Fingerübungen Nachtfotografie:
Stadt am Fluss

Nachts in der Stadt geht am besten mit einem Stativ. Und am Fluss liefern lange Belichtungszeiten Spiegelungen wie auf Eisflächen.


Ich habe mich während meines Arbeitsaufenthalts in der Heimat wenigstens einmal so richtig mit der Kamera rausgetraut: Nachdem ich das Lichtspiel an den Fassaden des Grossbasler Rheinufers gesehen habe, wollte ich am Tag danach nach Sonnenuntergang versuchen, das Farbspiel einzufangen.

Das war einerseits nicht ganz einfach wegen der Menschenmassen am Kleinbasler Ufer, die sich die lauen Sommernächte um die Ohren schlugen.

Andrerseits habe ich festgestellt, dass hier einen Vordergrund zu finden, der den Namen und das Bild verdient, nicht ganz leicht ist: Ein Rheinschiff auf dem Wasser wäre nett, ist aber nicht immer verfügbar und wird bei langen Belichtungszeiten zum grauen Balken; das Unkraut am Ufer ist mäßig ansehnlich, und auf die Spiegelung im Wasser kam ich erst sehr viel später.

Angefangen habe ich eh mit einem Klassiker – die Kamera stand aus irgendwelchen Gründen auf 1600 ISO, und ich wunderte mich nicht sonderlich über die kurzen Verschlusszeiten. Das grobe Korn auf in den Aufnahmen ließ mich mehr stutzen, aber erst nach ein paar Aufnahmen vom Stativ.

Gelernt habe ich:

  • Die Kamera vor Start des Shootings auf Standard-Einstellungen überprüfen.
  • Auf jeden Fall mit Stativ arbeiten. Bei grösseren Distanzen – wie dem Blick quer über den Fluss – möchte man geschlossene Blenden verwenden.
  • Den Weissabgleich manuell einstellen oder mit einem Neutralgrau-Karton: Im Dämmerlicht und bei all den farbigen Lichtern der Nacht kommt er schnell völlig durcheinander.
  • Richtig Spass machts eigentlich vor allem, wenn auch die blaue Stunde vorbei ist und es wirklich dunkel wird – denn das wird es in der Stadt nie, dafür glüht und blinkt es überall. Je mehr Lichter, desto bunter wird auch das Bild.
  • Die richtige Belichtung ist eine Geschmacks- und Einschätzungsfrage: Die Kamera wird zur Überbelichtung neigen, wenn man nicht zum Beispiel mit der Spotmessung auf einen Ort mit mittlerer Helligkeit einmisst.
  • Lange Belichtungszeiten am Fluss führen bei vorbeitreibenden Gegenständen, Enten und einer anlegenden Fähre zum Beispiel zu sehr eigenartigen, nicht sehr attraktiven Erscheinungen. Das Wasser selber dagegen wird zur Eisfläche, die ungleichmässig spiegelt.

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5 Kommentare

  1. bee
    schrieb am 17. Juni 2009 um 08:53 Uhr (#)

    Oh klasse, so eine “Erfahrungsreihe” an Bildern finde ich immer sehr hilfreich. Deine Einschätzungen teile ich, und das finale Bild ist echt klasse! Da hat es sich gelohnt, einiges auszutesten.

  2. Corinne ZS
    schrieb am 17. Juni 2009 um 16:13 Uhr (#)

    Ich finde zudem das Sujet super. Denn es zeigt den Ort, an dem Bernerinnen den 1. August vorfeiern. Jedenfalls Bernerinnen, die Kawumm mögen. Basel ist so nett, bereits am 31. Juli ein paar tausend Fränkli unsinnig schön in die Luft zu jagen. In Bern würde man dafür gebüsst. Tut hier alles überhaupt nichts zur Sache, hat nichts mit Fotografie zu tun. Oder doch? Denn – um den Bogen doch noch zu kriegen: Die Schönheit des Bildes liegt im Auge des Betrachters, der Betrachterin. Mir erzählen die Bilder Feuerwerk-Geschichten, ganz einfach. Einfach schön.

  3. Blue
    schrieb am 17. Juni 2009 um 16:45 Uhr (#)

    Praxis-Artikel wie ich sie mag. Danke! Schöne Bilder obendrein. Problem mit den Isos und anderen Einstellungen: kenne ich auch!Genau sowas! Dachte mal eine Weile lang, meine Cam wäre kaputt, dabei hatte ich noch Belichtungsreihe eingeschaltet…
    Grüße!

  4. Tamara Bettoni
    schrieb am 18. Juni 2009 um 12:39 Uhr (#)

    Wow, das sind ganz schöne Bilder!!!
    LG
    Tamara

  5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 19. Juni 2009 um 01:08 Uhr (#)

    Danke, Tamara ;-)
    Wir setzen hier übrigens “nofollow”, und wer seinen Linkspam zweimal pflanzt, der landet ganz schnell auf der Blacklist.

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