Planung Mondfotografie:
Kein Mond in Sicht

Wenn’s auch nicht geklappt hat: Vor Ort sein ist alles. Landschaftsfotografie verlangt Geduld, und nichts ärgert mehr als eine verpasste, einmalige Chance.

Zwar bietet sich diese Chance zwölf Mal im Jahr: Der (fast) volle Mond geht auf und bietet einen grandiosen Hinter- zu einem gut gewählten Vordergrund. Der beste Tag für diese Aufnahme ist in der Regel der letzte vor dem aktuellen Vollmond – und alle andern Daten muss man sich errechnen. (Übrigens: Vollmonduntergangsfotos wären auch einen Versuch wert, und dann gibt’s auch die reine Mondsichel-Aufnahme)

Mir hat gestern das Wetter einen Strich durch die Mond-Rechnung gemacht, aber ich bin trotzdem froh, vor Ort gewesen zu sein. Denn:

Bis wenige Minuten vor dem fein säuberlich kalkulierten Erscheinen des fast vollen Mondes sah es so aus, als ob der Mond vielleicht durch eine der Lücken in den Wolkenfetzen am Himmel hinter der Sissacher Fluh auftauchen und mir ein grandioseres Motiv abgeben könnte, als wenn der Himmel unbewölkt wäre.

Während ich da stand und versuchte, das wütende Gebell des Hofhunds einige hundert Meter weiter weg zu ignorieren, zog dann plötzlich eine massive Front von Westen auf und machte den Vorhang vor dem Abendhimmel ganz zu.

Ärgerlich daran ist, dass ich noch nicht einmal überprüfen konnte, ob ich bei der Berechnung der Daten und der Sichtlinie einen Fehler gemacht habe. Ich wanderte am Waldrand im regennassen Gras rauf und runter und versuchte, die Linie zu rekonstruieren, die ich zuvor in Google Earth gezeichnet hatte.

Standpunkthindernisse

Nun ist es leider so, dass man sich den Standpunkt hinter dem gewünschten Vordergrund zum Vollmond nicht aussuchen kann – er muss auf einer Linie mit dem Erscheinen des Mondes am Himmel liegen – und das führte zu einem wenig attraktiven Blickwinkel auf die majestätische Kalkstein-Klippe, jedenfalls ohne den Mond dahinter.

Für anderweitige Bilder blieb also wenig Motivation, auch wenn ich es mit zunehmender Dunkelheit dann doch aus der Grashalm-Perspektive noch probiert und ein wenig herumgespielt habe.

Gelernt habe ich ausserdem, dass man auf Google Earth zwar gewisse Dinge in der Landschaft sehen kann, sich aber dennoch räumlich eine Vorstellung davon machen muss: Die Hochspannungsleitung unmittelbar vor meiner Nase wäre auch für das Mondbild nur knapp aus dem Bild zu kriegen gewesen.

Der richtige Abstand für lange Brennweite

Ferner ist es sehr schwierig, den richtigen Abstand zum Mondfoto-Vordergrund-Motiv einzuschätzen. Das ist nicht einerlei: Denn während der Abstand zum Mond immer der gleiche ist und seine Grösse im Bildausschnitt folglich nur mit Mühe und sehr langer Brennweite wirklich beachtenswert gemacht werden kann, kann einem ein Standpunkt zu dicht am Motiv einen Strich durch die Rechnung machen. In meinem Fall erwies sich die Distanz von rund 700 Metern zur Fluh als grade ausreichend – für eine wirksame Mondaufnahme hätte ich aber wohl dennoch nicht die volle Länge des Teles von 400, respektive 600mm nutzen können, wenn die Klippe nicht zu einem unscheinbaren Felsklotz vor dem Mond hätte werden sollen.

Alles in allem: Standortberechnung und -Erkundung in Google Earth scheint mir einigermassen geglückt, und ich werde das Experiment in einem Monat an einem mir unbekannten Ort in Kalifornien wiederholen.

Trotzdem scheint es angemessen, den Ort der Fotografie, wenn die Möglichkeit besteht, vorher bei Tageslicht auszukundschaften – das kann ja am gleichen Tag sein, so dass man Zeit hat für Anpassungen.

Mehr lesen

Noch mehr Mondfotografie: Hoch oben am Himmel...

4.9.2009, 8 KommentareNoch mehr Mondfotografie:
Hoch oben am Himmel...

Bilder vom September-Vollmond 2009: San Francisco unter flammendem Himmel.

Mondfotografie: Vollmondwoche!

31.8.2009, 3 KommentareMondfotografie:
Vollmondwoche!

Diese Woche: Vollmond für Mondfotografie.

Mondfotografie: Einen Tag vor dem Vollmond

6.6.2009, 5 KommentareMondfotografie:
Einen Tag vor dem Vollmond

Heute ist mal wieder Mondfoto-Tag. Eine kurzfristige Anleitung.

Close Encounters: Demi-Symmetrie

10.4.2012, 0 KommentareClose Encounters:
Demi-Symmetrie

Symmetrie und Einmittung können auch in der Landschaftsfotografie einmal anders als in Seen-Spiegelungen angewandt werden. Die Frage ist, was man damit bezweckt.

Landschaftsfotografie: Drama der Berge

17.3.2012, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Drama der Berge

Die Berge bieten vor allem im Zusammenspiel mit dem Wetter dramatische Motive. Eine gute Komposition schafft hier viel Räumlichkeit.

Landschaftsfotografie: Die Details der Herbstwiese

8.3.2012, 5 KommentareLandschaftsfotografie:
Die Details der Herbstwiese

Wer nebensächliche Details betonen will, muss dicht an sein Motiv herangehen, wie hier bei diesen bunten Herbstblättern.

The Photographer\'s Ephemeris: Mondfotografie, einfach geplant

18.1.2011, 3 KommentareThe Photographer's Ephemeris:
Mondfotografie, einfach geplant

Der Vollmond als Teilmotiv ist ein faszinierendes Objekt, aber nicht leicht zu "platzieren". Das Programm TPE leistet grossartige Hilfe für die Planung von Shootings mit Mond-, aber auch Sonnenauf- und Untergängen.

Mondbild: Auswahlsendung statt Motiv

20.4.2010, 6 KommentareMondbild:
Auswahlsendung statt Motiv

Komplexe Motive mit vielen Elementen bedürfen einer sorgfältigen Komposition.

Mondnacht-Foto: Schattenspiele im Garten

30.10.2009, 0 KommentareMondnacht-Foto:
Schattenspiele im Garten

Der Mond ist ein schickes Motiv: Als Hauptdarsteller ebenso wie nur als Hintergrund.

31.1.2012, 1 KommentareLangzeit-Landschaft:
Mehr nach links

Bewegte Objekte hinterlassen in Langzeitaufnahmen ihre Spuren. Es lohnt sich, deren Verlauf genau zu planen.

The Photographer\'s Ephemeris: Mondfotografie, einfach geplant

18.1.2011, 3 KommentareThe Photographer's Ephemeris:
Mondfotografie, einfach geplant

Der Vollmond als Teilmotiv ist ein faszinierendes Objekt, aber nicht leicht zu "platzieren". Das Programm TPE leistet grossartige Hilfe für die Planung von Shootings mit Mond-, aber auch Sonnenauf- und Untergängen.

Halbmond-Foto: Er gleicht sich selber sehr

4.2.2010, 0 KommentareHalbmond-Foto:
Er gleicht sich selber sehr

Mondfotos sind eine faszinierende Sache - mit einem grossen Nachteil: Das Motiv ist immer genau gleich. Deswegen braucht es einen Vordergrund.

8 Kommentare

  1. Dr. Bruchholz, Ljudmila
    schrieb am 8. Juni 2009 um 10:54 Uhr (#)

    Hallo Peter, nicht immer wird man den Ort der “Begierde” aus”kundschaften” können. Das trifft im großen und kleinen auf so manche Arbeit zu. Aber ein neuer Versuch – wie Sie schreiben – in einem Monat in Kalifornien (!)- läßt Vorfreude bei mir aufkommen.
    Eine Frage: bedeutet der Begriff “Fluh” (konnte ich weder im Brockhaus, noch in einem älteren Foto-Lexikon, noch in einem Photokollegium für digitale Fotografie finden. – Mehr Zeit zum Suchen habe ich nicht.

  2. Sven Sondag
    schrieb am 8. Juni 2009 um 11:10 Uhr (#)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fluh

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 8. Juni 2009 um 11:48 Uhr (#)

    “Fluh” ist ein allemannischer Ausdruck für einen Felsabsturz – In der Schweiz finden sich wohl hunderte von Flurnamen und Orten mit “Fluh” oder “Flue”.

  4. Ulrich Brodde
    schrieb am 8. Juni 2009 um 13:34 Uhr (#)

    angeregt durch peters mondfoto-artikel habe ich mich in der mondfotografie versucht.
    ohne google, einfach vom balkon aus, mit hochspannungsleitung (zufällig passend zu diesem artikel).

    bilddaten: F 11, 1/40 sec., f 400 mm, ISO 100
    ortszeit: 07. 06. 2009, 05:55, also monduntergang

    in der bearbeitung der raw-datei den weißabgleich auf “schatten” gesetzt, einen ziemlich extremen ausschnitt gewählt, tiefen etwas angehoben, nachgeschärft.

    ergebnis siehe hier
    http://fotocommunity.de/p…205/display/17367028

  5. Corinne ZS
    schrieb am 8. Juni 2009 um 14:03 Uhr (#)

    @Ulrich: Spinn ich oder sieht man die Mondoberfläche auf Deinem Bild ganz deutlich? Ich kanns einfach fast nicht glauben. Aber wenn Du sagst, es sei so, dann muss es wohl so sein. Ich bitte um Aufklärung.
    @Peter: Wie immer super Artikel. Danke, dass Du fleissig schreibst und dazu noch wunderbare Fotos lieferst. Die Grashalme sind farblich wunderbar. Ich weiss jetzt wieder, warum Profis keine Kamera wie die meine verwenden. Irgendwie ist sie wohl doch nicht ganz optimal. Jedenfalls gibts bei mir nur Pixelbrei, wenn ich im Dämmerlicht fotografiere. Ich könnte eventuell einmal eine Mondaufnahme machen, sie wäre dann einfach schwarz – und würde Hommage an André Reithebuch heissen ;-)

  6. Ulrich Brodde
    schrieb am 8. Juni 2009 um 14:15 Uhr (#)

    @corinne
    wenn du die unregelmäßige randfläche meinst, die entstand durch die vergrößerung. der (nicht geplante) effekt der vermeintlich erkennbaren oberflächenstruktur mit bergen und hügeln macht für mich u.a. den reiz dieses fotos aus.

  7. DanielS
    schrieb am 8. Juni 2009 um 22:11 Uhr (#)

    Hallo Peter,
    bei dem angegebenen Abstand von 700m hast Du bei 600mm Brennweite (und f/11-Cropchip?) noch das Problem, Berg und Mond nicht gemeinsam scharf abbilden zu können, da die Schärfentiefe nicht ausreicht.

    Gruß,
    Daniel

  8. Dr. Bruchholz, Ljudmila
    schrieb am 9. Juni 2009 um 00:05 Uhr (#)

    Peter, Danke für die Erläuterung des Begriffs “Fluh”. Und Sven ebenso für den Tip. Zu einem Buch zu greifen ist mir aus Gewohnheit vertrauter, als in die Wikipedia Enzyklopädie zu schauen.
    In meiner Kindheit sah ich einen ähnlich am Horizont tiefliegenden eierdottergelben Mond aufsteigen, wie es das Bild von Ullrich allerdings weit beeindruckender zeigt. Dieses Erlebnis hatte ich in der Großstadt, allerdings in einem eher kleinstädischen “Vorwort”, wo die Häuser niedrig sind und der Mond in der zentralperspektivischen Straßenflucht aufging.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.