Mädchen bei Verkleidungsspiel:
Ein Bild wie ein Gemälde

Fotografieren heisst „mit Licht malen“. Dieses Bild zeigt, warum.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kerstin Koletzki).

Kommentar des Fotografen:

Berlin, 1997, Porträts (aus Serie) von Mädchen beim Verkleidungsspiel, analoge Aufnahme, Mittelformat

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Kerstin Koletzki:

Dieses Bild ist der beste Beweis dafür, dass Fotografie Lichtmalerei ist. Es erinnert mich stark an die alten holländischen Meistermaler wie Vermeer (das Mädchen mit dem Perlohrring) oder Rembrandt, die es schafften, in Porträts eine unglaublich Stimmung durch Licht herzustellen. So auch hier:

Das Licht ist hier der entscheidende Faktor, der das Bild und damit die Mädchen zum Leben erweckt.

Jedoch ist bei näherem Hinsehen der Aufbau und die Positionierung der Mädchen sehr sorgsam gewählt und verstärkt die Lichtwirkung extrem.

Zum einen werden jeweils exakt die anderen Gesichtshälften erhellt, was fast ein wenig symbiotisch wirkt. Zum anderen wird der Raum durch die Lichtführung von den Gesichtern über den Arm durch einen Viertelkreis geteilt, was durch die von links nach rechts abfallende Linie dem Bild eine melancholische Stimmung verleiht.

Verstärkt wird die Teilung auch durch die dunkle Kleidung, die den Kontrast zu den Gesichtern erhöht und nicht vom Ausdruck in den jungen Gesichtern ablenkt. Die Mädchen selber sind zauberhaft ernst und gleichzeitig verträumt.

Ein unglaublich gut durchdachtes, inszeniertes und fotografiertes Portrait. Kompliment. Ich kann die Webseite von Kerstin Koletzki nur empfehlen. Dort findet man auch weitere Fotos aus der Serie.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Antworten
  1. dierk says:

    ich kann mich Markus und Peter nur anschliessen:
    ein traumhaftes BILD
    sehr beeindruckend.
    Ich würde es mir an die Wand hängen (Corinne), besonders, wenn es meine Kinder wären.

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  2. Corinne ZS says:

    @Peter: Ich auch! Während man zurzeit nämlich hören muss, dass ganz Amerika von einem gewissen Michael J. musikalisch grossgezogen wurde, verbrachte ich meine Jugend mit „Ich möcht ein Fisch im Wasser sein“ und so Zeug von Nina Hagen. Später kamen Nazareth hinzu. Ich lieh die Platten leider meinem Nachbarn aus, zu Bildungszwecken, und seine Mutter warf die Plattenhüllen weg. Dieses Trauma ist bis heute nicht verarbeitet.

    Danke für Deine nette Reaktion auf meinen etwas grau-schwarz gefärbten Kommentar.

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  3. Corinne ZS says:

    Wie verschieden doch Geschmäcker sind: Für mich ist das ein stark bearbeitetes, zurechtgeschnittenes Kunstbild mit Kindern drauf, in deren Gesichter ich nicht schauen mag. Wenn denn bei der vorletzten Bildkritik der Ausdruck des Musikers moniert wurde, warum denn dann nicht hier? Ich frage mich beim Anblick dieser Kinder: Sind sie zu Tode gelangweilt, wohnen sie in einem Gruselhaus, hat die Fotografin sie stundenlang ohne Wasser und Brot posieren lassen, sind ihre Eltern gestorben, haben sie Würmer – oder soll hier einfach Kindheit mit einem nekrophilen Touch inszeniert werden? Hm … keine Ahnung. Was ich aber weiss: Ein solches Bild möchte ich nicht zuhause haben. Der Titel der Serie, Papillons, machts für mich auch nicht besser. Für mich sind das Gruselschwestern aus einem Gruselfilm, die – und jetzt bin ich wieder lieb – als Gruselschwestern prima fotografiert sind ;-)

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