Stillleben:
Linien und Farben

Peter Sennhauser, 26. Mai 2009 10:45 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Die schönsten Natur-Abstraktionen sind die, welche in der Kamera entstehen. Ein Stillleben aus Farbe, Linien und etwas Natur.

Kommentar des Fotografen:

Das Motiv fand ich auf einer Fotopirsch beim Casino des Schlosses Glienicke in Berlin Zehlendorf an einem lauen Frühlingsabend. Es ist der Blick in einen noch nicht in Betrieb genommenen Springbrunnen. Das Blatt stellt den letzten Rest von Herbst und Winter dar, das gespiegelte Blau des Himmels und das Ockergelb der Säule stehen für den Frühling. Die abstrahierende Wirkung der Bildaufteilung hat mir gefallen. Das Bild schwächelt etwas mit der Unschärfe im unteren Bereich. Ich bin neugierig, was ihr dazu sagt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Bodo Viebahn:

Wenn Du Du halbe Kritik vorwegnimmst… Mir gefällt das Motiv, weil es eine Abstraktion und zugleich ein Stillleben ist.

Ob die Symbolik nun, wie Du sie gesehen hast, in den Jahreszeiten und ihren farblichen Vertretern liegt oder einfach im Gegensatz von Natur und Künstlichkeit auf Basis von Natur – welche der verwitterte Marmor für mich ausdrückt – und das ganze durch die Linien und Farben eine natürliche Komposition kriegt, ist ja eigentlich nebensächlich.

Das raffinierte Element am Bild ist die Spiegelung der ockerfarbenen Säule, die nur als Fläche und Grade dem Bild durch die Spiegelung im Wasser eine zusätzliche Dimension gibt: Schon das Blatt, das halb über und halb unter der Wasseroberfläche liegt, verleiht dem Bild einen ganz speziellen Reiz und gibt ihm eine feine Schichtung untlang einer schräggestellten Ebene, die wir aber gar nicht wirklich sehen; Der Schnitt der Fläche rechts, die halbtransparent das Blatt einschliesst, verlangt einen weiteren genauen Blick um die Räumlichkeit des ganzen zu erfassen.

Diese Spiegelung, die aus dem ganzen Bild eine vermeintliche visuelle Täuschung macht, ist der Blickfang in diesem Bild; der Marmorfuss und sein moosbewachsener Sockel bringt lediglich einen farblichen Kontrast, etwas Leben und die Linien ins Spiel, die allesamt nach oben rechts zum Blatt zeigen.

Das passt alles wie Arsch auf Eimer (siehe Kommentare….)

Allerdings ist in der Tat die Unschärfe im Vordergrund sehr irritierend. Dabei ist die Lösung dieses Problems ziemlich naheliegend: Diesen ganzen Bildteil brauchst Du nicht, die eine Sockelkante mit der Ecke erledigt alles, was das Bild braucht. Wenn Du noch dazu die Reduktion weiterführen und die Spiegelungen am oberen Bildrand loswerden willst, gelangst Du zu einer proportionalen Verkleinerung des Ausschnitts, der das Verhältnis der wesentlichen Bildteile beibehält, aber die eher ablenkende untere Querlinie und diese Spiegelungen weglässt.

Ich habe es ausserdem noch mit einem Quadratschnitt und einem Querbild versucht. Ausserdem habe ich die Sättigung leicht erhöht, mit den Gradationskurven den Kontrast erhöht und den Marmorsockel leicht abgedunkelt; vor allem aber habe ich den Weisswert ins kältere Blau gezogen, um die Wasseroberfläche im Farbkontrast zu verstärken.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare

  1. Ursula
    schrieb am 26. Mai 2009 um 13:02 Uhr (#)

    Kleine Korrektur: “Paßt wie die Faust aufs Auge” ist eine Metapher für etwas, das eben nicht paßt, denn wenn die Faust auf dem Auge landet, tut es weh; sie gehört dort also nicht hin. Eine Berliner Redewendung lautet “Paßt wie Arsch auf Eimer”, sie sagt das Gegenteil (also daß etwas gut paßt), ist allerdings sehr vulgär.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 26. Mai 2009 um 16:06 Uhr (#)

    Hallo Ursula.

    Hast recht. Ich hab den Begriff zeitlebens falsch verwandt. Schon wieder was gelernt.

  3. Corinne ZS
    schrieb am 26. Mai 2009 um 19:58 Uhr (#)

    Ein spezielles, abstraktes Bild. Und eins mit Blatt drauf. Logisch, dass es mir gefällt.

    Damit Peters feine Kritiken aber nicht immer unwidersprochen bleiben, denn das scheint ihn zu stören, hier der Höflichkeit halber meine Einwände: Ich hätte auch den unteren unscharfen Teil weggeschnitten. Aber nur, wenn das Bild nicht von weit weg betrachtet wird – denn dann braucht es diesen Teil, finde ich. Auch mit dem Schnitt zum Quadrat bin ich nicht ganz glücklich, denn dann fällt die Symmetrie von oberem und unterem Bildteil weg, die durch den Sockel und dessen Spiegelbild gebildet wird. Ich würde deshalb einmal versuchen, (zusätzlich) links einen Streifen Bild weg zu schneiden. Noch was: Die Erhöhung des Kontrastes kommt der Blattstruktur sehr zugute. Bekanntlich mache ich das auch gerne so. Aber das Blau des Wassers ist mir zu künstlich, das Wasser wirkt für mich etwas flach. Den Grund unter dem Wasser vermuten zu können, gibt dem Bild meines Erachtens eine zusätzliche Spannung, etwas Geheimnisvolles.

    Frage: Ist das eingereichte Bild bereits geschnitten?

  4. Markus
    schrieb am 2. Juni 2009 um 22:08 Uhr (#)

    Na ja … Wobei ich mich als Berliner allerdings der Arsch-Eimer-Metapher verbunden fühle. :)

    Die Zweite, um den unteren Teil beschnittene Version gefällt mir übrigens enorm gut! Könnte ein Buchcover sein, eine Geschichte über die Vergänglichkeit etwa. Prima Ding!

  5. Bodo Viebahn
    schrieb am 27. Juli 2009 um 21:48 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Bildbesprechung und die Kommentare. Ich komme leider erst jetzt zum Antworten (Zeitmangel, Urlaub, PC-Probleme). Die Idee mit dem Beschnitt gefällt mir. Als ich nachdachte, warum ich nicht selber darauf gekommen bin, entdeckte ich etwas erschrocken, dass ich den gleichen Fehler gemacht habe wie häufig bei Bildkompositionen: Ich möglichst viel drauf haben. Dabei hatte ich das Foto im oberen Bildbereich schon etwas beschnitten, war aber für den Rest nicht beherzt genug, obwohl ich die Schwäche gesehen habe. Die Besprechung verhilft mir hoffentlich zu mehr Konsequenz.
    Kreative Grüße
    Bodo

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