Romantisches Porträt:
Beständige Perfektion à la Newton

Douglas Abuelo, 10. Juli 2009 11:02 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Kontinuität von Botschaft, Stil und Atmosphäre: Warum Inszenierung perfekt sein muss.

Kommentar des Fotografen:

Florian Sprengers Bild war die Grundlage für dieses Shooting. Nach seiner Bildbesprechung hier bei fokussiert war er so freundlich, mir die Adresse in Wien zu nennen. Eine Freundin und ein befreundetes Modell aus Wien ermöglichten dann dieses Shooting “on Location” in dieser surrealen Umgebung. Fotografiert habe ich mit einer D80 und dem 24-70 2.8 sowie einem SB-600 auf einem Gorillapod, der die Personen zusätzlich zum Abendlicht ausleuchtete.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Pascal Reis:

Einer der berühmtesten Figuren im historischen Pantheon der Fotografie, nämlich Helmut Newton, schuf Fotos reich beladen mit Stil und Atmosphäre. Zudem, was ebenfalls von großer Wichtigkeit ist, verfügen Newtons Bilder über Kontinuität.

Mit dem Begriff „Kontinuität“ meine ich die Tatsache, dass, während die Botschaft seiner Fotos der Interpretation offen bleiben, die Bilder selbst was Stimmung und Details angeht Beständigkeit aufweisen.

Im Gegensatz zu Newton sehe ich hier allerdings verwirrende, gemischte Botschaften. Der Mann ist gut angezogen, scheint bereit zum Ausgehen, während die Frau vergleichsweise lässig gekleidet ist. Seine Haltung ist entspannt und supercool, sie erscheint dagegen hölzern und unbequem in ihrer Pose. Sie scheinen schlichtweg nicht zusammen zu passen.

Wie oft in der Porträtfotografie ist hier das Setting ein baufälliges Gebäude. Obwohl diese Art von Hintergrund durchaus hilfreich ist, um eine gewisse Stimmung zu erzeugen, verlassen sich Fotografen zu oft und zu sehr auf derartige Settings, um eine Atmosphäre zu schaffen, die besser durch ein Zusammenspiel von Setting, Objekt, Beleuchtung und Komposition erzeugt werden sollte.

In diesem Bild existiert keine klare Verbindung zwischen den Menschen und dem Setting. Weshalb stehen diese beiden Personen inmitten dieses Raumes, auf einem Häufchen Altmetall?

Die Komposition ist nicht schlecht; Du hast das Pärchen an der linken Linie des rechten Bilddrittels platziert und die Rundung des Gebäudes genutzt, um unseren Blick von links nach rechts zu führen. Die Belichtung des Paares ist ein paar Punkte heller als der Hintergrund, was unser Augenmerk auf die beiden zieht.

Aber wieso ist da dieser große weiße Fleck auf dem Fußboden in der linken Bildhälfte? Und auch den weißen, vermutlich unbeabsichtigten Streifen auf dem Bein des Mannes finde ich störend.

Newton war bemüht, bei jedem seiner Fotos aufs Neue ein komplettes Bild mit perfekten Komponenten zu konstruieren. Das wäre auch für Dich ein guter Leitgedanke.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Pascal Reis
    schrieb am 10. Juli 2009 um 20:06 Uhr (#)

    Danke Douglas für die Kritik welche sich so ziemlich mit meiner eigenen Einschätzung deckt. Dass Mann und Frau nicht zusammen passen hat mit dem Umstand zu tun, dass sie nur notgedrungen eingesprungen ist. Eigentlich war sie selbst mit dem Fotoapparat unterwegs und ein zweites Modell hätte eigentlich auftauchen sollen. Naja es ist eben nicht immer so einfach in den Ferien ein Shooting durchzuziehen.
    Die helle Stelle rührt vom SB-600 her, welcher ziemlich weit unten platziert worden ist (leider konnte ich das Gorillapod nirgends befestigen). Den Lichtstreifen auf dem Bein habe ich bisher noch gar nicht bemerkt, stört aber wirklich stark.

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