Test Nikkor DX AF S 18-200mm VR 3.5-5.6 (1/2):
Allrounder mit langer Linse

Das Nikon-DX-Objektiv AF-S 18-200mm 1:3.5-5.6 ED mit Bildstabilisator ist ein hochwertiges Allround-Glas für Familienfotos, Reisen und alle Situationen, in denen ein Objektivwechsel nicht drinliegt.


Superzoom-Objektive sind in. Viele der neuen Kompaktkameras verfügen über Objektive mit Brennweite-Miltiplikatoren von 8 und 10. Warum also sollen die Objektive der Spiegelreflex hinter diesen extremen Tele-Objektiven zurückstehen?

Qualität wäre ein Argument. Denn Zoom-Objektive sind immer ein Kompromiss, und zwar häufig ein ganz gehöriger: Die Linse eines Objektivs mit einer Festbrennweite kann bis ins letzte Detail exakt auf die optimalen Verhältnisse für diese Brennweite geschliffen werden. Bei Zoom-Objektiven verändert sich alles mit jedem Millimeter, den man die Brennweite verändert. das gilt besonders, wenn das Zoom den Weitwinkel- und zugleich den extremen Tele-Bereich abdeckt, wie das Nikon DX AF-S 18-200mm 1:3.5-5.6 ED VR.

Auch dieses Objektiv ist ein Kompromiss. Aber ein sehr vertretbarer:

Als Nikon es 2005 oder 2006 auf den Markt brachte, war es das erste Zoom für digitale Spiegelreflex mit einem derart grossen Brennweitenbereich (27-300mm Kleinbild), das noch dazu den optischen Bildstabilisator der neusten Generation mitbrachte, der bis zu 3 Blenden längere Belichtungszeiten erlaubt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Linse funktioniert; sie lässt “300mm”-Teleaufnahmen mit einem 20/S aus der Hand zu, mit erstaunlich verwackelungsfreien Resultaten. Sie bietet neben dem enormen Brennweitenumfang eine anständige Schärfe, ist solide Verarbeitet und dabei inzwischen durchaus bezahlbar.

“Inzwischen” schreibe ich deshalb, weil ich das Objektiv haben wollte, nachdem es in den ersten Testberichten abgehandelt und überall gelobt worden war – aber nirgends käuflich erworben werden konnte: Es gab Lieferfristen von zwei Monaten. Vor allem aber lag der Strassenpreis 50 Prozent über dem Listenpreis von Nikon von rund 800 Dollar. In Auktionen auf Ebay bezahlten Kaufwillige 1200 US-Dollar plus 60 Dollar Versandspesen an Händler in Hong Kong für Grauimporte. Heute ist das Objektiv für rund 600 Dollar zu haben; in Europa werden immer noch rund 700 Euro fällig.

Auf den ersten Blick (und für viele Zwecke) deckt das Nikon DX AF-S 18-200mm VR 1:3.5-5.6 alles ab, was ein Amateur-Fotograf an Brennweiten braucht. Es bringt einen satten Weitwinkel, der für Gruppenbilder und Architektur ebenso wie für Landschaftsaufnahmen geeignet ist.

Das Objektiv ist zwar etwas grösser und mit 560 Gramm Gewicht auch schwerer als die typischen Kit-Objektive mit Brennweiten von 28-50 oder – besser – 18-70mm. Aber im Vergleich zu diesen bietet es auch extrem viel mehr: Der Wechsel von der Weitwinkel-Landschaftsaufnahme zum Supertele-Bild des auffliegenden Fasans ist dank dem 11-fach-Zoom eine Sache von einem Dreh.

Der Bildstabilisator der dritten Generation ist ganz einfach verblüffend wirksam. Er “beschleunigt” nicht nur das Objektiv auf Belichtungswerte, die ohne ihn niemals aus der Hand erreicht werden könnten, er hat ausserdem zwei Einstellungen: Er kann neben der Standard Ein/Aus Einstellung, die automatisch Schwenks erkennt und nicht als seitliche Vibration zu eliminieren versucht, auch auf auf “active” eingestellt werden: Die Einstellung dient für Aufnahmen aus einem fahrenden Fahrzeug und reagiert auf heftigere Bewegungen.

Ein weiterer Pluspunkt ist der angenehm schnelle Silentwave-Autofokus im Objektiv. Er ist schnell genug, um auch im längsten Tele-Bereich rasch auf einen Punkt am andern Ende der Skala zu fokussieren; wer Erfahrungen hat mit Objektiven wie dem Nikkor 80-400 VR, das keinen integrierten Autofokus-Motor hat und durch die Kamera bewegt werden muss, weiss, wie ärgerlich ein langsamer Autofokus sein kann.

Zu den Hardware-Nachteilen – die Bildleistungen bespreche ich in einem zweiten Posting – gehört neben der beschränkten Lichtstärke nicht nur im Tele-Bereich der lange “Blase-Saugbalg” und das Lenscreeping, das viele der ersten Modelle aufwiesen: Ist das Tele setzt sich bei grösseren Winkeln, in denen die Kamera nach unten oder nach oben zeigt, durch das eigene Gewicht in Bewegung, die Brennweite beginnt zu rutschen, wenn man das Objektiv nicht festhält. Das ist mir bei so manchen “Studio-Aufnahmen” von oben auf kleine Objekte sehr unangenehm aufgefallen und stört bei Stativ-Aufnahmen sehr rasch. Abhilfe schafft entweder der Nikon-Kundendienst, wenn man das Objektiv einige Wochen entbehren kann, mit einer fachgerechten Reparatur.

Oder mehrere Lagen Klebeband auf dem ersten Modul des Zooms: Wie im Bild gezeigt, habe ich etwa sieben oder acht lagen halb-transparenten Plastik-Scotchtapes aufeinandergeklebt, bis der Widerstand beim Bewegen des Zooms gross genug wird. Bei dieser etwas wilden Methode ist unbedingt darauf zu achten, kein weichplastik-Isolierband oder Textil-Klebeband zu benutzen, die häufig einen Leim benutzen, der widerliche Rückstände hinterlässt, das Metall des Objektivs angreift oder gar bei Hitze zu fliessen anfängt.

Bildleistung und Fazit folgen im zweiten Testteil:

Das Nikkor AF-S DX 18-200mm VR 1:3.5-5.6 ED
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1 Kommentar

  1. Esther Bachmann
    schrieb am 14. Mai 2009 um 11:50 Uhr (#)

    Zu meiner SRL Kamera gehört auch das AF-S- DX 28-200 mm, das ich oft und gerne benutze. Allerdings hätte ich viel darum gegeben, wenn ich vom erwähnten Lenscreeping gewusst hätte. Ich (ver)zweifelte oft an meinen nicht gewollt unscharfen Bildern. Als ich dann herausfand, dass sich die Brennweite unter gewissen Bedingungen selbständig ändert, habe ich das Objektiv dem Reparaturservice anvertraut. Nikon beschied mir allerdings, das sei so und könne nicht repariert werden. Darum Besten Dank für den Tipp mit der „wilden Methode“.

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