Schlammlandschaft:
Formen, Farben, Linien

Thomas Rathay, 13. Mai 2009 11:01 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Angewandte Geometrie gut erkannt. Ein kleiner technischer Kniff hätte dieses Foto noch verbessern können.

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen auf der Halde Haniel in Bottrop, im März dieses Jahres. Obwohl Sonnenuntergänge über Industrielandschaften für einen Ruhrgebietsmenschen wie mich Gefahr laufen, mit der Zeit an Reiz zu verlieren (einfach weil sie so oft da sind!), fand ich dieses Motiv vor allem wegen der gestapelten Linien interessant – und dass sich der Aspekt der Industrie im Kleinen zurückhält. Ich war leider ohne Stativ unterwegs, ansonsten hätte ich durch eine Blichtungsreihe das Ausfransen des Sonnenlichtes vielleicht verhindern können. In der Bearbeitungen: Wiederherstellung der Lichter, etwas Sättigung.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Kordowski Klaus:

Vielen Dank Klaus, dass du dich doch noch entschliessen konntest dieses Bild für uns aufzunehmen. Und für dich natürlich auch.

Gut hast du erkannt, wie dieses Bild von den Formen und Linien lebt.

Die relativ einheitliche Farbe tut in diesem Falle sehr gut und lenkt nicht von den wiederkehrenden Elementen ab. Genau genommen sind es nicht nur die Linien, welche das Bild spannend machen, sondern auch die Dreiecke, die sicher von den meisten Betrachtern unbewusst wahrgenommen werden, aber doch vorhanden sind und Wirkung zeigen.

Die Linien verleihen dem Bild Rhythmus, bei sich im Bild wiederholenden Elementen sprechen wir von der Bildrhythmik. Dreieckskomposition wird das Arbeiten mit Dreiecken im Foto genannt.

Das sind alles Techniken, die auch schon in der Malerei angewandt wurden und werden. Nur für ein Foto müssen wir diese Elemente suchen und finden, können sie in den seltensten Fällen selbst erzeugen.

Und doch hast du das Bild schön komponiert, mit den Mitteln der Gestaltung gearbeitet zum Beispiel die Industrielandschaft in das rechte Drittel gerückt und durch einen größeren Dunkelanteil den Hellanteil aufgewogen, damit das Bild harmonischer wirkt.

Nun noch ein Wort zur Technik der Aufnahme. Dein Ansatz, eine Belichtungsreihe anzufertigen ist nicht schlecht. Ohne Stativ aber wahrlich ein Glücksspiel.

Wenn ich an die “guten” alten analogen Zeiten zurück denke, fällt mir für diese Situation der Grauverlaufsfilter ein. Das ist ein neutralgrauer, von hell nach dunkel reichender Verlauf auf einem Filter: Dieser erlaubt die partielle Abdunkelung des Bildes. Damit können zu hohe Kontraste, die den Dichteumfang des Sensors überschreiten, durch Abdunkelung der hellen Stellen korrigiert werden und die Zeichnung bleibt weitestgehend erhalten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Klaus Kordowski
    schrieb am 13. Mai 2009 um 14:21 Uhr (#)

    Vielen Dank für diese Kritik! Das stimmt, eigentlich sind es nicht die Linien an sich sondern die sich daraus ergebenden Dreiecke. Bei näherer Betrachtung erinnere ich mich dabei an die “Murmelbahn” aus Kindertagen, bei der die Kugel von links nach rechts jeweils ein Stockwerk tiefer rollte – eine “Kugel” im Bild würde dasselbe tun.

    Bei dem Hinweis auf den Grauverlaufsfilter fällt mir jetzt mal auf, dass solche Gerätschaften (Farbfilter, Graufilter, Weichzeichner etc.) in heutigen Zeiten der DSLR-Fotografie ziemlich außer Mode (bzw. den Geschäften) verschwunden sind, da sich viele Effekte in der Nachbearbeitung viel besser anpassen lassen. Im Fall meiner Aufnahme wäre ein Grauverlaufsfilter wirklich sinnvoll gewesen, denn wenn der Dynamikbereich (auch bei RAW-Aufnahmen) erst ausgeschöpft bzw. überschritten ist, können auch Lightroom&Co. beim Setzen eines Verlaufsfilters keine Zeichnung mehr wiederherstellen.

    Vielen Dank und ein deutliches “Weiter so, das ist toll!” für fokussiert.com

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