Madonna nackt:
Kunstpromotion oder Ärgernis?

In England werden Nacktbilder von Madonna aus dem Jahr 1979 in einer Ausstellung präsentiert. Geldmacherei oder willkommene Werbung für kunstvolle Aktfotografie?

Madonna-Doppelgängerin promoted die Ausstellung der Madonna-Aktfotos von 1979 (keystone)

Madonna-Doppelgängerin promoted die Ausstellung der Madonna-Aktfotos von 1979 (keystone)

Nicht nur Lee Friedlander, auch anderen Fotografen hat Popstar Madonna Ende der siebziger Jahre in new York Modell gestanden (und gelegen, und gesessen) – und zwar damals schon sehr freizügig, um mit dem mageren Honorar von umgerechnet rund 90 aktuellen Dollars ihre Tanz- und Gesangsausbildung zu finanzieren. Jetzt werden in London rund 30 Madonna-Akte des Fotografen Martin H. M. Schreiber gezeigt.

Aktaufnahmen sind ein beliebtes Genre der Fotografie, und ein gewisser Reiz besteht bestimmt auch darin, dass sich Kunst hier auch vom grossen Wust an Schmudelkram abheben muss.

Und auch wenn klar ist, dass “Sex sells”, besteht in der Verwandschaft von Pornographie, Erotik und gehobener Aktfotografie möglicherweise eine Brücke zur Kunst für ein Publikum, das sich unter anderen Umständen gar nicht damit auseinandersetzen würde. Oder zu moderner Malerei – wobei über derartige Madonna-nackt-mit-Guy Ritchie-Werke die Meinungen sehr weit auseinandergehen dürften.

Madonna-Akte in Londoner Galerie
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Wir haben die Tendenz, solche Aktionen als Geldmacherei abzutun; allerdings gibt es Beispiele dafür, dass Stars, indem sie sich aus- ein Publikum anziehen, das sich plötzlich mit etwas ganz anderem als dem erwarteten Kick konfrontiert sieht. Wie zum Beispiel 2002, als sich Jamie Lee Curtis im Magazin “More” halbnackt und ungeschminkt mit Fettpölsterchen zeigte, um einen Standpunkt für ein normales Körpergefühl zu einzunehmen (und die Bilder bezeichnenderweise online nicht zu sehen sind).

Im Fall der Madonna-Bilder ist die Situation eine andere, weil die Aufnahmen aus einer Zeit vor ihrer Pop-Karriere stammen und daher nicht auf ihrem Glamour aufsetzen, sondern sich vollständig auf die junge Frau als Aktmodell verlassen mussten. Stellt sich indes die Frage, ob sie heute nur deswegen interessant oder eben gute Aktfotografie aus künstlerischer Sicht sind.

Dass die Galerie, in der die Bilder gezeigt werden, mit einer Madonna-Doppelgänmgerin für das Fotoshooting vor der Eröffnung Werbung machen muss, halte ich deshalb für eine Entgleisung, weil die Richtung damit vorgegeben ist. Andrerseits können die Bilder als intimer Einblick in die persönlichkeit einer jungen Frau vor der Transformation zum Star gesehen werden:

“Es waren die letzten Bilder, die von Ihr gemacht wurden, bevor sie die Kontrolle über ihre Erscheinung vollständig übernahm. Es war in dieser zeit, dass sie gelernt haben dürfte, ihre Sexualität zum eigenen Vorteil zu nützen”, sagt Galerie-Besitzer Jamie McCarthy laut AP .

“Madonna nude” (Affiliate-Link) von Martin H. M. Schreiber ist im Jahr 2002 auch als Buch erschienen.

Ausstellung: 2. bis 19. Juli 2009, Seven Dials, 19 Earlham Street, London

 

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