Hannes Kilian:
Die kunstvolle Bewegung

Uli Eberhardt, 13. Mai 2009 12:32 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Hannes Kilian wurde bekannt als Fotograf des Stuttgarter Balletts mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, die kunstvolle Bewegung festzuhalten.

Die Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt mit 320 Schwarzweiß-Fotografien einen Querschnitt aus 50 Jahren von 1937 bis 1987. Hannes Kilians Sichtweise auf die Dinge und sein Talent, Situationen festzuhalten und Schicksale in ihrer Vielschichtigkeit aufzuspüren, sind einzigartig. In diesem Jahr wäre er hundert geworden.

Kilian inszenierte seine Aufnahmen nicht, er nutzte sie als Spiegel seiner persönlichen Wahrnehmung, wie es in der Info des Martin-Gropius-Baus heißt. Viele Bilder offenbaren seine Begabung, Bewegung mit der Kamera festzuhalten, wie unter anderem die Ballettaufnahmen zeigen.

Neben Fotos vom zerbombten Stuttgart, die Kilian 1944 trotz Fotografieverbot heimlich aufnahm, zeigt die Ausstellung Szenen aus der Geschichte Berlins, vor und nach dem Mauerbau. Zudem werden Bilder präsentiert, die im Kontext von Kilians Arbeit als Fotojournalist stehen. Portraits von Politikern wie Ludwig Erhard, Reinhold Maier und Ernst Reuter, von Schauspielern wie Gina Lollobrigida und Gary Cooper sowie von vielen Künstlern wie dem Maler Otto Dix ergänzen den Ausstellungsrundgang.

Hannes Kilian, am 13. November 1909 in Ludwigshafen am Bodensee geboren, absolvierte eine dreijährige Fotografenlehre in der Schweiz. Nach Aufenthalten in Neapel und Paris kehrte Kilian 1938 nach Deutschland zurück und arbeitete als freischaffender Fotojournalist. 1941 als Kriegsberichterstatter eingezogen, setzte Kilian vier Jahre später seine freie fotojournalistische Arbeit fort. Er fotografierte unter anderem für das Time Magazine, die Picture Post, Die Zeit, die Stuttgarter Illustrierte, den Spiegel, den stern, die Vogue und die Bunte.

Seine Reportagen thematisieren die Not der Bevölkerung in der Nachkriegszeit und informieren über kulturelle Ereignisse, ebenso wie über Reisen und Sport.

Kilian liebte die Unabhängigkeit und zog daher die freie Arbeit als Bildjournalist einer Festanstellung vor. Ab den Sechzigerjahren machte sich Kilian seinen Namen als Ballett- und Theaterfotograf. Seine Fotos trugen maßgeblich dazu bei, das Stuttgarter Ballett weltberühmt zu machen.

Hannes Kilian starb am 1. Dezember 1999 kurz nach seinem 90. Geburtstag. Bis zu seinem Tode veröffentlichte Kilian zahlreiche Bücher. Auf der offiziellen Website erfahren wir mehr über Hannes Kilian.

Über Kilians “Kunst der Bewegung” heißt es in der Ausstellung:

“Bewegung wiedergeben und festhalten zu können, ist der Traum von Malern und Fotografen. Der Film überwindet die Trägheit des menschlichen Auges und scheint den Traum wahr zu machen. In der Fotografie wirkt die Bewegung meistens wie eingefroren, starr und zeichenhaft. Manche Fotografen versuchen, dem statischen Eindruck durch Mitgehen der Kamera und die dabei entstehenden Wischeffekte entgegenzuwirken. Nur wenigen Fotografen gelingt es, Bewegung treffend zu vergegenwärtigen; sie so zu zeigen, dass sie sich im Kopf der Betrachter wie selbstverständlich fortsetzt. Martin Munkacsi ist es im 20. Jahrhundert in den zwanziger und dreißiger Jahren, Hannes Kilian in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren gelungen. Wie jener antizipiert er den Bewegungsablauf, löst seine Kamera nicht während des Kulminationspunktes einer Bewegung, einem Stillstand im Sekundenbruchteil, sondern kurz zuvor (und manchmal kurz danach) aus, wenn sie noch voller Impuls nach oben ist, sich der Anziehungskraft der Erde entzogen zu haben scheint – oder umgekehrt, die Erde von neuem ihre unwiderstehliche Anziehungskraft ausspielt. Tanz und Sport werden zu seinen Domänen. Als Ballettfotograf ist Kilian nach wie vor unerreicht. Er ist der Bildgestalter, der die außergewöhnlichen Leistungen des Stuttgarter Balletts unter Leitung des legendären John Cranko mit seinen einzigartigen Aufnahmen dauerhaft in Bilder gefasst hat.”

Hannes Kilian – Fotografien
bis 29. Juni
Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Ecke Stresemannstraße 110, D-10963 Berlin
+49 (0)30 254 86-0, post@gropiusbau.de
Geöffnet täglich von 10 – 20 Uhr

Martin-Gropius-Bau
Hannes Kilian

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