Bewegter Klatschmohn:
Flamenco, Olé!

Mit Belichtungs- und Blitzsynchronzeiten lassen sich vermeintlich banale Motive in abstrakte Kunstwerke verwandeln.

Kommentar des Fotografen:

Durch den Einsatz einer langen Blitzsynchronzeit wollte ich dem Mohn der sich im Wind bewegte eine gewisse Dynamik verleihen es würde mich sehr interessieren wie das Ergebniss von euch gesehen wird und was ich beim nächsten mal besser machen könnte vg F.P

Peter Sennhauser meint zum Bild von Friedhelm Peters:

Du hast das Bild in der Kategorie “abstrakt” eingereicht und strebst demnach selber nicht nach einer “Blumenfotografie”.

Die Aufnahme hat etwas Gewinnendes, weil sie auf den ersten Blick nicht sofort preisgibt, was sie darstellt – oder wie sie entstanden ist.

Sie lässt den einen eine Mohnblüte, den andern eine wirblige Flamencotänzerin und eine dritte Betrachterin wieder etwas anderes sehen. Gemeinsam dürfte den drei Betrachtern sein, dass sie sich nicht sofort wieder von der Aufnahme lösen, sondern neben der Interpretation die reale Vorlage und die Umstände der Aufnahme werden ergründen wollen.

Zwei Effekte sind dafür verantwortlich: Die Blitzaufnahme – und die lange Synchronzeit. Für eine reine Blumenaufnahme, die einen bewegten Klatschmohn zeigt, hättest Du weniger dicht an der Blüte sein, jedenfalls aber den Blitz weiter weg platzieren müssen (mit Kabel oder Slave-Auslösung mit einem Zusatzblitz). Damit wäre auch die Umgebung, möglicherweise das sich wiegende Korn, in dem der Mohn üblicherweise steht, sichtbar geworden, und das Bild hätte eine völlig andere Stimmung erzeugt. Dabei wäre die betonung aber auf Landschaft, Natur, Blume gelegen.

Diese Aufnahme könnte auch im Studio vor einem schwarzen Hintergrund entstanden sein, und Du legst es eindeutig nicht auf die Mohnblüte als solche an. Die Beleuchtung, die Bewegung und die Farbe der Blume ergeben eine mitreissende Aufnahme voller Dynamik, in der dank des kleinen grünen Ausschnitts des Blütenkelchs die Blume noch als solche zu erkennen ist.

Ein spannendes Effekt-Bild, bei dem ich sofort versucht bin, mir als Parallele die Aufnahme einer ähnlich verwischten Tänzerin daneben vorzustellen.

was mich als einziges ein Wenig stört, ist das Format der Komposition, da der Negativraum rechts von der Blüte dem Bild nichts bringt. Ein Direkter Schnitt ins Quadrat allerdings scheint mir auch nicht die ideale Lösung. Vielleicht liesse sich dem Tanz der Blume etwas mehr Raum verschaffen, indem oben und unten weiterer Schwarzer Raum angefügt würde.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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