Cheminée-Feuer:
Flammentanz mit Linien

Feuer ist ein spannendes Fotomotiv, das unendliche Variationen bietet. Es durch den Funkenschutz abzulichten, ist indes eine fragwürdige Idee.

Kommentar des Fotografen:

Es war um Weihnacht herum, sehr kalt. Ich machte ein Feuer im Ofen, sah fern, da fiel mir auf, wie schön die Flamme tanzte. Messmodus mittenbetont

Peter Sennhauser meint zum Bild von Oliver Camenzind:

Grundsätzlich halte ich es für eine spannende Idee, sich auf den Tanz der Flammen zu konzentrieren und damit fotografische Experimente zu machen: Wie andere Bewegte Elemente, etwa Kornfelder im Wind oder jede Art von fliessendem oder durch Wellen bewegtes Wasser bietet Feuer eine Vielfalt an Möglichkeiten.

Hier allerdings denke ich, bist Du zu viele Kompromisse eingegegangen:

Ich glaube, dass Du aus der Hand fotografiert hast, denn das glühende Scheit in der Bildmitte ist unscharf – ein Sechzehntel Sekunde dürfte auch bei einem KB-Äquivalent von 36mm zu lange sein, um ohne Stativ Verwacklungen zu vermeiden.

Die mittenbetonte Belichtungsmessung auf die Glut (nehme ich an) ist zwar dafür verantwortlich, dass man von der Basis des Feuers etwas sieht – dafür aber brennen die Flammen vollständig aus und verlieren ihre Dreidimensionalität vollständig.

Zwar ist die Komposition mit der grossen Flamme rechts und der kleineren, weiter vorn liegenden links abwechslungsreich, aber der linke Bildrand liegt mir zu dicht an der kleinen Flamme.

Die Umwandlung in Schwarz-Weiss kann reizvoll sein, grade weil ein Feuer nach unserem Empfinden viele Farbtöne aufweisen muss. Als Stilmittel für die Betonung der Bewegung der Flamme ist es sicher eine Variante, um von den übrigen Assoziationen von “Feuer” ab- und auf das Hauptmotiv “Flammentanz” hinzuweisen. Diese Art der Abstraktion würde dann aber eine konsequente Umsetzung verlangen. Du hättest beispielsweise eine Serie schiessen können, die vom genau gleichen Standpunkt aus (ab Stativ) extreme Veränderungen zeigt, oder einen Moment suchen, in welchem die Flammen unverkennbar “hüpfen”.

An diesem Bild fällt aber vor allem die vertikale Liniengebung auf, welche die Abstraktion weiterzieht bis zum Eindruck eines Scans oder eines Linien-Druckrasters. Ich erkläre mir diese Linien mit einem gläsernen oder Eisernen Funkenschutz, der vor den Flammen stand. Die Aufnahme wird dadurch schon beinahe zum Halbton-Rasterbild.

Darin steckt ein gewisser Reiz, aber er hat erstens nichts mit dem Tanz der Flammen zu tun und erinnert zweitens zu sehr an das Abfotografieren von Bildschirmen, wobei gelegentlich grade auf Röhren-Fernsehern mit niedriger Halbbild-Frequenz solche Linien auftauchen können (die allerdings quer und nicht hoch verlaufen würden).

Die Aufnahme ist demnach ein noch nicht ganz gelungener Ansatz mit einer Mischung verschiedener Techniken, die es erlauben könnten, Deine Absicht umzusetzen und den Flammentanz zu betonen. Aber in dieser Umsetzung halte ich das Vorhaben noch nicht für geglückt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Autostilleben: Dynamik im Stillstand

17.2.2012, 2 KommentareAutostilleben:
Dynamik im Stillstand

Wenn es gelingt, in der Abstraktion eine Aussage zu kreieren, die dem Motiv entspricht, entsteht das Gefühl, dass ein Bild "stimmt".

Rauchabstraktion: Interessante Formationen

14.2.2012, 0 KommentareRauchabstraktion:
Interessante Formationen

Fotografie ist nicht einfach das, was ist. Sie kann auch Bilder von etwas völlig Neuem schaffen.

Silvester-Schnappschuß: Feuer als Abstraktion

23.1.2012, 4 KommentareSilvester-Schnappschuß:
Feuer als Abstraktion

Ein faszinierendes Objekt wird nicht automatisch dadurch zum faszinierenden Foto, daß man es abbildet.

Silvester-Schnappschuß: Feuer als Abstraktion

23.1.2012, 4 KommentareSilvester-Schnappschuß:
Feuer als Abstraktion

Ein faszinierendes Objekt wird nicht automatisch dadurch zum faszinierenden Foto, daß man es abbildet.

Silvester-Schnappschuß: Feuer als Abstraktion

23.1.2012, 4 KommentareSilvester-Schnappschuß:
Feuer als Abstraktion

Ein faszinierendes Objekt wird nicht automatisch dadurch zum faszinierenden Foto, daß man es abbildet.

Konzeptfoto: Zwanzig nach acht

3.2.2012, 5 KommentareKonzeptfoto:
Zwanzig nach acht

In Konzeptfotos lohnt es sich, auf Details zu achten und Arbeit in die Nachbearbeitung zu investieren. Hier sind gröbere Eingriffe erlaubt.

Strassenfotografie: Der graue Clown

20.1.2012, 11 KommentareStrassenfotografie:
Der graue Clown

Farbe in Schwarz-Weiss - geht das? Manchmal ist es reizvoll, eindeutig bunte Motive in den Köpfen der Betrachterinnen zu schaffen.

Autostilleben: Angedeutete Formen

12.1.2012, 3 KommentareAutostilleben:
Angedeutete Formen

Schwarz-Weiss-Fotografie wirkt besonders durch Linien, Licht und Formen. Das geht gut zusammen mit Autos und anderen Designobjekten.

1 Kommentar

  1. Oliver Camenzind
    schrieb am 24. Juni 2009 um 17:00 Uhr (#)

    Werde es wohl noch einmal versuchen.

    Danke vielmals!

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.