Fassadenbild:
Die Farben der Stadt

Berlin ist mehr als einen Schnappschuss wert. Ein gutes Bild in einer Serie zum Beispiel.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Markus Mayer).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen habe ich das Bild abends am Alexanderplatz in Berlin; Es ist aus der Hand mit einer Brennweite von 20mm aufgenommen. Ursprünglich wollte ich noch mehr von der Treppe zeigen, habe mich dann später aber doch für einen quadratischen Beschnitt entschieden; So „fehlt“ etwa die Hälfte des ursprünglichen Bildes. Die aufgrund des Aufnahmewinkels stürzenden Linien habe ich ebenfalls nachträglich korrigiert. Gereizt hat mich an dieser Szene die Tristheit des Plattenbaus, die dennoch durch die unterschiedlichen Fenster und die beiden fast vorsichtig aufgehängten, farbigen Flaggen unterbrochen wurde. Diese sind wohl noch Überbleibsel der Fußball-Europameisterschaft gewesen.

Profi Horst Kloever meint zum Bild von Markus Mayer:

Nein, ich möchte nicht in die Diskussion über die deutschen Fahnen im öffentlichen Raum einsteigen, die ich mir auf deinem flickr stream durchgelesen habe. Dein Bild ist gut – super ist, dass es eine solche Kontroverse auslösen kann. Was mir nicht gefallen hat, ist wie das Bild unter vielen, vielen belanglosen Schnappschüssen dort untergeht. Der Titel des Bildes „Colors of the City – Die Farben der Stadt“ hat mich dazu angeregt, nach weiteren guten Bildern zu suchen. Mindestens zwei habe ich gefunden und habe sie aufs gleiche Format wie deine Architekturaufnahme gebracht, dann in Rahmen gepackt (so wie man sie sich auf flickr/redbubble ansehen und bestellen kann). Es ist nur ein erster Ansatz, aus gutem Material etwas Besseres zu machen: Eine (virtuelle) Ausstellung oder ein Buch.

Aus einem Bild eine Serie machen.

Die Farben, die du siehst, sind die Farben einer Stadt, die zwischen ihren Altlasten und ihrer Jugendlichkeit hektisch hin und her schwingt. Das steckt in deinen Bildern und entspricht auch meinem Eindruck von Berlin, den ich in meinen Jahren seit 1988 hier gewonnen habe. Es ist gut möglich, dass du eine Galerie oder einen Verlag von deinen Arbeiten überzeugen kannst, wenn du dich auf ein Kernthema konzentrierst und dieses gut variierst.

Farben allein sind nicht spannend. Aber die Menschen (hinter den Fenstern), denen die Farben etwas bedeuten (Fahnen!), die sie an Wände sprühen, um das Grau eines alltäglichen Treppenhauses zu brechen (Graffiti) oder das Kontrastprogramm dazu aus Grün-und Hauttönen (Sommer im Park) sind ein Thema, das ein kleines Buch durchaus trägt. Dieses Thema muss natürlich noch weiter entwickelt, evtl. in eigene Worte gefasst und diskutiert werden. Es lohnt sich immer, mit Blick auf eine zukünftige Veröffentlichung hochauflösend zu fotografieren, um mindestens 30×30 cm (oder ein anderes Format, ca. A3) printen zu können.

Technisch gibt es an deinem Bild des Plattenbaus kaum etwas auszusetzen. Den Bildvordergrund könntest du etwas nachbelichten, die hellen Grautöne des Treppengeländers blenden ein wenig. Gut gefällt mir der dynamische Bildaufbau, und dass du die stürzenden Linien korrigiert hast – ein Prinzip, das du in allen Bildern durchhalten solltest.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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