Frank Rothe:
Der bewaffnete Deutsche

Uli Eberhardt, 17. Juni 2009 13:36 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

German Guns – der bewaffnete Deutsche: Wer denkt, das gibt’s nur in Texas, der sollte sich Frank Rothes Serie anschauen.

Frank Rothes Bilder sind lange vor dem Amoklauf von Winnenden entstanden. Unter dessen Eindruck diskutiert Deutschland das Waffenrecht neu, stellt auch den sportlichen Umgang insbesonders mit großkalibrigen Waffen infrage und die Ballerei in Killerspielen.

Der bewaffnete Deutsche – dieser Gedanke lässt die Welt mehr erschrecken als der waffentragende Amerikaner oder der Franzose mit seiner Jagdleidenschaft – aus historischen Gründen, naheliegend. Im Grunde aber unterscheidet sich das friedliebende heutige Deutschland hier aber eigentlich in nichts von anderen Nationen. So hat Frank Rothe durchaus nicht den “hässlichen Deutschen” fotografiert.

Nein: German Guns zeigt ganz gewöhnliche Leute und die Dinge, die sie besitzen. Die Waffe ist aber ein Objekt, das verändert. Sie verändert die Kräfteverhältnisse in Beziehungen (überall auf der Welt).

Frank Rothe, den wir hier auf fokussiert.com mit seinen Bildern vom rasenden Wachstum in China schon einmal vorstellten ( China nackt (Affiliate-Link) ), interessiert sich für Menschen und ihre Geschichten. Er achtet besonders auf alltägliche Details im gewöhnlichen Leben und sucht Verbindungen zu sich selbst. Seine eigene Nachbarschaft beschreibt er so: “Ich kann den Sonnenuntergang sehen, es wird langsam dunkel in Berlin. Menschen auf der anderen Straßenseite schalten das Licht in ihren Wohnungen an. Sie sitzen vor dem Fernseher, oder kochen oder tun einfach nichts, sehr normal, nichts besonderes. Aber Leben ist so – aufwachen, arbeiten gehen, nachhause kommen, Freunde treffen, mit der eigenen Frau oder dem Mann sprechen, mit den Kindern spielen”.

An den Porträts der Serie German Guns kann man sehen, wie sich Fotos verändern, sobald etwas in den Blick rückt, das mit Macht zu tun hat. Waffen verkörpern Macht und lenken den Blick des Betrachters zuerst auf den Gegenstand und später auf den Ausdruck im Gesicht. Diese Irritation ist ein Kernpunkt von Rothes Arbeit.

Frank Rothe, 1972 in Berlin geboren, zeigt uns diese Bilder auch auf seiner Website, zusammen mit der Serie “China Naked” und weiteren, sehenswerten Projekten. Im Original sind die German Guns aktuell in der Galerie Pixel Grain in Berlin zu sehen.

Frank Rothe – German Guns
Galerie Pixel Grain, Rosenstraße 16/17, D-10178 Berlin
+49 (0)30 3087870, mail@pixelgrain.com
Geöffnet Montag bis Freitag 9 – 21 Uhr, Sonntag 14 – 20 Uhr

Frank Rothe
Pixel Grain

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2 Kommentare

  1. Michaela
    schrieb am 19. Juni 2009 um 08:23 Uhr (#)

    Die Fotoserie und der Titel erinnert mich sehr stark an das Fotobuch Bewaffnetes Amerika” von Kyle Cassidy. Das Buch stellt die verschiedensten Arten von Waffenbesitzern in ihrer häuslichen Umgebung dar. Es ist meiner Meinung nach eine sehr gelungene Darstellung der Amerikanischen Wirklichkeit, jenseits von irgendwelchen ideologisch gefärbten Vorbehalten gegenüber dem Besitz von Waffen. Am interessantesten, wie ich finde an dem Buch ist es zu sehen, wie der durchschnitts Amerikaner lebt und sich einrichtet. Es wird dabei ein großes Spektrum der Amerikanischen Lebensweisen sichtbar, wo meines Empfindens nach, die gezeigten Waffen in den Hintergrund treten, auch wenn sie oftmals der Blickfang auf den Bildern sind.

    Ich vermute mal, wenn man eine ähnliche Serie hier in Deutschland machen würde, käme dabei etwas ganz ähnliches heraus.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 19. Juni 2009 um 11:12 Uhr (#)

    @ Michaela
    Ja, Kyle Cassidy haben wir hier auch schon besprochen. Die Kulturlage dürfte aber sich aber doch sehr von den USA unterscheiden.

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