Olympus E-30 im Test:
Fragwürdige Dunkelbelichtung

Um bei Langzeitbelichtungen fehlerhafte „Hot Pixel“ zu eliminieren und das Sensorrauschen zu reduzieren, kann bei den meisten DSLR in einer zweiten Phase ein Dunkelbild aufgenommen und vom Originalbild subtrahiert werden. Der Nutzen wird allerdings oft angezweifelt. Wir haben an der Olympus E-30 mit einer ausführlichen Testreihe nachgetestet.

Die Olympus E-30 kennt Rauschminderung und Rauschunterdrückung (Bild: W.D.Roth)Praktisch jede bessere digitale Spiegelreflexkamera hat zwei Mechanismen zur Rauschunterdrückung: Der eine versucht, das normale Sensor- und Verstärkerrauschen der Elektronik zu vermindern. Dazu wird mit einem mehr oder minder guten Algorithmus das Bild „entschärft“, weichgezeichnet. Gut ist die Funktion, wenn es dabei nicht sichtbar unscharf wird.

Bei der Olympus E-30 nennt sich diese Funktion „Rauschunterdrückung“ – sie kennt die Stufen „Aus“, „Weniger“, „Normal“ und „Stark“. Wie stark das Rauschen bei den verschiedenen Empfindlichkeiten ist und welche Einstellung hier sinnvoll ist, zeigen wir in einem anderen Beitrag.

Der andere Vorgang heißt bei der Olympus E-30 „Rauschminderung“:

Er zielt auf das Langzeitrauschen ab, das vor allem durch fehlerhafte Pixel des Bildsensors bei längeren Belichtungszeiten entsteht.

 

Einige liefern kein Signal, bleiben dunkel. Diese stören nur wenig. Andere haben „Lecks“, werden mit zunehmender Belichtungszeit hell – da sie jeweils eine Farbe zugeordnet sind, entstehen konfettiartige „Hot Pixel“ im Bild.

Gelungene Nachtaufnahme mit Rauschminderung: Olympus E-30, ISO 100, ZUIKO DIGITAL 14 - 54 mm 1:2,8 - 3,5 II bei 14 mm, 30 s, Blende 1:2,8: Das Sternbild Orion ist (nach Klick aufs Bild) klar zu erkennen (Bild: W.D.Roth)Wenn bei einer nächtlichen Vollmondaufnahme plötzlich Konfetti in der Wiese liegen oder am Sternenhimmel noch jede Menge bunter Sterne hängen, die es in keinem Sternenkatalog gibt, ist dies sehr ärgerlich. Also ist die Rauschminderung auf jeden Fall einzuschalten.

So dachte ich, und so dachte auch Peter Sennhauser. Leser waren in den Kommentaren anderer Ansicht. Also haben wir mal nachgemessen: Ganz simpel, mit dem Deckel auf dem Objektiv, Blende 22, und dann die Belichtungszeit immer weiter erhöht, eine Sekunde, zwei Sekunden, vier Sekunden…eine Minute, zwei Minuten, vier Minuten, acht Minuten, fünfzehn Minuten und schließlich dreißig Minuten – die bei der Olympus E-30 maximal mögliche Belichtungsdauer.

Im letzten Fall ist ein gut geladener Akku Pflicht: Wer mit dem bei der Olympus E-30 möglichen Maximum von 30 Minuten und aktivierter Rauschminderung belichtet, muß einen Akku eingelegt haben, der eine Stunde am Stück durchhält. Andernfalls war alle Mühe vergebens und es wird kein Bild abgelegt – nein, leider auch keins ohne Rauschminderung. Dabei kann einem dann schon die Zeit lang und die Füße kalt werden.

Das wäre Ihr Preis gewesen: Wenn während der Nachbelichtung dies erscheint, ist die Aufnahme futsch. (Bild: W.D.Roth)Etwas irritierend ist dabei, dass die Olympus E-30 sich während der eigentlichen Aufnahme komplett tot stellt, sodass man nie genau weiß, ob sie überhaupt noch aufnimmt oder der Akku bereits den Geist aufgegeben hat. Canons lassen dafür ein penetrantes rotes LED leuchten, Nikons zeigen Informationen auf dem LCD an, sonst nichts.

Während der anschließenden Dunkelbelichtung blinkt bei der E-30 dagegen „Busy“ auf einem grün dauerleuchtenden Statusdisplay (normal leuchtet es maximal fünf Sekunden) und die orange Anzeigeleuchte flackert, die anzeigen soll, dass Daten gespeichert werden.

Das ist dann schon zuviel des Guten, denn gerade in diesem Stadium kann auch ein zuvor noch als voll angezeigter Akku an die Grenze seiner Kapazität kommen. Wenn das passiert, erscheint nur noch kurz BATTERIE LEER in rot auf dem Monitor und die Aufnahme ist verloren! In diesem Moment geht nichts mehr, man kann die Aufnahme nicht mehr abspeichern und die Olympus E-30 tut es von sich aus leider auch nicht, bevor ihr der Saft ausgeht. Unseres Wissens ist das bei Canon und Nikon dasselbe. Nett wäre hier, wenn die Hersteller zuerst das Rohbild auf die Karte speichern, dann im internen Memory die Korrektur vornehmen und dann das Rohbild überchreiben würden. Braucht zwar auch Saft, stellt aber sicher, dass der Fotograf wenigstens irgendwas vorzuweisen hat.

Olympus E-30, ISO 100, ZUIKO DIGITAL 14 - 54 mm 1:2,8 - 3,5 II bei 14 mm, 8 Minuten bei Blende 1:8: Die Bewegung der Sterne am Himmel zeigt, welche Punkte keine Hot Pixel sind (Bild: W.D.Roth)Von der 30-Minuten-Belichtung mit Rauschminderung sollte man zumindest bei der E-30 allerdings ohnehin absehen – wie die in der Galerie zu sehende Testreihe zeigt, funktioniert die Rauschminderung bei einer 30-Minuten-Belichtung nicht einmal mit ISO 100 mehr: Das Rauschen steigt stattdessen.

Das verblüffende Ergebnis des Tests: Es gibt nur einen schmalen Korridor von Belichtungszeiten, in dem die Rauschminderung bei hohen Empfindlichkeiten ab ISO 400 wirkt. Unter 8 Sekunden addiert sie insgesamt sogar Rauschen, obwohl sie einzelne Hot Pixel durchaus effektiv eliminiert, und über 60 Sekunden entsteht durch den zweimaligen Durchlauf ebenfalls zuviel Rauschen.

Nur bei niedrigen Empfindlichkeiten von ISO 100 oder ISO 200, bei denen das Empfindlichkeitsrauschen niedrig bleibt, funktioniert die Eliminierung des Langzeitrauschens, doch bei der vollen Belichtungszeit von dreißig Minuten ist auch mit ISO 100 das Rauschen mit Rauschminderung am Ende höher als ohne.

Ab vier Minuten war schon ohne und erst recht mit Rauschminderung im Test bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 3200 kein Ergebnis mehr zu sehen, da das Rauschen offensichtlich die Elektronik übersteuert hatte. Deshalb zeigen wir oberhalb von vier Minuten die Ergebnisse bei ISO 400 und ISO 1600. Sobald Streifen erscheinen, war der JPG-Encoder der Olympus E-30 überfordert.

Es ist klar, dass Nachtaufnahmen dieser Länge meist bei geringen Empfindlichkeiten gemacht werden, doch beim nächtlichen Aufnehmen einer Lichtung sind derartige Werte durchaus realistisch.

Das Bild (die ganze Testreihe in der Galerie) ist jeweils ein Ausschnitt von 800 x 600 Pixeln der rechten unteren Ecke der Originalaufnahme, da wir online nicht die vollen 4032 x 3024 Pixel der Olympus E-30 zeigen wollten – die Ladezeiten wären zu arg.

Zur Bildreihe

2 Antworten
  1. Wolf-Dieter Roth says:

    @Rob: Das Rauschen nimmt auch unter 8 Sekunden zu. Die Hotpixel nicht, die werden brav wegsubtrahiert, dennoch schaut es nachher definitiv schlimmer aus als vorher. Ist in der Galerie ja zu sehen, wir haben die Testbilder extra so hochgeladen, daß sie nicht skaliert werden (das läßt die Pixel verschwinden, so wie in den beiden Nachtaufnahmen, wenn man nicht aufs Bild klickt).

    Und ja, bei ausreichend hoher Empfindlichkeit findet die Subtraktion auch in diesem Zeit-Bereich statt, so man nicht „AUTO“ eingestellt hat (dann wird erst ab 4 Sekunden subtrahiert).

    Irgendwann wird die Subtraktion komplett abgeschaltet, das stimmt, aber das passiert erst in einem Bereich, wo keine Hot Pixels mehr in nennenswertem Maß sichtbar werden.

    Der Test hat einige Tage benötigt (belichte mal hoch bis 30 Minuten = 60 Minuten mit Rauschminderung in allen möglichen Empfindlichkeiten…hochgeladen haben wir nur die interessantesten Ergebnisse). Vorher habe ich auch an die Funktion geglaubt.

    Ob das nun an den Sensoren liegt? Da bin ich mir nicht sicher. Denke, das Rauschen kommt auch aus der Elektronik. Die alten Kodak-CCDs sind mir für angeblich (hatte selbst bislan keine Olympus DSLR vor der E-330 in der Hand) schönere Farben bekannt, aber rauschärmer? Wäre mir neu. Zudem haben die Olympus-DSLRs vor der E-3 maximal ISO 1600 erlaubt – etwas außer Kontrolle gerät die Sache aber vor allem in der ISO-3200-Einstellung, die ich hier für deutlichere Bilder zeige, die ich aber bei eigenen Nachtaufnahmen von Ausnahmesituationen (Mondlicht und kein Stativ dabei…) eher meiden würde.

    Ich würde ohnehin nicht NMOS/LiveMOS gegen CCD tauschen, weil ich auf die Live View nicht verzichten möchte.

    Antworten
  2. Rob. S. says:

    Schönen Dank für die interessante Beobachtung. Ich hatte schon mit der E-330 und danach mit der E-510, also seitdem Olympus die Kodak-FFT-CCDs mit Panasonic-NMOS-Sensoren zu ersetzen begann, den Eindruck, dass die Wirksamkeit der Dunkelfeld-Rauschunterdrückung („Rauschminderung“) bei höheren ISO abnahm, wohingegen sie zuvor noch den Eindruck nahezu hundertprozentiger Wirkung hinterlassen hatte.

    Die Beobachtung, dass unter 8 Sekunden die Hotpixel trotz Darkframe-Subtraktion zunehmen, könnte allerdings daran liegen, dass (u.U. je nach ISO) die Darkframe-Subtraktion unter 8 Sekunden schlicht nicht stattfindet. Eine ungeschickte Entscheidung der Entwickler schon bei der E-510, die im Bereich von 1 bis 8 Sekunden durchaus auch bereits Langzeitrauschen zu produzieren in der Lage ist.

    Zum Glück gibt es Tools, mit denen man Langzeitrauschen/Hotpixel auch nachträglich noch ganz gut in den Griff krioegen kann, zum Teil sogar auf RAW-Basis…

    Grüße,
    R.

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