Promenadenspaziergang:
Worum geht’s?

Nicht auch, sondern grade ein Bild mit mehreren möglichen Motiven muss klar machen, was das Hauptthema ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Maxi Strauch).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand im Rahmen einer Serie im letzten Herbst auf der Strandpromenade in Little Odessa, als ein gewaltiges Gewitter aufzog. Zugunsten der dramatischen Lichtverhältnisse habe ich die beiden Jungs im Vordergrund unterbelichtet – silhouettig fotografiert, indem ich auf den Himmel gespottet belichtet habe. Im Nachhinein habe ich dem Bild, was eher blaustichig war, diesen Sepia-Stich verpasst und die Schatten etwas aufgehellt. Es würde mich freuen wenn ihr was dazu sagen mögt. Viele Grüße Maxi

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Maxi Strauch:

Nix Halbes, nix Ganzes. Keine Aussage, Technik nicht ausgereizt. So lautet meine Meinung in Kurzfassung. Das klingt hart, deswegen möchte ich sie genauer begründen:

Warum macht jemand ein Foto? Meist, um ein besonderes Motiv festzuhalten. Etwas Schönes, Seltenes, Hässliches oder anderweitig Interessantes. Was hatte die Fotografin gereizt, diese Bild zu machen? Es wird leider nicht ersichtlich.

Ging es um die jungen, sicher hübschen Männer? Dann hätte von der Schönheit mehr zu sehen sein müssen. Die Tüten und die Basecaps verhindern, zuviel von dem zu erkennen, was einen Hauptteil des Bildes ausmacht.

Radikal beschnittenGing es um die Promenade? Das Wetter? Die Fotografin erwähnt dramatische Lichtverhältnisse. Schade nur, dass die Hälfte des Himmels nicht erkennbar ist, weil die Lichter ausfressen. Hier hätte ein starkes Abblenden geholfen, zumal bei 1/200 Belichtungszeit genug Spielraum für eine kürzere Belichtungszeit gegeben ist. Dann wäre das Foto noch dunkler und die Männer echte Silhouetten. Die Straßenlaterne würde dem linken Mann dann aber immer noch unvorteilhaft aus der Schulter ragen.

Ich habe mir mal erlaubt, komplett anders an das Foto ranzugehen. Die ins Bild reinlaufenden Linien der Holzplanken mit dem Radfahrer zogen ständig meinen Blick an. Deshalb habe ich das Bild radikal beschnitten, um die Linien mit dem Fahrrad stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Der Vorteil ist, dass auch der Himmel ohne Zeichnung und die unerkennbaren Männer nicht mehr zu sehen sind. Außerdem habe ich die Sepia-Tönung verstärkt, um den altertümlichen Look, den übrigens auch die Laternen unterstützen, zu unterstreichen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. a.richter says:

    Ich hab endlich mal geschafft, wirklich erst das Bild in Ruhe zu betrachten und dann den Kommentar zu lesen…
    und dabei ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich nicht zur Ruhe gekommen war beim Suchen des Motivs. Klar, so eine Wetter- & Lichtsituation reizt das (Amateur-)Fotografenherz, das möchte man festhalten…

    Als erstes hat mich gestört, dass dem linken jungen Mann die Laterne aus der Schulter ragt. (und das schon hätte mich davon abgehalten, das Bild zur Begutachtung einzuschicken, es wäre bei mir im Papierkorb gelandet)

    Dann schneidet – nach meinem Empfinden – die Linie der Holzbretter, die sich in die Tiefe des Bildes hin ausrichten, das Gesamtbild in zwei Hälften – weniger optisch als inhaltlich: die eine Hälfte mit den jungen Männern, die andre Hälfte entspricht dann tatsächlich dem Ausschnitt, den Robert Kneschke dann als mögliches sinnvolles Bild herausstellt.

    Was mich auch unbefriedigt lässt: die Silhouette ist nur halbherzig. Entweder richtig, also wirklich mit keinen erkennbaren Details mehr… oder man hellt die jungen Männer auf und macht sie zu den Hauptakteuren auf dem Bild.

    Das Urteil von Robert Kneschke ist hart und fast wie eine Ohrfeige, in der ausführlichen Erklärung dazu wird es aber für mich 100%ig einleuchtend.

    Mir wäre wahrscheinlich dieser Holzboden mit den unterschiedlichen Laufrichgungen der Bretter als Hauptmotiv auf- oder eingefallen. Und ich hätte dann zugesehen, dass ich den in Szene setzen kann…
    Insofern find ich den Ausschnitt, den Robert Kneschke hier anbietet, richtig gewählt, auch wenn das Ergebnis nicht wirklich spannend ist. (z.B. ist der Radfahrer nicht wirklich gut platziert.. – aber Robert Kneschke stand ja nicht hinter der Kamera, sondern konnte nur mit dem angebotenen Material etwas versuchen… oder einen Hinweis darauf geben, wo hier das (für ihn – und für mich auch) lohnendere Motiv zu finden gewesen wäre… – insofern ist es wohl auch nicht unbedingt angemessen, seinen Ausschnitt als „Unfoto“ zu bezeichnen)

    Trotzallem, solche Wetter-/Lichtsituation sind immer wieder reizvoll, (auch ich hab ein paar solcher Versuche, so etwas einzufangen, auf meiner Festplatte – viel mehr noch aber eben im Papierkorb…) Und auch ich werde immer wieder versuchen, solche Stimmungen zu fotografieren. Die Tipps und Hinweise zur Umsetzung in diesem Artikel hab ich mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen.

    Antworten
  2. Franziska Hauser says:

    also den kommentar von robert kneschke finde ich relativ albern. der „radikal beschnittene“ motivvorschlag ist so unendlich langweilig! ich würde es mal „unfoto“ nennen. richtig gute inspirierte fotografie entspricht leider keinen mustern und danach kann man sie eben leider auch nicht beurteilen. fachmann hin oder her. wenn manns nicht fühlt wird manns nie erahnen,

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