Hinterhoffussball:
Ein Filter zu viel

Manches Bild gewinnt ganz enorm durch ein paar Eingriffe in der digitalen Dunkelkammer. Dabei ist aber Vorsicht geboten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Beyer).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Beyer).

Kommentar des Fotografen:

Ein Hinterhof irgendwo in Italien. Beim Vorbeigehen sah ich den Jungen allein Fußball spielen. Das Bild lag lange in meiner Sammlung, bis ich mir mal die Zeit genommen habe, um es ein wenig älter aussehen zu lassen. Was für eine Stimmung überträgt dieses Bild auf den Betrachter? Was hätte man kompositorisch besser machen können/sollen? (bearbeitet in Lightroom, Kamera war eine Digicam von Sony, leider keine Exifdaten mehr vorhanden)

Peter Sennhauser meint zum Bild von Florian Beyer:

Doch doch, die Exifdaten sind noch da…

Inhaltlich finde ich die Aufnahme so, wie Du sie jetzt präsentierst, sehr gelungen. Sie spiegelt diese in-sich-selbst-Versunkenheit wider, in der Kinder im Alter dieses Jungen bisweilen abtauchen:Ich kann mich erinnern an schulfreie Nachmittage, an denen keine Gefährten aufzutreiben waren und ich mich selbst beschäftigen musste. Dabei werden die Fensterbögen (links im Bild) allmählich zu vollbesetzten Zuschauerrängen, das Licht der Abendsonne zu gleissenden Scheinwerfern, es fällt alles an seinen Platz, der siegbringende Torschuss lag auf dem rechten Fuss – und dreissig Sekunden später musste man zerknirscht bei den Nachbarn klingeln, um den Ball aus deren Garten holen zu dürfen…

Damit ist die Komposition ja auch schon beschrieben, ich würde nichts daran ändern: Die Leere des Hofs schafft diese Mischung aus Einsamkeit und Fussbalfeld-Fantasie, die in die Höhe ragende Fassade nehmen wir beim Blick auf den Jungen ebenso aus dem Augenwinkel wahr wie er. Das scheint mir ideal.

Weniger ideal ist einerseits die Belichtung. Der Junge, der doch eigentlich der Player in diesem Spiel ist, versinkt in einer leichten Unschärfe, die von seiner Bewegung herrühren könnte und entweder stärker oder schwächer sein sollte, aber so einen “unscharfen” und keinen “bewegten” Eindruck macht.

Schlimm und das Bild als Druck wahrscheinlich unbrauchbar machend allerdings ist die Halo oben rechts im Himmel, die mit einer Verpixelung einhergeht.

Pixelisiert.

Pixelisiert.

Hier hast Du an dem Bild eindeutig zu viel geschraubt. Ich schätze, eine Verlaufsabdunkelung von oben rechts oder eine nachträgliche Vignettierung ist zusammen mit anderen Filtern dafür verantwortlich. Ähnliches passiert mir auch bisweilen, vor allem an Bildern, die ich heftig nachbearbeite: Erstens stapeln sich bald die verschiedenen Filter, die ich anwende und dann zurücknehme; zweitens wende ich immer wieder einen von ihnen in der Übersicht, statt in der Detailansicht an, nur um eine unbestimmte Anzahl Bearbeitungsschritte später plötzlich in der 1:1-Pixelansicht zu merken, dass oben im Himmel ein paar Wolken zu hässlichen Pixelhaufen mutiert sind.

Just das ist mir kürzlich mit einem der Bilder aus dem Death Valley passiert, und gemrkt habe ich es erst, als ich das Tiff-File an zwei Druckdienste zum Test Geschickt hatte. Aber das ist eine andere Geschichte (demnächst hier zu lesen).

Jedenfalls: Die Aufnahme ist unter den geschilderten Umständen wohl das beste, was zu machen war; die Bearbeitung gefiele mir grundsätzlich auch, obwohl der Sepiaton ein bisschen zu viel des Guten ist.

Aber mit diesem explodierten Himmel oben rechts würde ich die Nachbearbeitung nochmals bei null anfangen und nach jedem Schritt prüfen, wie es in dieser Problemzone aussieht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Wieder einmal Danke für die detailierte Kritik.
    Im Nachhinein frage ich mich, wie ich die Verpixelung im Himmel übersehen konnte. Wahrscheinlich hab ich wohl zu sehr von den Filtern hinreißen lassen.
    Anscheinend ist es mir aber immerhin schon gelungen, den passenden Bildausschnitt zu wählen ^^.

    MfG
    Florian Beyer

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