Kornähren:
Vom Winde verweht

Peter Sennhauser, 10. Juni 2009 12:37 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Die Isolierung einzelner Objekte im Bildvordergrund kann in Naturfotos Tiefe schaffen. Und was tut man, wenn heftiger Wind weht?

Kommentar des Fotografen:

Diese Foto habe ich am 3. Juni 2009 bei starkem Wind mit der Nikon D60, Objektiv 18 – 55mm aufgenommen. Ziel war es Tiefe ins Bild zu bekommen. Meine Frage ist wie hätte ich es besser machen können, oder braucht man ein Weitwinkelobjektiv um wirklich Tiefe ins Bild zu bekommen?

Peter Sennhauser meint zum Bild von Herrmann Greiling:

Ich mag diese Bilder aus einer tiefen Perspektive, die einen ganz anderen Blick auf die Welt (oder mehr eigentlich: Aus der Welt) bieten. Allerdings hattest Du ein konkretes Ziel – Tiefe zu schaffen.

Das ist Dir teilweise gelungen, aber es könnte meiner Meinung nach grade in einem Kornfeld noch viel besser gehen:

Mit der Perspektive von unten herauf beraubst Du Dich des Horizonts im Kornfeld und der Weite der in der Distanz kleiner werdenden Ähren – einem Effekt, der grade bei Objekten von grosser Gleichmässigkeit und Fläche dazu einlädt, mit der optischen Tiefe, Fluchtpunkt und konvergierenden Linien zu spielen.

Du hast hier – bewusst oder nicht – einen anderen Ansatz gewählt, der etwas schwieriger umzusetzen ist. Die naheliegendste Methode für den Eindruck von Tiefe ist dabei natürlich, eine oder zwei Ähren im Vordergrund zu isolieren. Diese Isolation muss ausgeprägter sein, je geschlossener Deine Blende ist. Ein Weitwinkel ist übrigens nicht nur keine Bedingung für Tiefe – er schafft vor allem Weite, und die Tiefe in einer solchen, meist von grosser Schärfentiefe geprägten Aufnahme ist eine knifflige Aufgabe für den Fotografen, der sie über die Komposition herstellen muss.

Wenn heftiger Wind herrscht, wird deine Blende natürlich eher offen sein, damit Du eine kurze Belichtunsgzeit kriegst und keine Bewegungsunschärfe riskierst: Damit wird der Tiefeneffekt auf einfachste Art über die sehr geringe Schärfentiefe erreicht.

Dabei wird die Wirkung stärker, wenn Du einen Blickwinkel suchst, der das Feld und die Reihen der Halme eben auch in der Tiefe zeigt. Du hast hier aber fast den ganzen Bildvordergrund mit Ähren ausgefüllt, die beinahe in einer Ebene liegen, was die Asbtufung nach hinten erschwert.

Ziehst Du ausserdem in Betracht, den Horizont nicht durch die Bildmitte (und schon gar nicht oder dann aber eindeutig absichtlich schräg) laufen zu lassen, dann kommst Du perspektivisch auch eher auf die Höhe der Halme, die von den Ähren gekrönt würden – und in diesem “Halmwald” in der unteren Bildhälfte würde durch die Schärfentiefe und die gegen hinten wohl zunehmende Dunkelheit automatisch noch mehr Tiefe entstehen.

Aber das eigentliche Problem diese Bildes liegt nicht in der Tiefe, die durchaus spürbar ist, sondern im fehlenden Motiv. Denn auch, wenn es Dir um den Raum und nicht um ein Objekt geht, musst Du den Betrachter ins Bild leiten, und bei den Ähren würde ich mich gerne an einer festsehen und danach ins Feld hineinstreifen.

Eine möglicherweise spannende Alternative wäre in diesem Fall vielleicht das pure Gegenteil gewesen: lass denn Wind das Feld zu einer wogenden Masse machen(was auch eher wieder eine etwas höhere Perspektive und einen flachen Blickwinkel übers Feld hinweg bedingt hätte), die nur noch von der räumlichen Tiefe und der Bewegungsunschärfe der Halme lebt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Markus K.
    schrieb am 11. Juni 2009 um 18:24 Uhr (#)

    Muss es denn nicht heißen?: “Wenn heftiger Wind herrscht, wird deine Blende natürlich eher offen sein, damit Du eine kurze Belichtunsgzeit kriegst und keine Bewegungsunschärfe riskierst. Und damit wird der Tiefeneffekt ganz einfach über die [sehr geringe oder fehlende]Schärfentiefe erreicht.” Ohne diesen Zusatz eine gerade für Anfänger verwirrende Formulierung.
    Also Tiefenwirkung durch Unschärfe? Gewissermaßen als Imaginationsraum?
    beste Grüße aus Berlin
    Markus K.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 12. Juni 2009 um 10:21 Uhr (#)

    @ Markus: Ganz genau. Danke für den Hinweis, ich füg das in den Text ein.

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