Waldausgang:
Archetypen nachahmen

Da wir täglich Bildern aller Art ausgesetzt sind, haben wir uns daran gewöhnt, in Fotos eine gewisse Form und Stimmung zu erwarten, die wir wahrnehmen und bewundern.

Kommentar des Fotografen:

Sommer in der Rhön. Das Bild wird von den Bäumen gerahmt und führt in die Tiefe.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Fabian Rouwen:

Weil wir heutzutage mit so vielen Fotos von allen erdenklichen Dingen konfrontiert werden, ist es keine Überraschung, dass wir beim Visualisieren der meisten Dinge in Archetypen denken. Die natürliche Umgebung wird zum Beispiel oft als die monochrome Welt eines Anselm Adams’ oder als das übersättigte Farbuniversum eines Galen Rowell in unseren inneren visuellen Bibliotheken katalogisiert. Es macht also Sinn, dass wir von gewissen Szenen erwarten, auf bestimmte Weise fotografiert zu werden, und dass wir die Arbeit berühmter Fotografen nachahmen.

Ein eigener Stil oder das Aufgreifen von etwas Neuem ist natürlich erfrischend und etwas, das geschätzt werden sollte. Wenn das Resultat jedoch ein Foto ohne jeden Höhepunkt ist, kann es durchaus empfehlenswert sein, seinen Lieblingsfotografen zu imitieren, um eigene inspirierende Bilder zu machen.

Für jeden, der an Landschaftsfotografie interessiert ist, ist Galen Rowells Arbeit eine gute Ausgangsbasis. Rowell hatte, was die technische Seite der Fotografie angeht, einen sehr hohen Wissensstand und hatte stets die Leidenschaft, den Mehraufwand zu betreiben, den es brauchte, um das Bild seiner Vision nach zu gestalten.

In Rowells Fotos sind die Kompositionen ausgewogen und führen unseren Blick zu einem bestimmten Punkt oder Objekt. Sogar in schwierigen Lichtverhältnissen sind seine Bilder selten unter- oder überbelichtet, und er wusste genau, wie er Effekte erzeugen konnte, die am besten zur jeweiligen Szene passte (Silhouetten, ein gebogener Horizont, Hyperfocus). Rowell plante viele seiner Fotos im voraus, indem er Orte auskundschaftete und perfekte Blickwinkel ausfindig machte.

Dein Foto scheint ein schneller, spontaner Schnappschuss eines ruhigen Moments zu sein. Ich finde es jedoch nicht übermäßig interessant, weil das Licht keine ansprechende Farbe hat, der Himmel überbelichtet ist, und es nicht klar ist, wo Du uns hinführen möchtest, oder was das Hauptobjekt ist.

Schöneres Licht (am frühen Morgen oder am Abend), ein schärferer Hintergrund und eine klares Hauptobjekt hätten Dein Foto grundlegend verändert.

Du schreibst über die Bäume: „Das Bild wird von den Bäumen gerahmt und führt in die Tiefe.“ Das ist ein gutes kompositorisches Stilmittel, das in diesem Fall effektiver wäre, wenn der Vordergrund weniger, und der Hintergrund dafür absolut scharf wäre.

Zu lernen, was die Profis tun und sie zu imitieren kann Dir helfen, großartige Fotos zu machen. Und mit nur ein paar kleinen Veränderungen werden vielleicht auch bald andere Deine Bilder imitieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Mehr lesen

Arnold Crane: Auf der anderen Seite

20.7.2011, 0 KommentareArnold Crane:
Auf der anderen Seite

Arnold Crane hat Berufskollegen porträtiert - Fotografen wie Man Ray, Walker Evans oder Ansel Adams. Hier sind die Frauen und Männer, die sonst nur hinter der Kamera stehen, einmal selber das Objekt, das Modell.

Alpenbild: Erinnerung an alte Meister

3.6.2011, 4 KommentareAlpenbild:
Erinnerung an alte Meister

Diese Aufnahme erinnert an Bilder von Ansel Adams. Die kontrastreiche Wiedergabe in Schwarzweiss passt zu diesem Motiv. Allerdings lenken noch zu viele Dinge vom Kern der Aufnahme ab.

Charakterporträt: Nachbearbeitung perfektionieren

5.11.2009, 9 KommentareCharakterporträt:
Nachbearbeitung perfektionieren

Poträts leben von den Augen - und die müssen unter anderm in der Postproduktion akzentuiert werden.

Close Encounters: Demi-Symmetrie

10.4.2012, 0 KommentareClose Encounters:
Demi-Symmetrie

Symmetrie und Einmittung können auch in der Landschaftsfotografie einmal anders als in Seen-Spiegelungen angewandt werden. Die Frage ist, was man damit bezweckt.

Landschaftsfotografie: Drama der Berge

17.3.2012, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Drama der Berge

Die Berge bieten vor allem im Zusammenspiel mit dem Wetter dramatische Motive. Eine gute Komposition schafft hier viel Räumlichkeit.

Landschaftsfotografie: Die Details der Herbstwiese

8.3.2012, 5 KommentareLandschaftsfotografie:
Die Details der Herbstwiese

Wer nebensächliche Details betonen will, muss dicht an sein Motiv herangehen, wie hier bei diesen bunten Herbstblättern.

Düstere Umgebung verzückend ins Licht gesetzt

9.4.2012, 0 KommentareDüstere Umgebung verzückend ins Licht gesetzt

Mal eben nebenbei ist hier ein gut fotografiertes Portrait entstanden, welches auch in schwarzweiss gut rüber kommt.

Landschaftsfotografie: Der Birkenwald voller Bäume

24.10.2011, 3 KommentareLandschaftsfotografie:
Der Birkenwald voller Bäume

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, können spannende Fotografien entstehen. Eingriffe in die Komposition sind dennoch wünschbar.

Naturfoto: Der Wald mit lauter Bäumen

18.7.2011, 2 KommentareNaturfoto:
Der Wald mit lauter Bäumen

Ein aufmerksames Auge ist mit die wichtigste Voraussetzung für einen guten Fotografen. Aber auch die grundlegenden Kenntnisse von Komposition und Bildgestaltung gehören dazu. Hier fehlten leider letztere Elemente.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.