Laotische Grossmama mit Enkel:
Draufhalten reicht nicht

Jan Zappner, 30. Juni 2009 11:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Im Ausland verfällt man schnell der Exotik. Jedoch macht Exotik noch lange kein gutes Bild.

Kommentar des Fotografen:

Ganz früh morgens in einem Dorf bei Tadlo (Laos). Das Kind war etwas erschreckt von der Kamera, die Oma hat sich aber gerne Ablichten lassen, und hat mir nach dem Bildbetrachten sogar ein schwarzes Betelnuss Lächeln geschenkt. Mich hat der Kontrast begeistert; bei uns beginnt man den Tag mit Kaffee und Brötchen, dort mit Reis, Nüssen und Tabak (oder gar Opium?).

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Philipp Meier:

Dies ist ein Paradebeispiel für Bilder aus dem Urlaub. Man ist fasziniert von fremden Ländern und Menschen und fotografiert wild und ohne Unterlass alles und jeden. Das ist auch genau richtig. Der erste Schritt ist getan, und das ist das Wichtigste:

Man hat mit fremden Menschen Kontakt aufgenommen. Nur darf man bestimmte Dinge nicht vergessen, die aus Schnappschüssen ein schönes Bild machen.

Natürlich ist diese Frau faszinierend, wie sie ihre Zigarre früh am morgen pafft. Und natürlich ist der Junge süß, der den Kontrast zwischen Alter und Jugend zeigt und alles extrem dramatisiert.

Ich finde das Bild aber trotzdem nicht gut umgesetzt, da mich Aufbau, Umsetzung und technisch viele Dinge stören und damit von der Hauptaussage ablenken.

Zunächst ist es sehr unpraktisch, eine Blende von 2,5 zu wählen, wenn zwei Menschen auf einem Foto scharf sein sollen. Vor allem, wenn die Lichtverhältnisse es zulassen, muss man die Blende in einem solchen Fall schließen und damit den Schärfetiefenbereich erweitern. Hier hast du mit einer Geschwindigkeit von 1/800 fotografiert, was dir mehrere (drei) Blendenstufen verschafft hätte. Vor allem mit einer schon kleinen Telebrennweite von 75 mm ist eine Blende von 2,5 viel offen.

Die Belichtung gefällt mir auch nicht. Das Licht kommt sehr hell von der Seite und lässt bei beiden Gesichtern die Seiten ausfressen, da diese wesentlich heller sind. Die Gesichter selber sind dann wiederum zu dunkel. Hier helfen nur zwei Dinge:

  • Entweder man fotografiert von der anderen Seite, sozusagen gegen die Sonne, und lässt die Umrisse ausfressen, belichtet aber die Gesichter richtig, was früh morgens geht.
  • Oder man bitte die Personen in den Schatten, oder besser, in den Halbschatten. Dann hätte man sogar den Pfeifenrauch der Oma stärker im Bild integriert. Ausserdem hätte man den Vorteil, einen ruhigen Hintergrund wählen zu können. Der ist hier viel zu unruhig, mal hell, mal dunkel, mal ein Haus, mal grüner Rasen oder ein Baum. Das verwirrt.

Den größten Vorteil hätte man aber für sich selbst erlebt, wenn man mit den Menschen redet oder kommuniziert. Man würde nämlich einen kurzen Moment an ihrem Leben teilhaben, wenn sie einen zum Beispiel mit nach Hause nehmen und dort Fotos im Halbschatten machen lassen.

Diese Emotionen nimmt man für immer mit.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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