Waldausgang:
Archetypen nachahmen

Douglas Abuelo, 8. Juli 2009 11:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Da wir täglich Bildern aller Art ausgesetzt sind, haben wir uns daran gewöhnt, in Fotos eine gewisse Form und Stimmung zu erwarten, die wir wahrnehmen und bewundern.

Kommentar des Fotografen:

Sommer in der Rhön. Das Bild wird von den Bäumen gerahmt und führt in die Tiefe.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Fabian Rouwen:

Weil wir heutzutage mit so vielen Fotos von allen erdenklichen Dingen konfrontiert werden, ist es keine Überraschung, dass wir beim Visualisieren der meisten Dinge in Archetypen denken. Die natürliche Umgebung wird zum Beispiel oft als die monochrome Welt eines Anselm Adams’ oder als das übersättigte Farbuniversum eines Galen Rowell in unseren inneren visuellen Bibliotheken katalogisiert. Es macht also Sinn, dass wir von gewissen Szenen erwarten, auf bestimmte Weise fotografiert zu werden, und dass wir die Arbeit berühmter Fotografen nachahmen.

Ein eigener Stil oder das Aufgreifen von etwas Neuem ist natürlich erfrischend und etwas, das geschätzt werden sollte. Wenn das Resultat jedoch ein Foto ohne jeden Höhepunkt ist, kann es durchaus empfehlenswert sein, seinen Lieblingsfotografen zu imitieren, um eigene inspirierende Bilder zu machen.

Für jeden, der an Landschaftsfotografie interessiert ist, ist Galen Rowells Arbeit eine gute Ausgangsbasis. Rowell hatte, was die technische Seite der Fotografie angeht, einen sehr hohen Wissensstand und hatte stets die Leidenschaft, den Mehraufwand zu betreiben, den es brauchte, um das Bild seiner Vision nach zu gestalten.

In Rowells Fotos sind die Kompositionen ausgewogen und führen unseren Blick zu einem bestimmten Punkt oder Objekt. Sogar in schwierigen Lichtverhältnissen sind seine Bilder selten unter- oder überbelichtet, und er wusste genau, wie er Effekte erzeugen konnte, die am besten zur jeweiligen Szene passte (Silhouetten, ein gebogener Horizont, Hyperfocus). Rowell plante viele seiner Fotos im voraus, indem er Orte auskundschaftete und perfekte Blickwinkel ausfindig machte.

Dein Foto scheint ein schneller, spontaner Schnappschuss eines ruhigen Moments zu sein. Ich finde es jedoch nicht übermäßig interessant, weil das Licht keine ansprechende Farbe hat, der Himmel überbelichtet ist, und es nicht klar ist, wo Du uns hinführen möchtest, oder was das Hauptobjekt ist.

Schöneres Licht (am frühen Morgen oder am Abend), ein schärferer Hintergrund und eine klares Hauptobjekt hätten Dein Foto grundlegend verändert.

Du schreibst über die Bäume: „Das Bild wird von den Bäumen gerahmt und führt in die Tiefe.“ Das ist ein gutes kompositorisches Stilmittel, das in diesem Fall effektiver wäre, wenn der Vordergrund weniger, und der Hintergrund dafür absolut scharf wäre.

Zu lernen, was die Profis tun und sie zu imitieren kann Dir helfen, großartige Fotos zu machen. Und mit nur ein paar kleinen Veränderungen werden vielleicht auch bald andere Deine Bilder imitieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Charakterporträt: Nachbearbeitung perfektionieren

5.11.2009, 9 KommentareCharakterporträt:
Nachbearbeitung perfektionieren

Poträts leben von den Augen - und die müssen unter anderm in der Postproduktion akzentuiert werden.

Dave Brubeck: Ein Stück über Ansel Adams

8.4.2009, 0 KommentareDave Brubeck:
Ein Stück über Ansel Adams

Die Jazz-Legende Dave Brubeck hat ein Orchester-Stück über die Fotografen-Legende Ansel Adams komponiert.

Landschaftsfotografie: Sehen statt denken

27.2.2010, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Sehen statt denken

In der Landschaftsfotografie zählt allein das Sehen. Wer zuviel nachdenkt, läuft Gefahr, in die Dokumentarfotografie zu verfallen.

Sumpffotografie: Schattenriss mit Tiefe

9.2.2010, 2 KommentareSumpffotografie:
Schattenriss mit Tiefe

Landschaftsfotografie braucht nicht unbedingt einen Vordergrund, aber unbedingt Tiefe.

Einsame Parkbänke: Stimmung macht eine Landschaft

22.1.2010, 2 KommentareEinsame Parkbänke:
Stimmung macht eine Landschaft

Meistens lohnt es sich zu warten, und sich noch einmal umzudrehen, noch ein letztes Foto zu schießen.

Extreme Perspektiven: Blick nach oben

24.2.2010, 3 KommentareExtreme Perspektiven:
Blick nach oben

Wenn man sich die Zeit nimmt, eine Szene aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, entsteht meist ein besseres Bild. Oft genügt ein Blick nach oben.

Pilz-Makrofoto: Kleiner Riese im Wald

2.12.2009, 1 KommentarePilz-Makrofoto:
Kleiner Riese im Wald

Makro-Fotografie mit Umgebungseinbezug ragt sofort aus der Masse der Blumen- und Insektenbilder heraus.

Stilleben im Nebelwald: Glühende Linien

16.10.2009, 0 KommentareStilleben im Nebelwald:
Glühende Linien

Nebel, Regen oder Wind muss man zwar auf der Fotopirsch ertragen können, sie bieten aber häufig sehr ungewohnte und spannende Motive.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.