Fotografieren aus dem Flugzeug:
Urlaubs-Luftaufnahmen

Ferienzeit, Fliegerzeit: Wer am Fenster sitzt, darf ruhig mal abdrücken. Bisweilen sind die Luftaufnahmen aus dem Strandexpress durchaus brauchbar.

Je mehr ich über Fotografie lerne, desto seltener klaube ich die Kamera hervor – das Licht ist nicht weich genug, das Motiv nicht interessant… Das ist grundfalsch, denn gelegentlich gelingen spannende Bilder auch unter suboptimalen Bedingungen.

Luftaufnahmen aus Touristen-Flügen
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Zum Beispiel aus dem Flugzeug, und wenn’s auch nur schöne Erinnerungen werden. Nachdem ich beim Abflug in die Schweiz vor zwei Monaten schon recht brauchbare Bilder geschossen habe, versuchte ich es beim Heimflug erneut:

Als der Linienflug von London ungewöhnlich hoch vom Norden herab auf die Westküste bei San Francisco zusteuerte, zogen Hunderte von Kilometern weit entfernt im Westen wie an der Kette die Küsten-Vulkane vorbei (Mt. Rainier bei Seattle, Mt. St. Helens, Mt Hood, Mt. Jefferson und Mt. Shasta, nebst anderen): Weisse Riesen im flachen Gelände.

Ich hab nur zweimal abgedrückt, und die Kamera hat zwar behauptet, auf unendlich scharf gestellt zu haben, aber die Fotos zeigen etwas anderes.

Der Flügel im Bild ist als Element absichtlich einbezogen worden, hat aber offenbar die Kamera abgelenkt – und er ist nicht das einzige, was stören kann.

Trotzdem gefällt mir das Bild nicht schlecht, und es war Grund genug, mal die Bibliothek nach weiteren “Luftaufnahmen” zu durchstöbern – dabei kam einiges zusammen. Auch ein paar Erkenntnisse.

Allerdings ist vieles nicht besonders scharf oder kontrastreich. Immerhin fotografiert man aus dem Flieger fast immer durch Glas oder Plexiglas hindurch, das noch dazu nicht immer ganz sauber ist.

Ganz extrem wird es, wenn Gegenlicht herrscht und das Fenster nicht nur Schlieren und Verwirrung für den Autofokus produziert, sondern auch noch Spiegelungen der Fluggerät-Insassen – dagegen ist leider kaum ein Kraut gewachsen.

Am besten stehen die Chancen dafür ausgerechnet auf Helikopterflügen – zum Beispiel auf diesem hier, bei dem ich auf einer Pressereise nach Arizona zwar die aberwitzige Wasserversorgung der Hauptstadt Phoenix bewundern und viele tolle Bilder schießen durfte, aber mal wieder nicht gemerkt hatte, dass die Kamera auf ISO 1600 stand – was für etwas gar körnige Bilder sorgte. Und auf dem Rückflug schien die Sonne im Spitzen Winkel ins Plexiglas, was die erwähnten garstigen Spiegelungen der Insassen hervorrief.

Einige Tipps zu Luftaufnahmen

für Flugtouristen aus meiner (nicht sehr reichen) Erfahrung:

  • Beim Einchecken für den Ferienflug einen Fensterplatz vor den Flügeln wählen. Wer eine Ahnung hat, wie das Flugzeug das Reiseziel anfliegen wird, kann auch gleich die richtige Flugzeugseite wählen (Ich habe allerdings in mehr rund zwei Dutzend Anflügen auf San Francisco jede erdenkliche Variante erlebt – und viele davon auf dem Direktflug von London mit BA).
  • Die GPS-Landkarte auf Langstreckenflügen gibt frühzeitig Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, die demnächst auf der Flugzeugseite auftauchen werden. Mt. Rainier zum Beispiel war auf der Karte der British Airways eingezeichnet, und ich habe, nachdem kleinere Berge schon sehr beeindruckend aussahen, frühzeitig beschlossen, die Kamera vorzukramen.
  • Abflüge bieten häufig spannende Ansichten der Stadt, zu welcher der Flughafen gehört, indem der Luftverkehr in einem Bogen drum herum geführt wird. San Francisco zum Beispiel wird häufig nach dem Start Richtung Westen in einer recht engen Kurve nach Norden umflogen, bevor die Maschine nach Westen abdreht, was grossartige Ansichten auf (das Nebelmeer) die Golden Gate-Brücke oder die Stadt ermöglicht, wenn man rechts sitzt.
  • Flugzeugfenster sind keine guten Foto-Filter. Längere Brennweiten kosten Kontrast, kürzere haben die Tendenz, Fensterrahmen und/oder den Dreck am Fenster ins Bild zu bringen.
  • Der Blitz sollte jedenfalls ausgeschaltet werden, der Autofokus mit Vorteil auch – er hat die Tendenz, durch das häufig nicht sehr durchsichtige Fensterglas abgelenkt zu werden.
  • Flugzeugteile im Bild können durchaus reizvoll sein. Bisweilen sind sie sogar ein eigenes Bild wert – mit Wolkenfetzen, welche die Flügelspitze verdecken, Kondenstreifen dicht hinter den Triebwerken oder Spiegelungen im spiegelblanken Jetgehäuse.
  • Auf Rundflügen sollte man von Anfang an Schussbereit sein. Während nämlich die Sehenswürdigkeiten, welche die Piloten ansteuern werden, vielfach aus der Luft gar nicht so anders aussehen, sind Aufnahmen der äusseren Stadtbezirke, der Infrastruktur oder einfach der Landschaftsmuster gleich nach dem Start aus geringer Höhe vielfach lohnende Motive.

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4 Kommentare

  1. Corinne ZS
    schrieb am 29. Juni 2009 um 11:34 Uhr (#)

    Lieber Peter, die Bilder sind hinreissend, wobei meine Favoriten 4, 5, 7 und 12 sind. Bei 5 gefällt mir vor allem, dass die Brücke fliegt – eine solche Geschichte können nur sehr gute Schriftsteller oder sehr verspielte Fotografen glaubhaft erzählen. Für diese Geschichte passt der Fokus prima. Finde ich. Gut, vielleicht solltest Du das Bild nicht bei Magnum einreichen, aber das ist eine andere Geschichte.

  2. chm
    schrieb am 29. Juni 2009 um 14:27 Uhr (#)

    ein weiterer tip: unbedingt auf einen polfilter verzichten. ansonsten entstehen seltsame farbeffekte die selten so gewollt sind…
    http://flickr.com/photos/…t-72157617445383416/

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 29. Juni 2009 um 17:38 Uhr (#)

    @chm Wow. Spannende Regenbogenwolkenflügelfahnenabschluss-Effekte… Danke für den Tipp!

    @Corinne – danke. Ich suche mal ein Buch, zu dem die Dinger Covers sein könnten ;-)

  4. Chris
    schrieb am 8. November 2009 um 13:00 Uhr (#)

    Danke für den Artikel :)

    “Wer eine Ahnung hat, wie das Flugzeug das Reiseziel anfliegen wird, kann auch gleich die richtige Flugzeugseite wählen (Ich habe allerdings in mehr rund zwei Dutzend Anflügen auf San Francisco jede erdenkliche Variante erlebt”

    Dazu genügt z.B. ein Blick in die An und Abflugkarten des jeweiligen Flughafens (Man findet – zwar veraltete aber dafür kostenlose Karten in der Flugsimulator-Szene. Man erhält hier einen guten Überblick was alles überflogen wird und welche verschiedene Anflüge es gibt – die jedoch nach Wetter variieren. Es empfiehlt sich in diesem Fall das Wetter ein wenig zu studieren, denn gelandet oder gestartet wird immer möglichst gegen den Wind.

    Die Farben durch den POL-Filter kommen durch die Folie im Fenster zu Stande und zeigt nur die Spannungen dieser.

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