Lukas Roth:
Dokumentarisches und Unwirkliches

Uli Eberhardt, 1. April 2009 10:27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Lukas Roth arbeitet auf zwei Schienen: Architektur fotografiert er so dokumentarisch wie möglich. In seinen freien Bildern setzt er aus Schnipseln neue (Un)Wirklichkeiten zusammen.

Zwei aktuelle Ausstellungen zeigen die beiden verschiedenen Wege, die Lukas Roth verfolgt. Die eine – bei Camera Work in Berlin – heißt “Rekonstruktionen” und der Titel verweist auf die wiederhergestellte Wirklichkeit. Die andere – in der Stuttgarter vhs-photogalerie – heißt “Lukas Roth – Architekturfotograf”.

Architekturfotografie bedeutet für Lukas Roth das Übersetzen von “gebauter dreidimensionaler Architektur” in ein “zweidimensionales Abbild” – so dokumentarisch wie möglich. Charakteristiken, die das Bauwerk in seinen Augen auszeichnen, holt er bei bestmöglichem Sonnenstand so deutlich hervor, dass sie auch in der Fläche des Fotos erlebt werden können. Lukas Roth will die Gebäude nicht schöner erscheinen lassen, sondern möglichst klar das Wesen des Gebäudes und den Entwurfsgedanken des Architekten zu zeigen.

Seit 2002 nimmt sich der Kölner Fotograf wieder Zeit und Muße für seine künstlerische Arbeit. Kunst sieht er als Befreiung von den Konventionen der Arbeit und des Sehens. Lukas Roth bedient sich dabei einer speziellen Technik: Er fotografiert einzelne Elemente alltäglicher Plätze wie Bahnhöfe, Straßen, Strände oder Architekturansichten, um sie später zu einem Gesamtbild zu verarbeiten. Die fertigen Arbeiten erscheinen uns auf den ersten Blick wie idealtypische Bilder vertrauter Orte.

Die imposante Erscheinung des Aquariums offenbart ihren Tiefgang auf den zweiten Blick: Im Vordergrund beobachten Menschen durch eine Glasscheibe die Szenerie. Der Hai ganz oben schwimmt jedoch über sie hinweg und das Meer scheint ihm offen zu stehen. Der Raum wird unwirklich.

Roth bedient sich sich der klassischen (Großformat)fotografie und bearbeitet die Vorlagen dann am Computer. Er legt die gefundenen Gegebenheiten neu an und konstruiert – oder rekonstruiert, wie es der Ausstellungstitel nahelegt, unwahrscheinliche Wirklichkeiten.

Lukas Roth, Jahrgang 1965, hat an der Ecole Nationale Supérieure de la Photographie in Arles, Frankreich studiert. Er sagt darüber: “Der Hauptgrund, warum ich an diese Schule wollte, war die gleichberechtigte Ausbildung in den Bereichen Kunstgeschichte, Theorie und Praxis, sowie Handwerk und Kunst.” Roth spezialisierte sich auf die Architekturfotografie und arbeitet seit 1991 als freier Fotograf. 2004 bekam er eine der renommiertesten Auszeichnungen für Fotografie, den Otto-Steinert-Preis der Deutschen Photographischen Gesellschaft. Auf Lukas Roths Website können wir uns diese Bilder anschauen (Vorsicht, Flash!).

Lukas Roth – Rekonstruktionen
Bis 18. April
Galerie Camera Work, Kantstraße 149, D-10623 Berlin
+49 (0) 30 31 00 77 – 3, info@camerawork.de
Geöffnet: Dienstag bis Samstag 11 – 18 Uhr

Lukas Roth – Architekturfotograf
Bis 30. April
vhs-photogalerie, Rotebühlplatz 28, D-70173 Stuttgart
+49 (0) 711-1873790, ruediger.floege@vhs-stuttgart.de
Geöffnet Montag bis Samstag 8 – 23 Uhr, Sonntag 9 – 18 Uhr

Lukas Roth
Camera Work
vhs-photogalerie

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