Camera Imago:
Selbstporträts in Lebensgröße

Uli Eberhardt, 30. Juni 2009 13:20 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Camera Imago ist wohl eine der größten Kameras, die es in der Welt gibt. Wer sie für ein Selbstporträt betritt, erhält ein lebensgroßes Bild von sich selbst.

Aktuell ist im Altonaer Museum in Hamburg eine Auswahl von Bildern aus der begehbaren Kamera zu sehen, seit ihrer Entstehungszeit 1972 bis heute: Porträts, Modefotografien und fotogrammartige Arbeiten.

Die Technik der 7×4x3 Meter großen Kamera ist einzigartig: Die Benutzer betreten das stählerne Innere des Geräts und erblicken sich in einem seitenrichtigen Spiegel. Den Moment für das Auslösen bestimmen sie selbst. Das Porträt zeigt die die ganze Person in Lebensgröße. Das Positiv misst immer 200×60 Zentimeter – was sich aus dem verwendeten Fotopapier ableitet.

Wie in einer überdimensionalen Sofortbildkamera entsteht das Bild im Direkt-Positiv-Verfahren. Ein Negativ gibt es nicht – jede Aufnahme ist, wie ein Polaroid, ein Unikat. Deshalb sind auch Nachbearbeitungen der Bilder nicht möglich.

Eine Aufnahme entsteht in Teamarbeit. Auf der Basis ihres Eindrucks vom eigenen Bild, das der seitenrichtigen Spiegel im Inneren der Kamera zeigt, legen die Porträtierten Pose und Aufnahmezeitpunkt selbst fest.

Die technischen Einstellungen und ein halb automatisierter Entwicklungsvorgang werden von Assistenten in Gang gebracht, die außerhalb der Kamera stehen. Nur zehn Minuten nach der Aufnahme ist das seitenrichtige Porträt fertig entwickelt.

Die Camera Imago wurde von 1970 bis 1972 vom Physiker Werner Kraus und dem Goldschmied Erhard Hössle erdacht und konstruiert. Ausgehend von der Technik der wissenschaftlichen Fotografie schuf Werner Kraus Anfang der Siebzigerjahre eine eigens für die 1:1-Fotografie entwickelte Optik. Erhard Hössle entwarf aus verschweißten Eisenplatten und beschichteten Planen eine begehbare Kameraskulptur.Während der Siebzigergjahre waren die Camera Imago und ihre Bilder in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, etwa auf der Weltausstellung für Fotografie in Nürnberg (1973), im Haus der Kunst, München (1974), auf der photokina in Köln (1976). Ende der Achtzigerjahre jedoch wurde die Produktion des Fotopapiers eingestellt und die Kamera im Depot der Neuen Sammlung in München eingelagert.

Erst im Sommer 2004 stieß Susanna Kraus, die Tochter des Erfinders, auf die Fotografien, die während der Siebzigerjahre in der Großbildkamera entstanden waren.

Sie erzählt über die frühen Jahre:

“Ich erinnere mich an viele Male, in denen wir, Geschwister und Freunde, im Tiefsten verstrickt in das Selbstfindungsfieber dieser existentiellen Jahre, die Kamera betraten und immer wieder den Auslöser bedienten, mit dem Wunsch, eine Antwort auf die Frage ‘wer bin ich?’ zu bekommen.“

Fasziniert von diesen Bildern reaktivierte sie die Camera Imago. Dabei musste sie erst noch Hersteller von Fotopapier davon überzeugen, die Produktion von Umkehrpapier wieder aufzunehmen. 2006 brachte die Firma Ilford eigens für sie das “Kraus Silber Gelatine SW Umkehrpapier“ auf den Markt.

Seit 2006 entwickelt Susanna Kraus die fotografischen Möglichkeiten der Camera Imago gemeinsam mit der Wiener Fotografin Annegret Kohlmayer weiter. Die Selbstporträtkamera war häufig auf Reisen und unter anderem 2007 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe zu Gast.

Seit April 2009 hat sie einen festen Standort im Postfuhramt in Berlin Mitte. Selbstporträts sind weiterhin möglich.

Wer sich dafür interessiert, kann sich direkt an Susanna Kraus wenden – der Kontakt findet sich über ihre Website zur Camera Imago. Dort finden sich außerdem eine ganze Reihe von weiteren Infos über diese ungewöhnliche Großkamera und ihre Bilder.

Ich 1:1 – Portraits aus der größten Kamera der Welt
Bis 27. September
Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Museumstraße 23, D-22765 Hamburg
+49 (0)40 428 135-3582, info@altonaermuseum.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr

Camera Imago
Altonaer Museum Hamburg

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