Strahlende Lichter:
Morgenglück

Früh aufstehen und geduldig sein. Wichtige Eigenschaften für einen Fotografen. Das gelungene Foto vom Nebellicht beweist es.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Reis).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen an einem nebligen Herbstmorgen, einige Zeit bevor die Sonne aufging. Eigentlich war ich vom Wetter enttäuscht, habe ich doch schönes Wetter erwartet. Als ich aber dieses Motiv gesehen habe, war die Enttäuschung schnell verflogen. Das Licht stammt von einer Strassenlaterne, den Weissabgleich habe ich von aufgenommenen 3600K nachträglich in Lightroom nach unten auf 2350K korrigiert.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Pascal Reis:

Wer solche Fotos machen will, kann schon mal den Wecker vorstellen. Der Fotograf Pascal Reis ist noch vor Sonnenaufgang durch die Straßen gezogen. Statt des erwarteten schönen Wetters bekam er Nebel – und damit erst die Möglichkeit, diese Lichtstrahlen so beeindruckend festzuhalten.

Die Komposition ist beispielhaft. Rechts der Baum fast genau halbiert und im Dunkeln, die Lichtstrahlen zielen nach links und beleuchten damit eine kleinere Variante des Baums hell. Die Horizontlinie beherzigt die Regel des Goldenen Schnitts und liegt sogar noch etwas tiefer, damit der Himmel mit dem strahlenden Licht mehr Platz im Bild hat.

Vor allem durch den bläulich-lila Himmel und das nur schemenhaft erkennbaren Haus im Hintergrund gewinnt das Bild eine mystische Note, die sich gut für Buchtitel anbieten würde. Thriller oder Liebesroman: Passen würde beides. Der Titel kann in das dunkle untere Drittel gedruckt werden.

Störend ist leider das Haltestellenschild mit Mülleimer, auch wenn beide nur als Silhouette erkennbar sind. Diese profanen „Straßenmöbel“ nehmen dem Foto etwas von der Mystik und verhindern, dass die Phantasie beim Betrachten zu weit abschweift. Wir bleiben in der Realität.

Mit Photoshop ist es jedoch leicht möglich, die störenden Silhouetten zu entfernen. Ich habe das kurz probiert und dafür hauptsächlich das Ausbessern-Werkzeug genutzt. Für die verbliebenen Ränder nahm ich den Kopierstempel mit geringer Deckkraft.

Beim Bearbeiten in Photoshop kam mir auch eine Präsentationsidee: Ich wollte probieren, ob das Foto horizontal gespiegelt besser wirkt, da die europäische Blickrichtung von links nach rechts geht und dann der Lichtquelle an die Ränder folgen würde.

Mystische Spiegelung

Ich konnte mich nicht entscheiden und habe beide Varianten nebeneinander gelegt: Links das Original, rechts die Spiegelung. So wird eine starke Symmetrie erzeugt, die in einem schlichten Passepartout mit beiden Fotos nebeneinander gut zur Geltung käme.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Corinne ZS says:

    Die Fortsetzung des Kaleidoskops mit anderen Mitteln, möchte ich meinen. Und das Ergebnis ist sehr schön! Bravo, Herr Kneschke. Spiegeln Sie bitte weiter!

    @ Herrn Reis: Farben, Motiv und Schlichtheit des Bildes sind sehr eindrücklich. Und weil das Auge offenbar immer das Licht sucht, möchte man hier gerne ein wenig im Bild spazieren.

    Antworten
  2. Pascal says:

    Vielen Dank für die Kritik! Ich habe bereits störende Elemente aus dem Bild entfernt (sorry habe ich vergessen zu erwähnen). So ist ein parkiertes Auto auf der linken Seite dem Ausbesserwerkzug zum Opfer gefallen, sowie ein kleiner grüner Mülleimer zwischen dem Halteschild. Das Bild aber gänzlich von störendem zu berfreien macht durchaus Sinn.

    Besonders gut gefällt mir die gespiegelte doppelte Anordnung, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Hier kann wie bei einem Rorschachtest, die Phantasie noch etwas weiter gehen. Ich z.B sehe da einen ziemlich bekloppt drein guckenden Elefanten von vorne :)

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