Karneval auf Teneriffa:
Näher ran!

Um tolle Stimmungsbilder zu bekommen, brauchst du entweder einen Termin oder viel Zeit, Glück und Geduld. Das Teleobjektiv ist dabei eine undankbare Krücke: Es schafft Distanz statt Nähe.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ulrich Brodde).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ulrich Brodde).

Kommentar des Fotografen:

Der Karneval auf Teneriffa ist der zweitgrößte der Welt. Im Februar finden überall auf der Insel Festivitäten unterschiedlicher Größe statt, die bis in die Morgenstunden andauern. Das bunte Treiben habe ich in den letzten Jahren ausgiebig fotografiert und wollte in diesem Jahr etwas andere “Stimmungs”bilder vom Karneval machen. Ob mir dieses mit diesem Foto gelungen ist und auch, ob die etwas experimentelle Art der Bearbeitung beim Betrachter ankommen, möchte ich gerne wissen. P.S. Bei den Kategorien fehlt m.E. die “street-Fotografie”

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Ulrich Brodde :

Von Karnevalfeiern erwarten wir Paraden und Tanzen. Aber was passiert eigentlich hinter den Kulissen? In diesem Fall wollte der Fotograf Stimmungsbilder schaffen; alles anderes als die üblichen Paraden- und Partyfotos.

Dafür gibt es normalerweise zwei Möglichkeiten:

Man kann durch die Straßen ziehen und nach interessanten Motiven suchen. Dazu braucht man Zeit, Geduld und Glück. Dabei kann es auch passieren, dass man es nicht schafft, die Fotos zu machen, auf die man gehofft hat. Die zweite Möglichkeit ist es, einen Termin zu vereinbaren, um die Leute hinter den Kulissen zu fotografieren – vielleicht während sie sich auf ihren Auftritt vorbereiten oder nach der Parade, wenn sie müde sind und alles andere als glamourös aussehen.

In diesem Fall sieht es so aus, als hätte der Fotograf die erste Möglichkeit gewählt und wäre in den frühen Morgenstunden durch die Straßen gezogen.

Alles, was ungewöhnlich oder seltsam erscheint, eignet sich normalerweise gut als Motiv. Hier z.B. sehen wir einen Mann in einem ungewöhnlichen Kostüm, der an zwei eher traditionell gekleideten Frauen vorbeiläuft. Das ist ein schöner Kontrast, aber er reicht nicht aus, um eine starke Verbindung zwischen dem Motiv und den Betrachtern herzustellen.

Es hätte vielleicht geholfen, den Abstand zwischen dir und dem Motiv zu verringern. Lass das Teleobjektiv weg, benutze deine Beine anstatt des Zooms und geh nah an dein Motiv heran. Wenn du ein 28mm, 35mm oder vielleicht sogar ein 50mm Objektiv benutzt, musst du dich viel mehr mit deinem Motiv auseinandersetzen, und durch die Nähe bekommst du ein besseres Gefühl für das, was du fotografieren möchtest.

Außerdem solltest du fordernd sein, Ausdauer haben und auf den genau richtigen Moment warten. Gib dich nicht mit irgendetwas Mittelmäßigem zufrieden.

Der auf diesem Foto eingefangene Moment hat Potential. Das Ergebnis ist aber nicht ausgereift.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. vielen dank für diese bildbesprechung.

    ich will ja auch nicht kritikresistent sein aber so ganz verstehe ich im moment nicht, was mir eine kürzere brennweite außer einem breiteren bildauschnitt gebracht hätte. vor allem die person mit dem wischmop im hinteren bildteil wäre bei kürzerer brennweite so wohl nicht mit auf dem foto erschienen. und für die “story” des fotos halte ich diese person für wichtig.

    aber noch wichtiger ist diese aussage
    “Außerdem solltest du fordernd sein, Ausdauer haben und auf den genau richtigen Moment warten. Gib dich nicht mit irgendetwas Mittelmäßigem zufrieden.”

    ich arbeite daran, sehr ernsthaft.

    und auf meiner wunschliste steht schon länger
    das canon EF 50 mm 1 : 1,2 L :-)

    gruß von der insel

    ulrich

  2. Wie denn, “kritikresistent”. Eine andere Meinung ist erlaubt, ihr Ausdruck sehr erwünscht, eine Diskussion jederzeit willkommen! Bisweilen staune ich, was wir als Kritiker hier alles unwidersprochen behaupten dürfen…

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