Der eingesperrte Sportwagen:
Mehr Nacharbeit

Peter Sennhauser, 1. Juli 2009 11:11 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Wenn ein Bild von inhaltlichen Kontrasten lebt, muss alles daran gesetzt werden, sie zu betonen. Vor Ort und im Photoshop.


Kommentar des Fotografen:

April 2009, Mailand. Im entlegenen Winkel einer Tiefgarage stieß ich zufällig auf dieses bemerkenswerte Bild: Ein Szenario wie aus einem Film wo ein Autofreak an seinem Auto bastelt. Um den Kontrast zwischen blankpoliertem Sportwagen und der schäbigen Werkstatt noch stärker hervorzuheben, habe ich mit Photoshop die Sättigung der Werkstatt etwas verringert und dem Bild ein leichtes Rauschen zugefügt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Daniele Capra:

Ein Raubtier in seinem schäbigen Käfig, ein Ritter im Verlies, ein Relikt der Verbrauchsgesellschaft nach der ökologischen Apokalypse – der Interpretationen für dieses Bild gibt es viele. Der inhaltliche Kontrast stimmt aber leider nicht mit dem technischen überein.

So verstehe ich nicht, weshalb Du dem Bild zur Abhebung der Werkstatt vom Sportwagen ein “leichtes Rauschen” zugefügt hast. Zumindest auf der Motorhaube des Wagens ist es nämlich keineswegs leicht, sondern führt zu einem groben Farbrauschen, welches die Glattheit und den Glanz der Karrosse nicht zum Gegensatz der rauhen, schiefen, dreckigen Werkstatt macht, sondern sie ihr angleicht.

Und das auf die denkbar ungünstigste Weise: das Bild bekommt dadurch einen Zufallscharakter, es wirkt, als ob Du im Vorbeigehen ohne gross acht zu geben abgedrückt hast.

Bleiben wir kurz bei den Interpretationen: Ich finde die Komposition und die Bildaussage, die Du geplant hast, recht stimmig, und auch der Vergleich mit einer Filmszene und den Stereotypen Hollywoods passt gut. Die Spitzlichter auf dem Wagen, die durch das Oberlicht entstehen, sind perfekt, um das “Eingesperrtsein” der mechanischen Bestie zu betonen; die dunklen Winkel lassen die Werkstatt wie ein Verlies wirken.

Was die Perspektive angeht, könnte ich mir allerdings vorstellen, dass ein wesentlich tieferer Blickwinkel auf “Augenhöhe” des Wagens gut funktioniert hätte, auch wenn Du dafür ein wenig nach links hättest ausweichen müssen, um die Form des Autos im Bild zu behalten.

Vielleicht hast Du ja auch erst später erkannt, welche starke Wirkung das – indes etwas leblos wirkende – Bild hat. Die technische Umsetzung jedenfalls weisen nicht darauf hin, dass Du Dir viel Zeit genommen hast: Die Daten der Aufnahme lassen darauf schliessen, dass Du aus der Hand fotografieren und deshalb ungünstige Bedingungen in Kauf nehmen musstest – obwohl ich kaum glauben kann, dass die kleine Olympus 510 bei ISO 800 bereits derart rauscht.

Mit einer geringeren ISO-Epfindlichkeit und deutlich längerer Belichtungszeit hätte sich zumindest das Kamerarauschen beseitigen lassen. Dazu hättest Du natürlich ein Stativ gebraucht. Ich behelfe mir in solchen Situation jeweils mit einer Notkonstruktion aus irgendwas, was herumliegt, auf das die Kamera platziert werden kann, wenn ich das kleine Taschenstativ nicht dabeihabe.

Zwar soll man mit der Digitalkamera auf die Helligkeit eines Motivs belichten; Hier aber hätte sich meiner Ansicht nach ein Kompromiss mit eine leichten Überbelichtung in den Oberlichtern und allfälliger Korrektur der RAW-Daten später gelohnt. Vielleicht sogar eine Belichtungsreihe, aus der später eine (sehr gemässigte) HDR-Aufnahme hätte erstellt werden können (auf die händische, einfach Art in Photoshop mit übereinandergelegten Ebenen). Damit hätte auch Gelegenheit bestanden, das ineinanderfliessen des Werkstattbodens mit dem Auto in den dunkleren Regionen zu vermeiden.

Denn was sich hier vor allem abheben müsste, wäre das blitzblanke Sportfahrzeug von der Garage, in der es jetzt allerdings fast festgewachsen scheint. Eine etwas aufwändigere Aufnahmetechnik hätte demnach mehr und sorgfältigere Nachbearbeitung erlaubt, die dieses Bild sicherlich verdient hätte.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Swonkie
    schrieb am 13. November 2009 um 16:13 Uhr (#)

    ein sehr cooles bild das mich ästhetisch stark anspricht. wie peter finde ich auch dass es vom kontrast der glänzenden oberfläche zur versifften garage lebt. die reflektierten oberlichter sehen super aus. vielleicht würden sie sich noch etwas besser über das auto verteilen wenn dasselbe einen halben meter weiter hinten stünde. aber es war ja nicht dein auto und deshalb wohl nicht machbar.

    was mich doch ziemlich stört ist, dass das bild nicht ganz gerade steht. das auto scheint nach links wegzukippen. der eindruck wird noch verstärkt durch den schiefen blauen rahmen im hintergrund. kannst du aber leicht in photoshop korrigieren indem du das ganze bild 1° bis 1.5° im uhrzeigersinn drehst.

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