Heuschrecken-Porträt:
Zu viel Tiefe

Der Fokus auf dem Auge: So müssen Tiergesichter fotografiert werden. Allerdings würde auch der Rest des Körpers etwas Schärfe verdienen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schaller).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schaller).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand bei einem Besuch im Basler Zoo. Neben den “ZoostandartTieren” findet man im Zolli auch den Grashüpfer. Diese kleinen Tiere faszinieren mich in Gross. Den Hüpfer habe ich versucht in einem schönen grün von seinem Futter darzustellen, mit dem Fokus auf seinem Auge …

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Schaller:

Eine weit Offene Blende ist bei Tierfotografie in dämmerdunklen Räumen ein Muss. Nicht nur wegen des Lichts, sondern auch, um das Wesen vor dem Hintergrund freizustellen – was ganz besonders bei einer grünen Heuschrecke vor grünem Hintergrund gilt.

Diesen Locust hier hast Du gut getroffen: er wirkt, als würde er neugierig hinter seinem Futterblatt hervor aus dem Bild herauslugen.

Und selbst, wer solche Tierchen eigentlich nicht wirklich mag, kriegt dank des perfekten Winkels mit der leicht schrägen Frontal-Porträtposition (“eine Schulter vorschieben, unbequem stehen”) einen guten Eindruck vom Gesicht des grünen Gesellen.

Mit dem haben ja die wenigsten Leute Mühe – wen es ob solcher Tiere gruselt, der hat es meist mit den vielen Beinen. Und mit denen haben wir es hier auch – denn sie sind leider unscharf, weil sie außerhalb des Schärfebereichs liegen. Das Bild weist keine Exif-Daten auf, aber ich tippe auf eine extrem offene Blende von vielleicht 1.4 oder 1.8 bei einer Normalbrennweite oder leichtem Tele.

Dabei kommt es zu einer äußerst geringen Schärfentiefe von nur wenigen Zentimetern. Zu wenig, um den ganzen “Oberkörper” der Heuschrecke scharf abzubilden.

Während es kein Problem ist, wenn das Hinterteil des Tiers zusammen mit dem Hintergrund in der Unschärfe verschwindet, stört es mich sehr, wenn es auch vorne aus dem Schärfenbereich herausragt: Die Beine sind unscharf und ebenso – aber möglicherweise eher wegen einer Bewegung – die Fühler. Dabei wären grade die Beine eine spannende Ergänzung zum verhältnismäßig glatten Gesicht, denn sie weisen kleine Widerhäkchen auf und spitze, scharfe Krallen…

Zeit für große Einstellungsorgien dürftest Du hier keine gehabt haben, aber ein Dreh am Einstellrad für die Blende hätte sich gelohnt, und vielleicht hättest Du mit einer, zwei Stufen weniger Blendenöffnung und der Fokussierung etwas vor dem Auge ein insgesamt leicht Stimmigeres, wenn auch unterbelichtetes Bild erhalten. Das ist in der Regel bei den neuen Spiegelreflex-Kameras ein recht gut korrigierbarer Fehler, solange man mit RAW fotografiert und das Bild danach in der Software problemlos um eine bis zwei simulierte Blenden aufhellen kann. Alternativ hättest du die Empfindlichkeit der Kamera ganz leicht hochschrauben und vielleicht ein wenig Rauschen in Kauf nehmen können.

Beides sind “Nachteile”, mit denen man dank Software leicht umgehen kann. Wenn aber wichtige Bild- und Körperteile aus dem Schärfebereich ragen, lässt sich das nicht mehr korrigieren.

Trotzdem gefällt mir die Heuschrecke ausnehmend gut. Ein Bild für eine gehörige Vergrösserung…

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Hallo Peter

    Besten Dank für deine Kritik. Schade das sich die Exif Daten ins Nirvana verabschiedetet haben. 50mm, f2,8, 1/60, ohne Blitz – dies die wichtigsten Daten.

    Du hast mir mit deiner Kritik ein paar gute Inputs mit auf den Weg gegeben.

    en scheene
    Thomas

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