Strassen-Meditation:
Den Gegensatz betonen

Douglas Abuelo, 27. Mai 2009 11:02 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Egal, ob du mit deinem Foto eine Aussage treffen willst oder nur eine farbenfrohe Komposition anstrebst, du solltest das fertige Bild vor deinem inneren Auge haben und dich darauf konzentrieren, bevor du den Auslöser drückst.

Kommentar des Fotografen:

April 2009, Mailand. Im Rahmen der Design und Möbelmesse in Mailand gab es in der Stadt viele interessante Aktionen und Initiativen zu sehen. Besonders gefallen hat mir dieser grüne “Meditationscontainer” mitten in der Stadt. Ich habe versucht, die Ruhe dieser grünen Insel im Verkehr zu vermitteln, die im Widerspruch zum hektischen Stadtleben in Mailand steht.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Daniele Capra:

Ruhige Szenen wie diese kann man in interessanten Fotos festhalten, keine Frage. Da sie aber so „ruhig“ sind, muss der Fotograf, wenn er etwas visuell Aussagekräftiges schaffen will, durch die Bildkomposition, die Farbe, die Beleuchtung oder das Gefühl die fehlende Handlung kompensieren.

Es stimmt schon, dass die Szene ihre Stärke größtenteils durch den Erwartungsbruch gewinnt, einen Meditationscontainer direkt neben einer Straße zu finden. Aber leider fehlt in der Bildkomposition ein sichtbarer Kontrast zwischen der Stille des Meditationscontainers und des hektischen Stadtlebens in Mailand.

Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn du hinter der meditierenden Frau im Gras gestanden hättest und eine weitwinklige Einstellung auf die ganze Szene gehabt hättest. Das hätte genau die Gegenüberstellung, die du zeigen wolltest, ausgedrückt. Außerdem hättest du auf diese Weise vermeiden können, dass soviel trüber Himmel auf deinem Foto zu sehen ist.

Fotografie ist nur durch die eigene Vorstellungskraft begrenzt, und bei dieser Aufnahme sehe ich viele Möglichkeiten. Zum Beispiel hättest du die Frau von vorn fotografieren und sie in die Mitte des Bildrahmens setzen können. Die meditierende Frau mit Gebäuden oder vielleicht ein paar fahrenden Autos oder Fußgängern im Hintergrund wäre visuell sehr aussagekräftig gewesen.

Oder eine andere Möglichkeit wäre, wie in dem ersten Beispiel, nur die Farben und Formen zu benutzen, um eine interessante Komposition zu schaffen, anstatt eine Aussage zu treffen.

Du hättest auch eine geringere Schärfentiefe einstellen können, wie in dem zweiten Beispiel, um die Frau scharf zu fokussieren, inmitten einer unscharf gehaltenen Stadt. Das hätte in diesem Zusammenhang irgendwie metaphorisch gewirkt.

Für dich als Fotograf sollte das Drücken des Auslösers nicht der wichtigste Moment sein. Bedeutender ist zu visualisieren, was in genau diesem Moment passiert und sich darauf vorzubereiten, was daraus im Bild werden wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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