Dünenspuren:
Feine Linien

Strukturen sagen manchmal mehr als komplexe Bildkompositionen. Feine Linien und grobe Flecke im Kontrast, zum Beispiel.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Timo K.)Kommentar des Fotografen:

Fotografiert wurde das Bild im Herbst in Dänemark. Es zeigt die Spuren, die die Massen von Touristen in den Dünen hinterlassen haben, kurz vor Sonnenuntergang in einer ruhigen Stimmung.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Timo K.:

Seien wir ehrlich: Gute Strandbilder mögen wir alle schon deshalb, weil der Strand, weiche Dünen und Sonne ganz einfach sympathische Dinge sind, an welche die meisten von uns gute Erinnerungen und Gefühle knüpfen.

Er bietet ausserdem fotografisch besonders viel, weil an gar nicht so vielen Orten offeneres, flacheres Licht zu finden ist:

Diese Aufnahme ist ein schönes Beispiel dafür, was sich mit diesem Licht in der einfachen Umgebung der Sanddünen machen lässt. Inhaltlich ist das Bild beinahe karg: Fußspuren im grasbesiedelten Sand. Aber optisch bietet es genauso wie emotional sehr vieles mehr.

Im Wesentlichen liegt das an der Mischung aus groben und feinen Linien mit Flächen. Zunächst ist da das breite Band an Fußspuren, das in einer angenehm geschwungenen Diagonale ins Bild hineinführt und für Tiefe und Raum sorgt. Zugleich bieten die feinen Grashalme mit ihrem Patchwork im Sand starken Kontrast. Die feinen Linien in der (fast) Vertikalen werden ergänzt durch die horizontalen Schatten, beides führt zusammen mit dem körnigen Sand für eine weiche, angenehme Struktur, die im Hintergrund in einer ganz leichten Unschärfe noch weicher wird.

Und mitten durch führt dieses Band an groben, runden Stapf-Löchern, die wiederum ihrerseits jeweils eine eigene Kraterlandschaft ausmachen.

Die Kombination aus inhaltlichem Minimalismus und optischem Reichtum macht das Bild zusammen mit der gelungenen Komposition und der durchaus interpretierbaren Aussage zu einem gelungenen Bild, dessen Charme vielleicht grade in seiner Bescheidenheit liegt.

Als einzige Manipulation würde ich mir überlegen, den zweiten Pfad an Fußspuren in der rechten oberen Bildhälfte wegzuklonen (oder vor Ort: eine Perspektive zu wählen, aus der er nicht mehr sichtbar ist). Zwar kann man ihn als symbolträchtige Gabelung des Pfades sehen. Aber dazu müsste eben diese Gabelung deutlicher sichtbar sein. Und meiner Ansicht nach steht sie der Schlichtheit des Bildes entgegen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Timo K. says:

    Hallo!

    Auch wenn es stark verspätet kommt, möchte ich mich für die Kritik bedanken! Ich bin regelmäßig hier, doch irgendwie muss ich mein eigenes Bild übersehen haben(sehr peinlich). Ich hatte damit gerechnet, dass dazu keine Kritik geschrieben wurde, umso größer war natürlich die Freude, als ich es eben in der Übersicht entdeckt habe und das zur genau richtigen Zeit, denn in 10Tagen steht wieder ein Urlaub am Strand an, wo das Thema nochmals (dieses Mal mit meiner neuen Kamera) aufgreifen werde.

    Zum Horrizont: Theoretisch wäre dieser möglich gewesen, leider standen dort, wie an so vielen anderen Stellen auch, wieder relativ viele Menschen.

    Vielen Dank!

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  2. Matidio says:

    Ich persoenlich koennte mir auch eine andere Perspektive vorstellen (z.B. nicht aus der Standardposition sondern etwas tiefer), um die Spuren naeher an den Betrachter zu bringen und dem Bild durch den Verlauf eben dieser Spuren in der Ferne gleichzeitig noch mehr Weite/Tiefe zu geben. Eben deshalb empfinde ich auch das komplette Fehlen nicht unbedingt als vorteilhaft. Ein minimaler Horizont, sprich am obersten Ende des Bildes, ist gerade in der Landschaftsfotografie von Nutzen um bestimmte Konzepte auszudruecken, im Besonderen das der Tiefe und Weite. Alles natuerlich unter der Bedingung, dass es hier moeglich war. Wer weiss, vielleicht stand ja auch am Horizont ein breites Hotel im Weg :)

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