und abgespeichert werden. Auch ist es nun möglich, neben 4:3 auch andere Bildformate wie beispiels-weise 16:9 zu wählen.

Allen Zweifeln angesichts der Marketingankündigungen zum Trotz überzeugte die Olympus E-30 im Test mit ausgezeichneter Performance. Nur der Kontrast-Autofokus im Live-View-Modus ist nach wie vor langsamer als der bislang unerreichte Live-View-Autofokus der Olympus E-330. Zudem ist der Kontrast-Autofokus nur mit den folgenden fünf Olympus-Objektiven verfügbar:

  • ZUIKO DIGITAL 9 – 18 mm 1:4,0 – 5,6
  • ZUIKO DIGITAL 14 – 42 mm 1:3,5 – 5,6
  • ZUIKO DIGITAL 14 – 54 mm 1:2,8 – 3,5 II
  • ZUIKO DIGITAL 25 mm 1:2,8 Pancake
  • ZUIKO DIGITAL 40 – 150 mm 1:4,0 – 5,6

Es ist also nicht – wie ursprünglich angenommen – möglich, alle Objektive auf Kontrast-Autofokus-Tauglichkeit nachzurüsten. Der Grund: Große, schwere Linsengruppen sind für die langsamen Annäherungsschritte des Kontrast-Autofokus zu schwerfällig. Es sind daher mit Ausnahme des ZUIKO DIGITAL 14 – 54 mm 1:2,8 – 3,5 II die leichten Kompakt-Objektive, die Kontrast-Autofokus-fähig sind.

Auch entfällt selbst mit Kontrast-Autofokus und manueller Belichtung – wenn es also weder für den normalen Phasen-Autofokus noch die Belichtungsmessung erforderlich wäre – das Spiegelklappern. Wer klassische Konzerte fotografiert, muß also bei Bridge-Kameras bleiben. Canon kennt hier einen “Ruhe”-Modus ohne Spiegelklappern.

Praktisch ist der Kontrast-Autofokus für Infrarot-Fotografen : Die Fehlfunktion des normalen Phasen-Autofokus infolge der Fokusabweichung im Infrarot-Bereich tritt hier nicht auf.

Doch nun die neuen Funktionen im Detail:

Back- und Frontfocuskorrektur

Bislang galt die Devise: “Bei Four-Thirds-Optiken gibt es kein Back- oder Frontfocus”. Doch das stimmte zwar meistens, aber nicht immer: Im starken Telebereich kommt auch bei Four Thirds hin und wieder ein leichter Fehlfokus zustande. Kein Grund, gleich Kamera und Objektiv zur Reparatur einzuschicken, doch etwas störend.

Bei der Olympus E-30 kann man daher nun für bis zu 20 Objektive individuelle Autofokus-Korrekturwerte ermitteln und abspeichern. Das ist auch nützlich für Spezialfälle wie Infrarot-Aufnahmen, falls ein Objektiv doch nur mit Phasen-Autofokus genutzt werden kann.

Die elektronische Wasserwaage

Die Olympus E-30 hat eine vom Hersteller so genannte Nivellieranzeige in zwei Ebenen. Diese ist wie eine – beziehungsweise zwei – Wasserwaagen zu verstehen: Sie können sowohl überprüfen, ob der Horizont gerade steht – dies wird auch im Sucher und auf dem Statusdisplay angezeigt – als auch, ob Sie die Olympus E-30 gerade oder verkantet halten. Letzteres ist sehr nützlich, um stürzende Linien bei Weitwinkelaufnahmen zu vermeiden und wird nur auf dem Monitor angezeigt

Auch in der Live View wird angezeigt, ob Sie die Kamera gerade halten: Dann werden die Skalen der Nivellieranzeige grün

Die neuen Bildverhältnisse

Four Thirds hat stets ein Bildverhältnis von 4:3, auch wenn kein Zusammenhang zwischen Systemname und Bildverhältnis besteht. Andere Kamerasysteme arbeiten mit quadratischen Formaten (Mittelformat 6 x 6), mit 3:2 (Kleinbild) oder nehmen im modernen Fernseh-Breitwandformat 16:9 auf.

Olympus geht bei der E-30 mit der Zeit: Sie können bei Bedarf auch in den acht alternativen Bildverhältnissen 7:5, 6:5, 7:6, 5:4, 6:6, 16:9, 3:2 und 3:4 aufnehmen.

Dazu wird das Bild entsprechend beschnitten – Sie erhalten also eine Aufnahme mit entsprechend weniger Pixeln. Eine der Funktionen, die Japaner toll finden – aber bei uns niemand braucht.

Sie können wählen, ob dieser Beschnitt nur bei Aufnahmen mit der Live View geschehen soll – wo er angezeigt wird – oder auch bei Benutzung des Suchers, wo man dann halt erst nachher merkt, daß leider entscheidende Bildteile abgeschnitten wurden.

Außerdem kann ein Bild auch im Wiedergabemenü nachträglich beschnitten werden. RAW-Dateien werden unbeschnitten aufgezeichnet.

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