Situationsporträt:
Bezug schaffen

Für ausdrucksstarke Portraitfotos sollte man versuchen, hinter die allgemeine Fassade eines Gesichts zu schauen, um etwas über Persönlichkeit zu entdecken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Seraina Balke)

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Seraina Balke)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Seraina Balke:

Von all den verschiedenen Arten von Porträtfotografie sind Situationsporträts eine von den besten und einfachsten Möglichkeiten, um einen Einblick in eine Person zu gewinnen. Im Gegensatz zu Porträtfotos, die sich hauptsächlich auf die äußerlichen Merkmale konzentrieren, setzen Situationsporträts die Person in Bezug zu ihrem jeweiligen Beruf, ihren Leidenschaften, oder ihren Interessen.

Schon auf den ersten Blick merkt man bei diesem Foto zum Beispiel, dass die dargestellte Person eine Verbindung zu diesem Wald oder der Natur allgemein hat. Wäre es stattdessen ein bunter Stoffhintergrund gewesen, wäre die Person rätselhafter gewesen. Trotz der Szenerie hat der Mann auf dem Foto etwas nicht Eindeutiges. Seine Jacke wirkt eher urban, und mir scheint es, als ob er an diesem Ort nicht sehr viel Zeit verbringt. Das ergibt einen interessanten Kontrast und dem Foto Tiefe. Wenn er die gängigen Outdoor-Klamotten tragen würde, gäbe es weniger Spannung und kein gegensätzliches Element, das unsere Vorstellungskraft anstachelt.

Für aussagekräftige Porträts ist es wichtig, hinter die allgemeingültige Fassade einer Person zu schauen und etwas über ihren Charakter zu entdecken. Im Studio benehmen sich die Leute meist verlegen oder unruhig. Wenn man sie aber an einem Ort fotografiert, den sie gewohnt sind, wie zum Beispiel in ihrem Zuhause oder an ihrem Lieblingsplatz, können sie eher sie selbst sein und sind ungezwungen vor der Kamera. Das merkt man auch deutlich auf den Fotos.

Obwohl die Person auf diesem Foto locker wirkt, ist das Porträt als Ganzes eher schwach. Ein Problem ist es, dass die Person nicht gut zum Hintergrund passt. Es gibt keine ergänzenden Formen oder Linien, die zu der Person führen oder sie umrahmen. Am oberen Bildrand gibt es zuviel freie Fläche. Freier Raum kann zwar ein ausdruckstarkes Gestaltungsmittel sein, hier wurde das aber nicht effektiv umgesetzt. Du könntest die Aufmerksamkeit mehr auf die Person lenken und somit die Beziehung zum Betrachter verstärken, wenn du oben etwas wegschneiden würdest.

Denke daran, dass das Wichtigste bei Porträtfotografien die Beziehung zwischen Subjekt und Betrachter ist, unabhängig von Szenerie, Bildausschnitt oder Kleidung.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Mal eben nebenbei ist hier ein gut fotografiertes Portrait entstanden, welches auch in schwarzweiss gut rüber kommt.

4 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für die Kritik – und besonders für die wertvollen Tipps!
    Sorry nochmals, dass es mit dem Originalbild nicht geklappt hat… werde nächstes Mal (ich hoffe darauf..) das richtige Bild schicken.

    Seraina Balke

  2. Hallo,

    also grundsätzlich mag ich die Rubrik “Bildkritik” sehr. Ich habe habe den RSS-Feed abonniert und lese immer wieder gerne, was ein Profi zu verschiedensten Bildern sagt.

    Aber macnhmal wundere ich mich schon über die Auswahl der Bilder.

    Bei diesem Bild kann ich zum Beispiel nichts anderes sehen, als den “Schnappschuss” einer Person offenbar auf einem Waldspaziergang. Ok, die Person schaut etwas verträumt aus dem Bild, aber ansonsten…
    Für’s Familienalbum sicher ganz nett, aber für eine (auch für andere) interessante Kritik meines Erachtens eher ungeeignet.

    Vermutlich auch eine subjektive Meinung meinerseits…

    Ich freue mich auf die nächsten Bilder.

    Grüße
    Volker

  3. @ Volker:

    Wir verstehen uns als fotografisches “Seminar” für anspruchsvolle Digitalfotografen jeder Stufe.

    Subjektiv oder nicht – Deine Beobachtung ist nicht ganz falsch. Nur eben wollen wir ja nicht nur Meisterwerke vorstellen, sondern auch an Hand einfacher, nun, meinetwegen “Anfängerbilder” verdeutlichen, was anders und besser sein könnte.

  4. Ich habe natürlich auch noch andere, einiges speziellere und sicherlich aussagekräftigere Fotos im Petto. Hätte auch nicht gedacht, dass gerade dieses genommen wird.
    Ich sehe dieses Foto selber nicht als “Kunstwerk”, es ist ein einfaches Bild, das während einem echten Waldspaziergang entstanden ist. Mir gefällt mehr die Atmosphäre, die es ausstrahlt.

    Danke trotzdem… ;)

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