Selbstporträt:
Schuss in den Spiegel

Als Foto-Amateur lernt man schnell eine Regel: Nie in einen Spiegel blitzen. Warum die Regel sinnvoll ist und weshalb sie auch gebrochen werden darf, zeigt dieses Foto.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Weidenhaupt).

Kommentar des Fotografen:

Eine besondere Absicht hatte ich eigentlich nicht im Kopf, als ich das Foto gemacht habe ;) Ich hatte das objektiv gerade neu und habe etwas herumexperimentiert. Dabei ist, unter anderem, dieses Bild vor dem Spiegel entstanden

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Thomas Weidenhaupt:

Ist das eine Hommage oder nur eine Kopie? Das Foto sieht dem Titelbild des Fotobuchklassikers von Andreas Feininger ( „Andreas Feiningers große Fotolehre“ (Affiliate-Link)) sehr ähnlich.

Ein junger Mann, der mit seiner Kamera direkt den Betrachter fotografiert. So ein Blickwinkel kann auf zwei verschiedene Arten erzeugt werden:

Ein anderer Fotograf portraitiert den zu Fotografierenden oder er fotografiert sich selbst im Spiegel – wie bei diesem Bild.

Als Foto-Amateur lernt man schnell eine Regel: Nie in einen Spiegel blitzen. Warum die Regel sinnvoll ist und weshalb sie auch gebrochen werden darf, zeigt dieses Foto von Thomas Weidenhaupt. Durch das frontale Licht entstehen schnell unkontrollierbare Lichtreflexe, hier vor allem links durch viele weiße Punkte und rechts durch den großen blauen und grünen Punkt sichtbar.

Aber wie so oft entstehen durch das Brechen der Regeln manchmal spannendere Fotos. Die Lichtreflexe brechen hier das Dunkel gut auf und die beiden farbigen Punkte fügen dem ansonsten recht farbarmen Foto etwas Farbe hinzu.

Dadurch, dass das Blitzlicht nicht direkt auf das Motiv fällt, sondern erst durch den Spiegel reflektiert wird, entsteht ein sanfter Lichtabfall, der der Haut schmeichelt.

Störend wirkt bei diesem Foto nur der große Nikkon-Schriftzug auf dem Blitz. Mit Photoshop kann dieser jedoch schnell entfernt werden. bei ähnlichen Bildern würde auch das starke Bildrauschen störend wirken, kann hier aber als Referenz an das Foto von Andreas Feininger gesehen werden.

Noch ein Hinweis am Rande: So gelungen das Foto ist, so einfallslos wirkt es, wenn es als Portraitbild des Fotografen genutzt wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Pascal Reis says:

    In einem Fotoseminar habe ich mal »gelernt«, dass jeder Fotograf irgendwann mal die Zeit des Selbstportraits durchlebt. Der Spiegel eignet sich dazu natürlich hervorragend und auch ich konnte der Versuchung damals nicht wiederstehen: http://www.flickr.com/photos/pascalreis/3302487817/

    Auf Flickr gibt es gar eine Gruppe, die Flashlight – Mirror – Selfportrait: http://www.flickr.com/groups/flashlight-mirror-portrait/

    Da gibt’s ganz interessante und kreative Ansätze die über das einfache in den Spiegel Blitzen hinaus gehen :)

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  2. Corinne ZS says:

    Da mir Bild und Kritik des Bildes gut gefallen, hier ein Vorschlag zur Güte: Nikkon-Schriftzug ersetzen durch Name des Fotografen (oder, besser, durch Url). Dann taugt das Bild als Selbstporträt mit Pfiff.

    Besonders gefällt mir übrigens die Beleuchtung der Finger und der Blick ins Innere der Kamera durch’s Objektiv.

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Trackbacks & Pingbacks

  1. […] des Fotografen: Als ich dieses Bild in der Kritik gesehen habe, ist mir diese Aufnahme eingefallen, die ich vor einiger Zeit von mir gemacht habe. […]

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