Fotografie als Hobby:
Die vierte Dimension

Fotografie ist, nüchtern betrachtet, ein simpler Vorgang. Warum also sind wir so fasziniert vom Knöpfedrücken? Weil wir mehr lernen können als bei irgendeiner anderen Tätigkeit.

Er wisse doch gar nicht, was er eigentlich wolle, klagte ein Freund kürzlich , dessen Leben durch die Trennung von Frau und Kindern auf den Kopf gestellt worden ist: Vorher hatte sich alles um Familie und Job gedreht. “Ich brauche etwas anderes”, sagte er.

Ich begann nachzudenken, welche Dinge denn in meinem Leben eine grosse Rolle spielen – und warum.

Neben meiner Leidenschaft für meine Arbeit – Journalismus in all seinen Formen – stand sofort die Fotografie als facettenreichstes “Hobby” fest. Dabei besteht sie, etwas gar nüchtern gesehen, aus dem Drücken von verschiedenen Knöpfen. Aber drumherum besteht eine Fülle von interessanten Inhalten, kreativen Vorgängen und einem nie abreissenden Strom an Erkenntnissen – und als Krönung oben drauf die Möglichkeit, etwas von persönlichem und künstlerischem Wert zu schaffen, das bleibt.

Kaum eine andere Tätigkeit bietet so viele Aspekte und Richtungen, aus denen man sich dem Kern nähern kann.

  • Wer kreativ sein will und ein gutes Auge hat, aber nicht malen kann, erhält mit der Fotografie ein anderes Medium zur Gestaltung.
  • Wer sich für Technik und Physik interessiert, findet in der Fotografie ein mehr oder weniger geschlossenes Feld voller fantastischer Experimente und Geräte.
  • Wer Computer und Digitalisierung toll findet, kriegt durch die Fotografie Rohmaterial für endloses Ausprobieren.
  • Wer wissen will, woher unser ästhetisches Empfinden rührt, kriegt in der Fotografie Theorien, Regeln und Beweise in Hülle und Fülle.
  • Wer Menschen begegnen und Geschichten erzählen will, kriegt mit der Kamera sozusagen den Passierschein zu Vorgängen, von denen er ansonsten ausgeschlossen bliebe.

So geht es weiter, und ich möchte und könnte mich nicht auf eine dieser Motivationen festlegen: Sie faszinieren mich alle zugleich, und ständig tauchen neue auf – Geschichte anhand von Fotografie, Geschichten auf Basis von Fotografien; Fragen nach dem, was Fotografie darf und was Kunst soll oder philosophische Diskussionen über den Zusammenhang von Bild und Wahrheit – es nimmt kein Ende.

Dazu kommen beinahe unendliche Variationen des Fotografierens selber: Von der Landschafts- über die Porträt-, Studio-, Makro-, Unterwasser- und Architekturfotografie bis zum Fotojournalismus; die Entwicklung und Umsetzung ganzer langjähriger Projekte und Einblicke in die Welt, die nur durch die fotorafische Abbildung überhaupt möglich sind.

Die Fotografie bietet so viele verschiedene Felder, dass einem die Ideen gar nie ausgehen können. Wenn ein Aspekt ausgereizt scheint oder langweilig wird, wende ich mich dem nächsten zu, starte neue Projekte und versuche eine§ andere Perspektive zu gewinnen.

Als Bonus sammeln sich obendrauf langsam die “Keeper”, jene Hand voll wirklich gelungener Bilder, die ein bleibendes Resultat des Lernprozesses und immer wieder Ansporn und Quelle der Freude an der Gestaltung sind.

Und auch damit noch nicht genug: Weil die Fotografie sich fast immer und überall ausüben lässt, begleitet einen das “Hobby” von der Arbeit in den Urlaub zum Familienfest – und überall bieten sich neue Gelegeneheiten und ganz andere Motive und Einsatzarten. Fotografie lässt sich mit jeder Tätigkeit, Aufgabe und Lebensphase verknüpfen und verändert sich dabei ständig.

Ich habe mich gefragt, welche andere Beschäftigung mir eine ähnliche Fülle an Möglichkeiten und Befriedigungen bietet – und es ist mir schlicht und einfach keine eingefallen. Selbst beim Musizieren wird die Breite der Möglichkeiten durch Abhängigkeit von einem Instrument wieder beschränkt, und zugleich bietet es wenig von der Gerätespielerei, die mich in der Fotografie bisweilen lange beschäftigen kann: Sie hilft mir namentlich über kreative “Krisen” oder Pausen hinweg, indem ich mich eben temporär mit der Ausrüstung und pragmatischen, weniger von meinem individuellen Zustand abhängigen Dingen auseinandersetze.

Auch kein Sport bietet eine ähnliche Fülle. Ich bin Gleitschirm geflogen und habe Tennis, Billard und Golf gespielt, und obwohl Letzteres tatsächlich Suchtpotential hat, war es doch auch eine relativ dimensionsarme Betätigung: Auf dem Golfplatz kann ich abtauchen ins Grün und den Schwung, aber nach vier Stunden muss ich dieser Welt wieder komplett entsteigen und habe nichts mehr davon ausser vielleicht einer guten Erinnerung und einem verbesserten Handicap.

Ausserdem sind mir Leute, die sich nur noch über ihr eines Hobby unterhalten, ein Graus, auch wenn ich phasenweise nur noch von Golf oder den letzten Gleitschirmflügen gesprochen haben mag.

Die Fotografie dagegen liefert mir weit mehr als gelegentliche Gelegenheiten zum Fachsimpeln über Lichtstärke und die Vorzüge des einen Objektivs über ein anderes: Sie sorgt für Begegnungen mit Menschen, die ich ohne Kamera und die Absicht, ein Bild zu schiessen, nicht gehabt hätte, für Erinnerungen und Entdeckungen, die nur durch die Jagd nach dem einzigartigen Bild entstanden sind, aber Geschichten abwerfen, die mit der Fotografie fast gar nichts zu tun haben und mit denen ich auch völlige Laien unterhalten oder in eine Diskussion verwickeln kann.

All dem aber wohnt vor allem eine Tiefe inne, die nie wirklich zu ergründen ist. Auch wenn ein Motiv schon millionenfach abgelichtet wurdekeine zwei Bilder sind wirklich identisch, keine zwei Fotografinnen benutzen exakt den gleichen Blickwinkel, haben das gleiche Licht zur Verfügung und benutzen die gleiche Technik. Ferner ist auch die Technik nie wirklich abgeschlossen erlernt, es gibt immer noch etwas, was man ausprobieren und verbessern kann – selbst an einem einzigen Bild.

Und darin sehe ich die grösste Faszination der Fotografie: Sie ist ein endloses Feld an Erfahrungen und Experimenten. Unsere Neugier und die Freude am Lernen finden ein grenzenloses Betätigungsfeld.

Ein erfolgreicher Werbefotograf mit dreissig Jahren Erfahrung hat mir hierzu kürzlich die Bestätigung geliefert. In einer Krise habe er nach zwanzig Jahren geglaubt, die Fotografie fange an, ihn zu langweilen.

“Bis ich merkte, dass es der Job ist, der mich langweilt, und nicht die Fotografie.”

Mehr lesen

TuneUp Utilities 2010: Bildbearbeitung beschleunigen

25.10.2009, 3 KommentareTuneUp Utilities 2010:
Bildbearbeitung beschleunigen

Das Werkzeug TuneUp ist ein ideales Programm für Windows-Benutzer, die ihren PC für die Bildbearbeitung beschleunigen wollen.

Fischen, Beten, Waschen: Früh Aufstehen wird belohnt

22.6.2009, 2 KommentareFischen, Beten, Waschen:
Früh Aufstehen wird belohnt

Früh morgens ist das Licht noch sehr kontrastschwach, was eine besondere Stimmung möglich macht.

Fotoproduzent (2/3): Das Shooting

9.5.2009, 5 KommentareFotoproduzent (2/3):
Das Shooting

Traumberuf Fotograf: Als Stockfoto-Produzent zumindest steht man dabei nicht oft hinter der Kamera, verrät Robert in Teil 2 seiner Serie.

Carlo d\'Orta: Spiegelverzerrtes

2.2.2012, 0 KommentareCarlo d'Orta:
Spiegelverzerrtes

Carlo d'Orta interessiert sich für Spiegelungen auf Glasflächen: Spiegelverzerrtes oder -verformtes entsteht daraus; spiegelverkehrt ist es ohnehin.

Abstraktion: \

2.12.2011, 2 KommentareAbstraktion:
"Tron" trifft Architekturmotiv

Abstrakte Motive in Architektur zu sehen, ist nicht schwierig. Sie so zu inszenieren, daß sie einen "WOW" Effekt bekommen, schon.

Schnappschuß in Bauruine: Ein paar Schritte mehr

30.11.2011, 9 KommentareSchnappschuß in Bauruine:
Ein paar Schritte mehr

Wenn ein Foto Potential hat, kann man mit nur ein bisschen Nachbearbeitung daraus ein Kunstwerk machen.

Dokumentation: Soldaten im Sandsturm

4.1.2012, 1 KommentareDokumentation:
Soldaten im Sandsturm

Dokumentarbilder müssen ihre Aussage eindeutig transportieren - wobei die Aussage auch in einer Stimmung liegen kann.

Dokumentation: Störende Wellen

16.12.2011, 10 KommentareDokumentation:
Störende Wellen

Eine auf Aussage getrimmte Fotografie verlangt eine konsequente Komposition. Gegensätze sind dabei ein sinnvolles Werkzeug.

Donovan Wylie: Ruhige, poetische Bilder vom Krieg

19.10.2011, 5 KommentareDonovan Wylie:
Ruhige, poetische Bilder vom Krieg

Tagtäglich flimmern aus dem fernen Afghanistan Bilder über die Fernsehschirme. Donovan Wylie zeigt in seinem Bildband «Outposts» Bilder ohne Blut und Gemetzel, Bilder fast ohne Menschen, aber dennoch anrührende, berührende und nachdenklich stimmende Bilder.

Fotografen A-Z: Einladung zu einer Entdeckungsreise

27.11.2011, 0 KommentareFotografen A-Z:
Einladung zu einer Entdeckungsreise

«Fotografen A-Z» (Taschen Verlag) von Hans-Michael Koetzle präsentiert auf 444 Seiten 400 Fotografen des 20. und 21. Jahrhunderts. Ein Über- und Einblick, der an der Oberfläche kratzt und in die Tiefe weist.

Mona Kuhn: Behutsame, intime Akte

2.11.2011, 1 KommentareMona Kuhn:
Behutsame, intime Akte

Mona Kuhn ist mit «Bordeaux Series» (Steidl Verlag) ein Akt-Fotobuch gelungen, in dem die Nacktheit wieder das ist, was sie immer war: Das natürliche Kleid des Menschen und kein Mittel, um Skandale und Aufmerksamkeit zu provozieren.

Digitale Kunst: Die verpasste Möwe

4.8.2011, 37 KommentareDigitale Kunst:
Die verpasste Möwe

Manchmal muss sich ein Fotograf eingestehen, dass seine geplanten Fotos nichts geworden sind. Hilfreich ist es dann, zu analysieren, woran das gelegen haben könnte.

Landschaftsfotografie: Plastische Küste

8.2.2012, 2 KommentareLandschaftsfotografie:
Plastische Küste

Ohne Extreme in den Kontrasten des Motivs ist kein HDR notwendig. Eine Aufnahme in RAW reicht bereits für vieles.

Landschaftsfotografie: Harte und weiche Kanten

6.2.2012, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Harte und weiche Kanten

Gegensätze und Kontraste schaffen Spannung. Unter Umständen müssen sie aber stark akzentuiert werden.

31.1.2012, 0 KommentareLangzeit-Landschaft:
Mehr nach links

Bewegte Objekte hinterlassen in Langzeitaufnahmen ihre Spuren. Es lohnt sich, deren Verlauf genau zu planen.

Herbststillleben: Hintergrund ist nicht gleich Hintergrund

26.9.2011, 0 KommentareHerbststillleben:
Hintergrund ist nicht gleich Hintergrund

Bei einer minimalistischen Komposition sollte auf alles Ablenkende verzichtet werden.

Löwenzahnstilleben: Platz lassen

6.6.2011, 1 KommentareLöwenzahnstilleben:
Platz lassen

Negativer Raum ist Dein Freund. Oder der so manchen Sujets, das in einem engen Motivrahmen eingesperrt wirkt.

Ephemicropolis und Bostitch-City: Makro-Stadtlandschaften

11.5.2011, 0 KommentareEphemicropolis und Bostitch-City:
Makro-Stadtlandschaften

Was man mit Makro-Fotografie auch noch machen kann: Illusionen einer futuristischen Welt - gebaut aus Heftklammern.

Unterwasserfoto: Trojanische Kreativität

12.12.2011, 0 KommentareUnterwasserfoto:
Trojanische Kreativität

Wem gebührt das Lob für die kreative Leistung einer Fotografie? Anhand dieses Fotos aus dem SeaLife München lässt sich das gut diskutieren.

Naturfoto: Die Sicht der Ameise

8.12.2011, 7 KommentareNaturfoto:
Die Sicht der Ameise

Ungewöhnliche Perspektiven sind eine gute Wahl für Pflanzenfotos. Auch wenn es inzwischen nicht mehr zu viel "Ungewöhnliches" gibt.

HDR: Blick in den Lauf

7.12.2011, 4 KommentareHDR:
Blick in den Lauf

Mit HDR und selektiver Schärfe lassen sich Dinge in den Vordergrund rücken, die wir nicht so oft "sehen".

Picasso im Fotoportrait: «Ichundichundich»

8.2.2012, 0 KommentarePicasso im Fotoportrait:
«Ichundichundich»

Eigentlich ist «Ichundichundich - Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist jedoch auch für Fotografen von großem Interesse. Denn auf knapp 280 Seiten vereint er den Blick von 34 namhaften Fotografen auf einen Titanen des 20. Jahrhunderts.

Schwarzweiß-Porträt: Das Teufelskind

7.2.2012, 1 KommentareSchwarzweiß-Porträt:
Das Teufelskind

Für effektvolle Fotos braucht man nicht viel. Mit einfachen Hilfsmitteln und einer guten Idee lassen sich beeindruckende Aufnahmen machen.

Paolo Woods/Serge Michel: Der wirkliche Iran

7.12.2011, 1 KommentarePaolo Woods/Serge Michel:
Der wirkliche Iran

Wie leben die Menschen im Iran wirklich - ungeachtet aller Vorurteile? Das wollten Paolo Woods und Serge Michel mit ihrer Arbeit "Land des Lachens - Land der Tränen" herausfinden.

Kühlturm in Abstraktion: Der Blick nach oben

25.1.2012, 7 KommentareKühlturm in Abstraktion:
Der Blick nach oben

Interessante Motive können überall gefunden werden, wenn man nur hinschaut.

Schnappschuss: Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

19.1.2012, 10 KommentareSchnappschuss:
Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

Mit gezielter Fotografie oder Bearbeitung kann man einem Bild ein bestimmte Aussage mitgeben. Nur stimmt diese immer?

Dokumentation: Soldaten im Sandsturm

4.1.2012, 1 KommentareDokumentation:
Soldaten im Sandsturm

Dokumentarbilder müssen ihre Aussage eindeutig transportieren - wobei die Aussage auch in einer Stimmung liegen kann.

Blumenfotografie: Absichtlich unscharf

17.10.2011, 8 KommentareBlumenfotografie:
Absichtlich unscharf

Erst wer weiß, wie technisch gelungene Fotos entstehen, kann sich an die Grenzen rantasten und versuchen, auch den fotografischen Fehlern eine Ästhetik zu entlocken.

Bewegtzoom: Technik allein ist nicht alles

9.2.2011, 3 KommentareBewegtzoom:
Technik allein ist nicht alles

Gelerntes anzuwenden ist ein guter Weg zum besseren Bild, doch sich nur auf die Technik zu konzentrieren, bringt noch kein gutes Bild hervor.

Werner Bartsch: Wüstenvögel

8.2.2011, 2 KommentareWerner Bartsch:
Wüstenvögel

Ausrangierte und zwischengeparkte Flugzeuge in der Wüste: Der Hamburger Fotograf Werner Bartsch hat die "Desert Birds", die Wüstenvögel inszeniert wie Skulpturen.

Spontanes Stillleben: Schönheit liegt im Auge des Betrachters

13.12.2011, 0 KommentareSpontanes Stillleben:
Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Fotografien werden immer automatisch subjektiv vom Betrachtenden beurteilt. Daran ändert auch eine Erklärung des Künstlers nichts.

Hafenstadt-Sonnenuntergang: Symmetrie in Spiegelung

29.4.2010, 1 KommentareHafenstadt-Sonnenuntergang:
Symmetrie in Spiegelung

Spiegelbilder sind eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen rein symmterischer Bildaufbau nicht unbedingt zu Langweile führen muss.

Sonnenaufgang auf Mallorca: Mehr als Abdrücken

20.10.2009, 2 KommentareSonnenaufgang auf Mallorca:
Mehr als Abdrücken

Ein typisches Urlaubsbild-Sonnenaufgangsbild: Lässt sich mehr herausholen?

3.1.2012, 3 KommentareNatur in Abstraktion:
Einfach gespiegelt

Für herausragende Fotos braucht man letztlich nur eines: ein gutes Auge.

Langzeit-Wasserfall: Ein- und Ausfluss beachten

21.10.2011, 2 KommentareLangzeit-Wasserfall:
Ein- und Ausfluss beachten

Fliessendes Wasser ist ein ideales Motiv für Langzeitbelichtungen. Dabei sollte man beachten, dass das Wasser in der Komposition Raum zum fliessen hat.

Stadtlandschaft: Alles fliesst in HDR

28.7.2011, 0 KommentareStadtlandschaft:
Alles fliesst in HDR

High Dynamic Range (HDR) gilt als nicht mit bewegten Objekten vereinbar. Dieses Bild beweist, dass sich mit bewusstem Bruch technischer Regeln auch Stimmungen zaubern lassen.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.