Der rote Punkt:
Film-Standbild

Ein schönes Beispiel für ein fast-Filmstandbild: Menschen in einer spannenden Kulisse, zwischen denen sich etwas abzuspielen scheint. Technisch interessant, fehlt es ein wenig an Modell-Einsatz.

Kommentar des Fotografen:

Hallo liebe Kritiker, neulich war ich mit einigen Freunden am Schlachtensee in Berlin, auf dem Rückweg vielen mir auf dem Bahnsteig diese, Blicke auf sich ziehende, signalisierende Rote Ampel und gleichzeitig auch die wunderschönen von links kommenden Lichtstrahlen der langsam heruntergehenden Sonne auf, die wunderbar die Gesichter meiner beiden Freunde hervorheben würden. So packte ich meine Nikon mit dem 85er Objektiv aus, stellte meine Kumpanen versetzt auf und überließ ihnen den Gesichtsausdruck, die Blende stellte ich auf f9. Dann schoss ich los, den Fokus auf dem Rechten, dem roten Punkt in der Mitte. Ich gelang zu diesem Foto welches ich in Lightroom anschließend bearbeitet habe, wobei ich nur Veränderungen an den Reglern machte und keine Einzelbearbeitung – heraus kam dann auch noch ein tolles Preset für Lightroom. Ich nahm dem Foto mit Hilfe von Lightroom die Sättigung einzelner Farben, sodass der Hintergrund mit Ausnahme vom “red dot” in Graustufen erscheint um nicht vom Wichtigeren abzulenken. Wichtig war für mich der “red dot” (rote Punkt) mein Titel für dieses Foto, der Lichteinfall auf die Gesichter und die Blendeneinstellung. P.S. Bitte scheut euch nicht in der Kritik, ich bin noch ein äußerst junger Fotograf – strebend nach Erfahrung.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dennis Greenberg:

Du solltest Deinem Freund zur Rechten danken – sein Gesichtsausdruck macht das Bild:Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass es sich hier um ein Standbild aus einem Kinofilm handle. Der junge Mann rechts wartet auf den Zug und ist in irgendeiner Art von der Anwesenheit des linken irritiert oder durch ihn verärgert.

Noch besser würde das Bild wirken, wenn der zweite Freund nicht in die Kamera schauen, sondern das Spiel zwischen den beiden Protagonisten ergänzen würde: Mit starrem Blick nach ganz links, oder mit einem Blickkontakt zum Mann rechts, was dem Betrachter sofort jede Menge weiterer Geschichten liefern würde.

Technisch finde ich das Bild sehr gelungen; ob Blende 9 bei einer Brennweite von doch 120 nicht zu weit offen war, musst Du selber anhand des Gesichts links beurteilen. Auch hier würde der Film-Story-effekt verstärkt, wenn der Mann rechts im Schärfebereich und der links deutlicher in der Unschärfe, über die Schulter des “Protagonisten” gesehen, erscheinen würde.

Jetzt wirkt die bei ihm sichtbare Unschärfe mehr wie eine Unachtsamkeit. Es müssten entweder beide ind er Schärfe oder wie beschireben der hintere deutlich ind er Unschärfe liegen. Das hiesse also: Blende weiter öffnen oder mehr schliessen, die gewählte Blende ist wahrscheinlich just der nicht ganz glückliche Kompromiss… Hierzu lohnt isch vor Ort ein Blick auf das Bild am Kamera-Monitor mit der Vergrösserungsfunktion, und während der Bildkomposition die Benutzung des Abllendknopfs.

Die Bearbeitung gefällt grundsätzlich auch, das Colorkey-Moment (Reduktion der Farben) rund um den roten Punkt ist sehr dezent und unaufdringlich und deshalb wirkungsvoll.

Die fahlen Hauttöne und der etwas erhöhte Kontrast in den Gesichtern, der sich aus dem Seitenlicht und wohl der Bearbeitung ergibt, liessen das Bild in der Vorschau auf mich wie eine Computerspiel-Grafik erscheinen – nochmals eine Reminiszenz aus Film und Geschichtenerzähl-Medien. Du musst Dir aber bewusstsein, dass diese Ästhetik aus dem Videospiel-Sektor kommt und deshalb damit nicht vertrauten Betrachtern sehr fremd erscheinen dürfte.

Alles in allem eine gelungene Arbeit, die noch ein bisschen mehr Einsatz und Experiment vor Ort verdient hätte.

Das scheint mir zunehmend ein Problem der aktuellen Fotografengeneration zu sein: Wir wollen alles am Bildschirm machen. Aber wie Du siehst, ist der grösste Mangel an diesem Bild der direkte Blick deines Freundes in die Kamera. Und den wegzuretuschieren ist nicht wirklich praktikabel…

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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