Strassen-Meditation:
Den Gegensatz betonen

Egal, ob du mit deinem Foto eine Aussage treffen willst oder nur eine farbenfrohe Komposition anstrebst, du solltest das fertige Bild vor deinem inneren Auge haben und dich darauf konzentrieren, bevor du den Auslöser drückst.

Kommentar des Fotografen:

April 2009, Mailand. Im Rahmen der Design und Möbelmesse in Mailand gab es in der Stadt viele interessante Aktionen und Initiativen zu sehen. Besonders gefallen hat mir dieser grüne “Meditationscontainer” mitten in der Stadt. Ich habe versucht, die Ruhe dieser grünen Insel im Verkehr zu vermitteln, die im Widerspruch zum hektischen Stadtleben in Mailand steht.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Daniele Capra:

Ruhige Szenen wie diese kann man in interessanten Fotos festhalten, keine Frage. Da sie aber so „ruhig“ sind, muss der Fotograf, wenn er etwas visuell Aussagekräftiges schaffen will, durch die Bildkomposition, die Farbe, die Beleuchtung oder das Gefühl die fehlende Handlung kompensieren.

Es stimmt schon, dass die Szene ihre Stärke größtenteils durch den Erwartungsbruch gewinnt, einen Meditationscontainer direkt neben einer Straße zu finden. Aber leider fehlt in der Bildkomposition ein sichtbarer Kontrast zwischen der Stille des Meditationscontainers und des hektischen Stadtlebens in Mailand.

Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn du hinter der meditierenden Frau im Gras gestanden hättest und eine weitwinklige Einstellung auf die ganze Szene gehabt hättest. Das hätte genau die Gegenüberstellung, die du zeigen wolltest, ausgedrückt. Außerdem hättest du auf diese Weise vermeiden können, dass soviel trüber Himmel auf deinem Foto zu sehen ist.

Fotografie ist nur durch die eigene Vorstellungskraft begrenzt, und bei dieser Aufnahme sehe ich viele Möglichkeiten. Zum Beispiel hättest du die Frau von vorn fotografieren und sie in die Mitte des Bildrahmens setzen können. Die meditierende Frau mit Gebäuden oder vielleicht ein paar fahrenden Autos oder Fußgängern im Hintergrund wäre visuell sehr aussagekräftig gewesen.

Oder eine andere Möglichkeit wäre, wie in dem ersten Beispiel, nur die Farben und Formen zu benutzen, um eine interessante Komposition zu schaffen, anstatt eine Aussage zu treffen.

Du hättest auch eine geringere Schärfentiefe einstellen können, wie in dem zweiten Beispiel, um die Frau scharf zu fokussieren, inmitten einer unscharf gehaltenen Stadt. Das hätte in diesem Zusammenhang irgendwie metaphorisch gewirkt.

Für dich als Fotograf sollte das Drücken des Auslösers nicht der wichtigste Moment sein. Bedeutender ist zu visualisieren, was in genau diesem Moment passiert und sich darauf vorzubereiten, was daraus im Bild werden wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Architekturfoto: Gegensätze ziehen sich an

24.8.2011, 0 KommentareArchitekturfoto:
Gegensätze ziehen sich an

Das Spiel mit Gegensätzen ist so alt wie die Kunst. Das Gegenüberstellen unterschiedlicher Teile ist sehr wirkungsvoll und deshalb auch bei Fotografen sehr beliebt.

Konzeptfoto: Regungslos starrt die Frau

27.6.2011, 1 KommentareKonzeptfoto:
Regungslos starrt die Frau

Ein Motiv ist entweder logisch oder so überdreht, dass es lustig oder skurril wirkt. Einer teilnahmslos schauenden Frau einen Regenschirm in die Hand zu drücken, reicht allerdings nicht.

Architekturbild: Formen und Dimensionen

26.4.2011, 5 KommentareArchitekturbild:
Formen und Dimensionen

Das Spiel mit starken geometrischen Formen und Gegensätzen sind beliebte wirkungsverstärkende Massnahmen in der Fotografie.

Strassenfotografie: Die Bühne Haltestelle

19.7.2011, 6 KommentareStrassenfotografie:
Die Bühne Haltestelle

Im Alltag und auf der Strasse verhalten sich Menschen ihrem Kulturkreis und der Situation entsprechend verschieden. Vor allem Wartesituationen haben es in sich.

Nachtaufnahme: Die quicklebendige Innenstadt

10.6.2011, 8 KommentareNachtaufnahme:
Die quicklebendige Innenstadt

Architektur, Standort, Tageszeit, Belichtungszeit, Brennweite und Bildbearbeitung: Das sind die Faktoren, um dieses Foto zu einem lebendigen und beeindruckenden Architekturfoto werden zu lassen.

Abisag Tüllmann: Fotografierte Zeitgeschichte

17.1.2011, 0 KommentareAbisag Tüllmann:
Fotografierte Zeitgeschichte

Das Lebenswerk von Abisag Tüllmann gilt es zu entdecken. Es ist eine Zeitgeschichte in Fotografien - erzählt seit den späten Fünfzigerjahren.

Vietnamesischer Tempel: Zuviel Symmetrie - oder zuwenig?

25.5.2012, 0 KommentareVietnamesischer Tempel:
Zuviel Symmetrie - oder zuwenig?

Wenn man ein Motiv in perfekter Symmetrie aufnimmt, sollte diese eben auch perfekt sein. Die Frage ist aber, ob Symmetrie von vorneherein die richtige Entscheidung war.

Kunstfoto: Alt und neu

3.5.2012, 0 KommentareKunstfoto:
Alt und neu

Eine zuerst unpassend wirkende Kombinationen verschiedener Dinge - hier alt und modern - hat auf Fotos oft ihren Reiz.

Im Winter auf Bahngleisen

2.5.2012, 8 KommentareIm Winter auf Bahngleisen

Beim Fotografieren muss nicht nur auf die Technik, sondern auch auf das Motiv geachtet werden. Dann werden schnell viele Details sichtbar, die vor dem Auslösen gerne übersehen werden, wie hier beim Portrait einer jungen Frau.

Schnappschuss statt Serie

17.5.2012, 0 KommentareSchnappschuss statt Serie

Serien sind wie Sahne auf der Torte. Eine gute Serie vermag es, dem gelungenen Einzelbild durch das Hinzustellen weiterer gelungener Einzelbilder einen roten Faden zu verleihen, der jedes Foto noch intensiver wirken lässt. Das setzt jedoch voraus, dass dieser "rote Faden" auf dem Bild inhaltlich oder kompositorisch erkennbar ist.

HDR-Landschaftsaufnahme: Zuviel des Guten

20.4.2012, 0 KommentareHDR-Landschaftsaufnahme:
Zuviel des Guten

Nachbearbeitung ist die Pflicht des Fotografen - aber man kann es sehr leicht übertreiben.

Stilleben: Antik und schön

16.4.2012, 4 KommentareStilleben:
Antik und schön

Ausgetretene Schuhe, verstaubte Töpfe, abgesessene Polster, verwittertes Holz... Antiquitäten eignen sich wunderbar als Fotosujets.

Kunstfoto: Alt und neu

3.5.2012, 0 KommentareKunstfoto:
Alt und neu

Eine zuerst unpassend wirkende Kombinationen verschiedener Dinge - hier alt und modern - hat auf Fotos oft ihren Reiz.

Kircheninterna: Das reale Leben

9.5.2011, 4 KommentareKircheninterna:
Das reale Leben

Eine Verschiebung der inhaltlichen Perspektive und ein Bruch mitden Erwartungen ist ein interessantes fotografisches Werkzeug. Allerdings muss der Fokus dann eindeutig klar werden.

Naturfoto: Der Kreis des Lebens

28.3.2011, 0 KommentareNaturfoto:
Der Kreis des Lebens

In der Natur ist nicht alles lieblich, aber mancher unappetitliche Anblick macht nachdenklich und bedeutet mehr als die Summe der Dinge.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.