Robert Capa:
Die Geheimnisse
des mexikanischen Koffers

Uli Eberhardt, 11. Juni 2009 14:06 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In Robert Capas “mexikanischem Koffer” fand sich keine Capa-Sensation – aber bisher Unbekanntes vor allem von David Seymour und auch Gerda Taro.

“Mexican Suitcase”, mexikanischer Koffer – diesen Namen haben die drei Pappschachteln verpasst bekommen. Die verloren geglaubten Filmrollen aus dem Spanischen Bürgerkrieg von Robert Capa, Gerda Taro und – als Überraschung – von David Seymour sind jetzt digital verfügbar.

Das International Center of Photography ICP in New York hat nun alle Negative eingescannt und zeigt eine wachsende Auswahl davon auf seiner Website. Im Herbst 2010 sollen die Bilder publiziert und in einer Ausstellung gezeigt werden.

Um es gleich zu sagen: Das Geheimnis um Robert Capas berühmtestes Bild “Falling Soldier” konnte nicht gelüftet werden. Diese Negative fanden sich nicht in den Schachteln. Dafür Filmrollen von David Seymour: Mit ihm zusammen hatte Robert Capa 1939 bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus Paris fliehen müssen. Dabei sind die Filme liegen geblieben und gelangten auf abenteuerlichen Wegen nach Mexiko, wo sie schließlich wieder gefunden wurden. David Seymour, genannt Chim, war mit Capa und Henri Cartier-Bresson Mitbegründer der Fotoagentur Magnum im Jahr 1948.

Die Schachteln enthielten weitere Überraschungen, die zu einem besseren Verständnis für das Werk dieser drei wichtigen Kriegsfotografen führen, so teilt das ICP mit. So wurden bisher unbekannte Bilder von Capa und seiner Partnerin Gerda Taro entdeckt. Insgesamt handelt es sich um rund 4300 Negative auf 126 Filmrollen (35mm Kleinbild). 46 Filme werden Chim Seymour zugeordnet, 45 Capa und 32 Gerda Taro. Drei Filme werden Taro und Capa gemeinsam zugeschrieben. Die tatsächliche Zusammenarbeit dieser beiden ist bisher ebenfalls ein ungelüftetes Rätsel.

Die Bilder sind alle zwischen Mai 1936 und März 1939 entstanden und zeigen den Bürgerkrieg in Spanien. Mit zwei Ausnahmen: Auf zwei Filmen sind Porträts von Capa, Taro und ihren Freunden in Paris 1935 zu sehen. Und dann gibt es noch Filme von einer Reise Capas nach Belgien.

Die bisher unbekannten Bilder von David Seymour sind für das ICP die größte Entdeckung im “mexikanischen Koffer”. Er war schon früher in Spanien als Capa und Taro. Und er hat nicht nur Kriegsszenen fotografiert, sondern auch Bilder aus dem kurzen republikanischen Sommer in Spanien – das tägliche Leben, Stillleben oder Porträts der Protagonisten: unter anderem des Dichters Federico García Lorca und von Dolores “La Pasionaria” Ibárruri, der legendären Ikone des spanischen Kommunismus.

Unter den Negativen von Gerda Taro befinden sich auch drei Rollen aus ihren letzten Lebenstagen. Sie starb im Juli 1937 während der Schlacht von Brunete. Auch ihre Bilder von der Ausbildung bei der republikanischen Armee in Valencia sind hier mit dabei, wie die erschütternden Fotos aus dem dortigen Leichenschauhaus nach einem Angriff mit vielen Toten.

Die technischen Angaben des ICP: Die Originalnegative sind auf die damals üblichen nitrathaltigen und feuergefährlichen Filme belichtet worden. Die drei Fotografen verwendeten die verschiedensten – etwa Agfa, Agfa Isopan, Kodak Super X, Kodak Panchromatic oder Gevaert. Bereits geschnittenen Filme sind mit einem Nikon-Filmscanner digitalisiert worden. Die ungeschnittenen Rollen wurden mit einer digitalen Canon fotografiert und auf Planar-Film dupliziert.

International Center of Photography
David Seymour bei Wiki
Sensationeller Fund – fokussiert.com

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