Claus Stolz:
Sonne brennt Bilder

Uli Eberhardt, 21. Juni 2009 12:35 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Claus Stolz richtet seine Kamera direkt in die Sonne und lässt sie Löcher in seine Negative brennen. So entstehen wie unter einem Brennglas Bilder, die er “Sunburns” – Sonnenbrände – nennt.

Achtung, für unsere Augen und für digitale Kameras ist das nicht zur Nachahmung empfohlen: Wer seine Augen ungeschützt in die strahlende Sonne richtet, muss mit gesundheitlichen Schäden, Verbrennungen der Netzhaut bis zur Blindheit rechnen. Digitale Sensoren wären ebenfalls dahin.

Aber auf Negativfilm entfaltet diese zerstörerische Kraft ihre schöne Seite. Die Strahlungsintensität der Sonne, je nach Wetter und Wolken mehr oder weniger intensiv während der Belichtung, das verwendete Filmmaterial und die Belichtungseinstellungen bestimmen das Ergebnis.

Aber auch auf Grund unterschiedlicher Methoden der Filmentwicklung lassen sich diverese Ergebnisse erzielen. Zu den Sonnenbildern von Claus Stolz ist jetzt im Heidelberger Kehrer-Verlag ein Buch erschienen – Titel: Sunburns (Affiliate-Link) . Konkrete Fotografie nennen wir diese Art von direkter Fotografie auch, wenn sie ausschließlich aus den in ihr enthaltenen Bedingungen und Materialien entstehen kann.

Wir zitieren aus dem begleitenden Text des Herausgebers Klaus Kleinschmidt, weil wir es nicht besser beschreiben könnten:

Wenn die Sonne erbarmungslos vom Himmel sticht, stellt er (Claus Stolz, d.Red:) seine Kamera auf ein Stativ auf den Balkon. So muß er nicht aus dem Haus. Wie praktisch. Claus Stolz tut genau das, was sonst kein Fotograf auf der Welt mit seiner Kamera täte. Er fixiert mit der Linse seines Objektivs die Sonne und stellt unscharf. Jetzt öffnet er für Minuten den Verschluß. Ohne Reflexion sammelt sich die Strahlung, wächst sich auf wenige Millimeter aus – zum Sonnenball auf Zelluloid. Plötzlich brennt es in der Kamera, Qualm steigt auf. Eine Film-Sonne wird geboren.

Müßte er länger durch den Sucher schauen, würden ihm die gebündelten Strahlen die Netzhaut verbrennen. Sonnenbrand in der Pupille – ein Horror für uns Augenmenschen. Doch Claus Stolz schaut gar nicht erst lange durch den Sucher. Das läßt er den Apparat machen. Den Rest, die Gestaltung von Farbe und Form, sogar die Aufnahmeprozedur, überläßt er handelsüblichem Filmmaterial. Der gebürtige Mannheimer sammelt Sonnenbrände -eine Sammlung, über die Jahre gewachsen, einmalig auf der Welt.

Der Brennpunkt liegt beim Fokussieren bekanntlich auf der Filmebene im Kameragehäuse. Hier also schmort und schwelt es. Schon manche Kamera hat Claus Stolz auf diese Weise gekillt. Und dabei hat er ganz etwas Seltsames entdeckt: Kodak brennt gelber als Fujifilm. Agfa erzeugt Blautöne. Diafilm brennt anders als Negativfilm. Agfa-Schwarzweiß-Diafilm generiert Grautöne von sublimer Feinheit mit Nuancen von Gold. Ilford neigt zu Braun. Nur Billigfilm taugt nicht zur Zerstörung. Ein weites Experimentierfeld, das Claus Stolz da seit 12 Jahren brandmarkt.

So weit Klaus Kleinschmidt. In dessen Wiesbadener Galerie photonet wird das Buch am 24. Juni von Claus Stolz selbst präsentiert. Der Fotograf, Jahrgang 1963, lebt und arbeitet in Mannheim. Über seine Website, wiewohl “under construction”, können wir mehr erfahren und finden Links zum Buch, zu Texten und Bildern.

Claus Stolz
Galerie photonet
Kehrer Verlag – Sunburns (Affiliate-Link)

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1 Kommentar

  1. Patricia
    schrieb am 21. Juni 2009 um 16:04 Uhr (#)

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass Claus Stolz auch nur kurz durch die Linse schaut. Auch ein Moment duerfte schon schlecht fuers Auge sein. Ist aber spannend, diese Methode.

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