Fotoproduzent (2/3):
Das Shooting

Fotografie als Beruf: Heute kann jeder versuchen, mit Stockphotos Geld zu verdienen. Wieviel Arbeit beim Profi dahintersteckt und wie wenige Shootings es wirklich sind pro Monat, verrät Fotoproduzent Robert Kneschke.

Die erste Entscheidung zur Planung eines Shootings ist die Wahl des Modells. Ich überlege grob, ob ich ein männliches oder weibliches Modell ablichten will – oder gar ein Paar, eine Gruppe von Freunden oder eine ganze Familie.

Wofür ich mich entscheide, hängt davon ab, was gerade von den Agenturen gesucht wird, wie viele ähnliche Typen ich schon fotografiert habe und auch, wer als Modell gerade anfragt.

Weitere Kriterien sind die Haarfarbe und Haarlänge und auch die zusätzlichen Qualifikationen des Models, wie Schauspielunterricht oder sportliche Fähigkeiten. Naturblond geht immer gut, und ich mag rothaarige, sommersprossige Modelle, weil sie Frische und Natürlichkeit ausstrahlen. Typische Model-Gesichter suche ich nicht, es soll eher der oder die “Schöne von nebenan” sein.

Verträge und Abgeltungen

Wenn ich mich für eines oder mehrere Models entschieden habe, die für die Stockfotografie geeignet sind, bespreche ich mit ihnen die Details. Ich erkläre, wofür die Fotos genutzt werden können und mit welchem Vertrag ich arbeite. Früher habe ich einen deutschsprachigen Vertrag benutzt und auch die Modelle an den Erlösen beteiligt. Das finde ich fair; es führte aber schnell dazu, dass mein Verwaltungsaufwand unverhältnismäßig groß wurde. Mit mittlerweile über 100 Modellen zahle ich jetzt lieber in Fotos oder bar. Außerdem bin ich auf einen englischsprachigen Vertrag umgestiegen, der leider komplizierter klingt, aber dafür weltweit problemlos akzeptiert wird.

Nun überlege ich grob, welche Motive sich beim Model eignen würden. Ein zu junges Modell wirkt beispielsweise auf Business-Fotos nicht glaubwürdig, und bei Familienfotos sollte die Bindung der Menschen herausgestellt werden. Manchmal hat ein Modell auch ein fotogenes Hobby, verfügt zum Beispiel über ein Musikinstrument (und weiß es zu benutzen) oder eine berufliche Ausbildung, die sich mit der passenden Berufskleidung gut nutzen lässt.

Nach dieser groben Planung greife ich auf die ständig gesammelten Einflüsse aus anderen Medien zurück und konkretisiere meine Motivvorstellungen. Aus den groben “Business-Fotos” wird dann “Mann ruft bei Computer-Hotline an” oder “Frau liest mit einer Lupe das Kleingedruckte eines Vertrags”. Am Ende habe ich ungefähr eine Seite mit vielen detaillierten Stichpunkten zu ca. 4-5 “Ober-Themen” wie Business, Wellness, Medizin oder Handwerk.

Requisiten!

Diese Punkte gehe ich durch und notiere, welche Requisiten benötigt werden. Was ich bereits habe, lege ich am Tag vor dem Shooting bereit, den Rest muss ich rechtzeitig einkaufen. Einige Tage vor dem Shooting erhält das Modell auch eine Liste mit Kleidungswünschen und anderen Accessoires wie Mützen, Schals, Schminkzeug etc., die es mitbringen soll. Im Zweifel rate ich dem Modell immer, mehr mitzubringen als nötig, damit ich mich vor Ort für ein Kleidungsstück entscheiden kann.

Fotoproduzent: Das Shooting
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Das Ziel eines Shootings ist es, genug Bilder zu erhalten, die sich gut verkaufen lassen. Dazu gehört, dass sie technisch einwandfrei sind: scharf, gut ausgeleuchtet und ohne Farbstich. Außerdem sollen die Motive glaubwürdig wirken. Wer ein Foto in einer Zeitschrift sieht, sollte dem Mann im Medizinerkittel abnehmen, dass er Arzt ist. Zwar gibt es viele Motive, die sich so gut verkaufen, dass sie fester Bestandteil jeden Shootings sind. Trotzdem versuche ich, bei jedem Fototermin mindestens einige Fotos zu machen, von denen ich noch nie ähnliche gemacht habe.

So stelle ich sicher, dass langfristig mein Fundus an unterschiedlichen Motiven weiter wächst. Je nach Modell werfe ich die Shootingliste aber auch spontan um, wenn das Modell eine gute Idee hat oder ich merke, dass bestimmte Themen nicht passen. Vor allem bei Kindern ist es sinnlos, zu konkrete Motivwünsche zu haben – sie halten sich nicht dran. Hier reicht es, möglichst viele Requisiten parat zu haben, die das Kind interessieren könnten, geduldig zu warten und im richtigen Moment schnell auszulösen.

So passiert es schon mal, dass bei einem Familienshooting eins der Kinder zu quengeln anfängt: Die Mutter gibt dem Jungen Stifte und ein Blatt Papier, er beruhigt sich und ich mache ungeplant Fotos von einem Kind beim konzentrierten Malen.

Ein anderes Mal fotografierte ich einen älteren Manager. Ich drückte ihm einige Euroscheine in die Hand, die er für Fotos aus seinem Portemonnaie ziehen sollte. Dann fragte er mich, ob ich auch einige seiner Dollar fotografieren will, die er immer in der Brieftasche hat. Klar, warum nicht?

Weinen auf Kommando

Am einfachsten ist die Arbeit mit Schauspielern, weil sie oft eine ganze Palette unerwarteter Reaktionen vorschlagen. Bei einer Akteurin, die ganz in schwarz gekleidet war und einen großen Hut mit Krempe trug, dachte ich unwillkürlich an eine “trauernde Witwe”. Ich fragte, ob sie weinen könnte. “Kein Problem” meinte sie, ließ sich ein Taschentuch geben, drehte sich kurz um – und gleich rollten dicke Tränen von ihrer Wange. Ich war beeindruckt.

Da ich im Eifer des Gefechts dazu neige, Kleinigkeiten zu übersehen, wie Fussel auf der Kleidung, falsch liegende Haare oder offene Knöpfe, habe ich mittlerweile eine “Fehler-Checkliste” erstellt. Diese versuche ich während des Shootings gelegentlich durchzugehen und Fehler gegebenenfalls zu korrigieren. Leider vergesse ich selbst das manchmal bei einem Shooting und muss dann mit Photoshop auf -zig Fotos ein vergessenes Etikett wegretuschieren…

Nach dem Shooting werden die Fotos auf meinen Computer kopiert und von dort redundant auf zwei externe Festplatten gesichert: Immerhin ist dieses “Rohmaterial” meine Arbeitsgrundlage. Nun schaue ich mir die Fotos auf einem großen farbkalibrierten 24-Zoll-Flachbildschirm von Eizo an und lösche mit dem Programm IrfanView die, welche erkennbare technische Mängel haben oder von denen ich zu viele Variationen des gleichen Motivs gemacht habe.

Drei Shootings pro Monat

In Adobe Bridge folgt dann die Feinauswahl, welche Fotos ich wirklich bearbeiten will. Hier startet oft eine Gefühlsachterbahn. Habe ich wieder störende Fussel übersehen? Kann ich mich bei einer Serie nicht entscheiden, weil ich in einige ähnliche Fotos verliebt bin? Hätte ich diese Requisite nicht besser einsetzen können? Wow, hier lacht das Modell bezaubernd.

Die Bearbeitung selbst dauert je nach Anzahl der Fotos meist ca. 3-4 Tage. Ebenso lange benötige ich für die korrekte Beschriftung der Fotos, ohne die Bildagenturen die Fotos nicht verkaufen würden. Im Schnitt habe ich ca. drei Shootings im Monat, bei denen ca. je 100 verkaufsfähige Fotos entstehen. Aber das schwankt stark, da ich gerne viele Shootings hintereinander lege und dann wochenlang diesen “Stau” abarbeite.

Das Modell erhält von mir eine CD mit den fertigen Fotos per Post, zusammen mit einem Print und einer Visitenkarte in einer Präsentationsmappe. Das sieht edler aus als eine einfache CD-Hülle und macht auch einen guten Eindruck auf Freunde des Models, denen das häufig gezeigt wird – und bei denen es sich schliesslich immer auch um potentielle zukünftige Modelle handelt.

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5 Kommentare

  1. Corinne ZS
    schrieb am 10. Mai 2009 um 09:03 Uhr (#)

    Ihre Artikel sind Perlen auf fokussiert.com – Ihre Fotokritiken auch.

  2. mahom
    schrieb am 11. Mai 2009 um 09:33 Uhr (#)

    Sehr interesant. Ich dachte du machst mehr Shooting. Aber das Ganze Drumherum scheint ziemlich viel Zeit in Anspruch zunehmen.
    Gut finde ich Qualität statt Quantität.

  3. martin
    schrieb am 11. Mai 2009 um 11:32 Uhr (#)

    da kann ich corinne zs nur zustimmen! diese serie ist eine wirkliche bereicherung für fokussiert.com und es wäre spannend, nach der reihe über den foto-reporter und jetzt über den foto-produzenten noch weitere einblicke in verschiedene berufe des fotografierens zu erhalten!

  4. eric
    schrieb am 19. Mai 2009 um 19:07 Uhr (#)

    vielen Dank für den kurzen Einblick in Deine Welt. vor allem tröstlich ist, dass nicht nur ich so lange zum nachbearbeiten brauche, sondern das einem erfahrenen fotografen mit anspruch auf qualität nicht anders ergeht. Freue mich auf mehr in ähnlichen Serien.

  5. Jan
    schrieb am 18. Oktober 2009 um 20:44 Uhr (#)

    Ich bin schlichtweg begeistert!
    ein Naschlagewerk.

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