Cheminée-Feuer:
Flammentanz mit Linien

Peter Sennhauser, 24. Juni 2009 12:16 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Feuer ist ein spannendes Fotomotiv, das unendliche Variationen bietet. Es durch den Funkenschutz abzulichten, ist indes eine fragwürdige Idee.

Kommentar des Fotografen:

Es war um Weihnacht herum, sehr kalt. Ich machte ein Feuer im Ofen, sah fern, da fiel mir auf, wie schön die Flamme tanzte. Messmodus mittenbetont

Peter Sennhauser meint zum Bild von Oliver Camenzind:

Grundsätzlich halte ich es für eine spannende Idee, sich auf den Tanz der Flammen zu konzentrieren und damit fotografische Experimente zu machen: Wie andere Bewegte Elemente, etwa Kornfelder im Wind oder jede Art von fliessendem oder durch Wellen bewegtes Wasser bietet Feuer eine Vielfalt an Möglichkeiten.

Hier allerdings denke ich, bist Du zu viele Kompromisse eingegegangen:

Ich glaube, dass Du aus der Hand fotografiert hast, denn das glühende Scheit in der Bildmitte ist unscharf – ein Sechzehntel Sekunde dürfte auch bei einem KB-Äquivalent von 36mm zu lange sein, um ohne Stativ Verwacklungen zu vermeiden.

Die mittenbetonte Belichtungsmessung auf die Glut (nehme ich an) ist zwar dafür verantwortlich, dass man von der Basis des Feuers etwas sieht – dafür aber brennen die Flammen vollständig aus und verlieren ihre Dreidimensionalität vollständig.

Zwar ist die Komposition mit der grossen Flamme rechts und der kleineren, weiter vorn liegenden links abwechslungsreich, aber der linke Bildrand liegt mir zu dicht an der kleinen Flamme.

Die Umwandlung in Schwarz-Weiss kann reizvoll sein, grade weil ein Feuer nach unserem Empfinden viele Farbtöne aufweisen muss. Als Stilmittel für die Betonung der Bewegung der Flamme ist es sicher eine Variante, um von den übrigen Assoziationen von “Feuer” ab- und auf das Hauptmotiv “Flammentanz” hinzuweisen. Diese Art der Abstraktion würde dann aber eine konsequente Umsetzung verlangen. Du hättest beispielsweise eine Serie schiessen können, die vom genau gleichen Standpunkt aus (ab Stativ) extreme Veränderungen zeigt, oder einen Moment suchen, in welchem die Flammen unverkennbar “hüpfen”.

An diesem Bild fällt aber vor allem die vertikale Liniengebung auf, welche die Abstraktion weiterzieht bis zum Eindruck eines Scans oder eines Linien-Druckrasters. Ich erkläre mir diese Linien mit einem gläsernen oder Eisernen Funkenschutz, der vor den Flammen stand. Die Aufnahme wird dadurch schon beinahe zum Halbton-Rasterbild.

Darin steckt ein gewisser Reiz, aber er hat erstens nichts mit dem Tanz der Flammen zu tun und erinnert zweitens zu sehr an das Abfotografieren von Bildschirmen, wobei gelegentlich grade auf Röhren-Fernsehern mit niedriger Halbbild-Frequenz solche Linien auftauchen können (die allerdings quer und nicht hoch verlaufen würden).

Die Aufnahme ist demnach ein noch nicht ganz gelungener Ansatz mit einer Mischung verschiedener Techniken, die es erlauben könnten, Deine Absicht umzusetzen und den Flammentanz zu betonen. Aber in dieser Umsetzung halte ich das Vorhaben noch nicht für geglückt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Oliver Camenzind
    schrieb am 24. Juni 2009 um 17:00 Uhr (#)

    Werde es wohl noch einmal versuchen.

    Danke vielmals!

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