Der blaue Trompeter:
Abgedrängt

Peter Sennhauser, 29. Mai 2009 14:47 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Dinge wie eine ungewöhnliche Bildaufteilung, Negativraum oder Color-Key können viel Aufmerksamkeit auf ein Bild vereinen. Der Bruch mit Konventionen sollte aber nicht durch die unbewusste Vernachlässigung anderer Regeln geschwächt werden.

Kommentar des Fotografen:

Servus, das Bild wurde am 24.04.09 bei einem Konzert des Norwegischen Jazz Trompeters Nils Petter Molvaer aufgenommen. Ich finde selbst finde sowohl den Schnitt wie auch die Farbgebung sehr nett. Übrigens: Bis auf die Größe ist das Bild Out-of-the-Cam. Die Farben waren durch die Scheinwerfer so. Würde mich über ein Feedback freuen. Grüße aus München jesse

Peter Sennhauser meint zum Bild von Werner Tschernoussow:

Negativraum – “leerer” Bildanteil – kann ein wirksames Gestaltungswerkzeug sein. In der Landschaftsfotografie ist dabei nicht “nichts” zu sehen, aber nichts relevantes; in Bildern wie diesem Trompeterporträt und in Studioaufnahmen bietet sich die Möglichkeit, echten, total einfarbigen Negativraum zu benutzen.

Er sollte natürlich mehr sein als nur grafische Aufteilung des Bildes, sonst wirkt er aufgesetzt:

Das Hauptmotiv muss durch den Negativraum nicht nur optisch, sondern am besten auch inhaltlich gestützt und ergänzt werden.

Das passt hier sehr gut. Der Musiker, der völlig in sich gekehrt und konzentriert in einer eigenen Welt abgetaucht scheint, verlässt den Rahmen des bildlichen und macht Platz für etwas anderes – Freiraum. Er schafft eine neue Dimension für Dinge, die sich jeder aus seiner Musik selber herstellt, und sie werden gleich aus dem Dunkel hinter ihm hervortreten.

Reizvoll ist hier auch der harte Kontrast und das blaue Licht, das den gleichen Eindruck des in eine andere Welt übergetretenen Künstlers stützt. Die drei weissen Spitzlichter sorgen dafür, dass der Eindruck einer nachträglichen Verfärbung vermieden wird, und zeugen als Andeutung von Schweiss im Gesicht von der Hingabe und der Anstrengung des Trompeters.

Blickrichtung (trotz geschlossener Augen) und Körperhaltung sind perfekt in der buchstäblichen Anlehnung an den Negativraum.

Mir gefällt bloss eine Sache nicht – die fast geometrisch genaue Ausrichtung auf die rechte untere Ecke. Aus den Ecken ins Bild verlaufende Linien wirken gekünstelt und stören die Verhältnismäßigkeit – hier genauso wie bei jedem anderen Bild. In Kompositionen wie dieser kompromittieren derlei Fehler aber zugleich die ganz gewollten und bewussten Regelbrüche. Das mindert die Gesamtwirkung und ist deswegen schade.

Ich habe versucht, das Verhältnis mit ein bisschen Klonarbeit und angesetztem Schwarzem Rand zu ändern. Ich halte das Resultat, obwohl nur minim verändert, für eine deutlich bessere Komposition.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Corinne ZS
    schrieb am 29. Mai 2009 um 22:26 Uhr (#)

    Schöne Bildbesprechung und schönes Bild der instrumentalen Blue Man Group. Dass das Bild nur geschnitten, aber farblich nicht verändert wurde, beeindruckt mich. Und nachdem ich es jetzt ein paar Mal auf Internet besucht habe, ist mir auch klar, warum es das erste Konzertfoto ist, das mich berührt: Ich höre förmlich die Töne. Sonst scheint mir bei Konzertfotos oft mehr die Akrobatik (Sänger schreit sich die Seele aus dem Leib/Gitarrist springt bis unter die Decke/Publikum tobt) im Vordergrund zu stehen und weniger die Herstellung von Tönen. Das ist hier ganz anders. Und das ist sehr schön. Peters Ergänzung des Bildes finde ich absolut hilfreich.

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