Laurence Bonvin:
An den Rändern des Paradieses

Die Schweizer Fotografin Laurence Bonvin fotografierte in Istanbul die eingezäunten Wohnquartiere der besseren Gesellschaft. Ihre Bilder von den “Rändern des Paradieses” sind in Braunschweig zu sehen.

Laurence Bonvins Ausstellung im Museum für Photographie mit den Titel ”On Location” – vor Ort – gibt einen Überblick auf ihre verschiedenen Serien und Projekte, die sich mit der zunehmenden Verstädterung und Zersiedlung von Landschaft auseinandersetzen.

Die ausufernde Megapolis Istanbul hat sie dafür mehrfach besucht.

Bonvins Projekt ”On the Edges of Paradise” – an den Rändern des Paradieses – nimmt in er Braunschweiger Ausstellung eine zentrale Rolle ein. Im Umland Millionenstadt am Bosporus fotografierte sie 2005/06 eine Reihe von ”Gated Communities”, von umzäunten und bewachten Wohnsiedlungen, in denen sich wohlhabende Kreise der türkischen Gesellschaft niedergelassen haben, um unter ihresgleichen zu leben. Laurence Bonvin durchleuchtet die Struktur dieser Siedlungen von innen, ihre stereotypen Häuser samt Gärten, Garagen und Swimmingpools. Sie zeigt die Abschirmung nach außen und bedient sich dabei einer distanzierten, präzisen und dokumentarischen Darstellungsweise. So arbeiten ihre Bilder den Versuch einer heilen Welt heraus, der auch in anderen Teilen der dieser Welt errichtet wird, wo die Gegensätze zwischen Arm und Reich zu groß sind. Es ist der Wunsch nach Sicherheit und friedlicher Ordnung in einer Welt, die vor der Mauer tatsächlich keineswegs in Ordnung ist.

Ihre künstlerische Haltung sieht Laurence Bonvin in der Tradition der ”skeptischen Landschaften”, einer Sichtweise, die seit der legendären Ausstellung ”New Topographics” in Rochester 1975 zu einem eigenen Genre der kritischen Landschaftsfotografie geworden ist. Laurence Bonvin beschreibt ihre Auffassung von Fotografie in einem Interview so:

Mich interessiert die Fotografie als eine Sprache, deren Grammatik sich weiterentwickelt und deren Wortschatz sich erweitert. Ich glaube nicht so sehr an das einzelne Bild, dafür mehr an die Ausarbeitung eines ganzen Werks, einer Geschichte (im weitesten Sinne) und an die Schöpfung von neuen Bedeutungen durch die Kombination von Bildern. Ich fotografiere meine eigenen Serien in der mir größtmöglichen Freiheit und Offenheit. Ich sammle Material, das ich später für jede Ausstellung, jede Publikation neu zusammenstelle. Ich erreiche die Dichte und Intensität durch diese Kombinationen, die nicht wirklich wiederholbar sind. Musikalität und Rhythmus spielen hier eine wichtige Rolle. Ich glaube an die dokumentarische Fotografie, die die wichtigen Dinge unserer Zeit ansprechen soll. Und ich bin an einer Montage dieser Bilder interessiert, an ihrer assoziativen Kraft, wenn sie neben- und hintereinander angeordnet sind oder wenn in einer Publikation die Texte ihnen eine neue Bedeutung geben. Wie ich vorher schon sagte, möchte ich, dass meine Fotografie Fragen stellt, die Schlussfolgerungen dem Betrachter oder dem Leser aber offen lässt.

Laurence Bonvin, Jahrgang 1967, lebt in Genf und in Berlin. Seit 2002 ist sie Professorin für Fotografie an der Lausanner Universität für Kunst und Design. Wir können uns auf ihrer Website ihre Bildprojekte online anschauen. Auch zum Beispiel Porträtaufnahmen aus Meyrin, einem Vorort von Genf, wo sie Jugendliche einer multikulturellen Gesellschaft fotografierte, die in der Westschweiz längst Realität geworden ist. Nicht zuletzt sind sie es, die den ehemals modernen und längst schon verwitterten Versatzstücken der Betonarchitektur der Sechzigerjahre Jahre ein Gesicht geben.

Laurence Bonvin – On Location
Bis 3. Mai
Museum für Photographie Braunschweig, Helmstedter Straße 1, D-38102 Braunschweig
+49 (0)531 75000, info@photomuseum.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 13 – 18 Uhr

Laurence Bonvin
Museum für Photographie Braunschweig

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