Kaiserkrone:
Aus einer andern Welt

Reduktion, Nahaufnahme und Abstraktion können aus den einfachsten Dingen kleine Weltwunder machen. Die Farbe, die Struktur und die Beleuchtung dieser Pflanze erschaffen gemeinsam eine andere Welt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rüdiger Schütz).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand im Botanischen Garten in Krefeld und zeigt die Blüte einer so genannten Kaiserkrone. Mehr als auf die realistische Abbildung der Pflanze kam es mir hier auf die Farbwirkung verschiedener Schattierungen von Rot an. Ob mir das gelungen ist, würde ich gern von Euch wissen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rüdiger Schütz:

Wie durch Reduktion etwas grösseres entstehten kann – dafütr ist dieses Bild ein perfektes Beispiel. Deine Entscheidung, statt der ganzen Blüte oder gar der ganzen Pflanze nur das Rot der Kaiserkrone aufzunehmen, verschafft diesem Naturwunder mehr Aufmerksamkeit als jedes Vollporträt.

Ist es Dir gelungen, die Schattierungen von Rot zu inszenieren? Und ob. Mehr noch: mit der Komposition, der samtweichen Beleuchtung und einer milden Schärfentiefen-Reduktion schaffst Du eine ganze Welt von Rot, von drei Rot, um genau zu sein.

Was das Bild nämlich zusätzlich so aussergewöhnlich macht, ist seine enorme Tiefe: Statt das Rot einer Blütenspitze zu zeigen, hast Du dich für einen Ausschnitt mit drei von ihnen entschieden und dabei dank einer Tele-Brennweite von 90mm bei Blende 5 den drei Gestalten eine Räumlichkeit verliehen, wie man sie bei Pflanzenbildern selten findet.

Das macht denn auch den Effekt des Bilds aus, das weit mehr als die Schattierungen von Rot umfasst: Es sind drei Körper zu sehen, fleischige, adrige rote Wesen in einem Halbdunkel, das sich in den Zwischenräumen im vollendeten Schwarz verliert. Diese räumliche Komposition wird zusätzlich durch die Vignettierung oben und unten verstärkt, und die dreifache Wiederholung der Blütenblatt-Überlappung ist perfekt platziert und zugleich in drei verschiedenen Schärfenebenen so angelegt, dass aus der Reihe ein Zirkel wird.

Es ist ein Bild aus einer andern Welt, plastisch und von enormer Leuchtkraft. Dass und ob es eine Blume oder ein Pflanze ist, spielt überhaupt keine Rolle: Diese Fotografie wird der Schönheit der Kaiserkrone auf eine eigene Art sehr viel besser gerecht, als eine Porträt-Fotografie der Pflanze es je könnte. Du hast hier nicht nur die Schattierungen des Rot wunderbar abgebildet, sondern einen Siegerkandidaten für Fotowettbewerbe und jedenfalls eine Aufnahme geschaffen, die kaum gross genug gedruckt werden kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

2 Antworten
  1. DanielS says:

    Weniger ist mehr, und deswegen mag ich dieses Bild sehr. Die Rotschattierungen, die Positionierung und der Anschnitt der Blüten. Die Linien im Bild sind kompositorisch gut gewählt, die Hauptlinie durch die erste Blüte liegt nahe des goldenen Schnittes. Die teilweise dreiekigen und unterschiedlich großen dunklen Flächen in Verbindung mit dem rot machen das eigentlich ruhige Bild dynamisch. Zudem unterscheidet es sich durch den dunkel gehaltenen Hintergrund von den „Knipsbildern“ mit zwar vielen, aber meistens unötigen Details, und ist dadurch schön auf die wichtigen Eigenschaften (der Farbe) reduziert. Die fehlende Schärfentiefe im Vordergrund stört mich dabei überhaupt nicht.
    Aber das ist nur mein persönlicher Geschmack, viele sehen das bestimmt noch differenzierter.

    Antworten
  2. Wieland says:

    Ich finde das Bild nicht gut.
    Die vordere Unschärfe stört sehr, finde ich.
    Auch den Schnitt finde ich schlecht.
    Nichts halbes und nichts ganzes.
    Zu guter letzt liegen die Farben des Bildes praktisch komplett außerhalb des Gamuts.

    „Siegerkandidaten für Fotowettbewerbe“?
    Sicher nicht.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *