Spiegel-Fotografie im Wattenmeer:
Unendliche Weiten

Eine stimmungsvolle Landschaftsfotografie entsteht durch Zielführung und Farbreduktion.

Kommentar des Fotografen:

Mein Ziel war es, die Weite des Watts der Nordseeküste festzuhalten. Als ich saß und wartete, ging diese Familie bei ihrem Weg zum Meer durch das Bild, ich fand sie eine gute Ergänzung, um die Weitläufigkeit zu betonen. Der Krabbenkutter im Hintergrund dient ein wenig als Ziel für die Wanderer

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Torsten Kunkel:

Eine Familie spaziert durchs Watt, welches das Graublau des Himmels so spiegelt, dass fast kein Horizont mehr auszumachen ist – eine dünne Linie und ein Kutter geben einen letzten Anhaltspunkt.

An Deiner Fotografie gefällt mir besonders die relative Einfarbigkeit der Landschaft. Gut erkannt, dass die Familie ein Ziel in dieser endlosen Weite braucht, hast du fast den perfekten Moment abgepasst:

Für meine Begriffe hättest du ein paar Sekunden früher abdrücken können, als die Familie noch etwas weiter rechts lief oder aber etwas später, wenn der Kutter noch weiter nach links gezogen war. Etwas können wir hierbei aber noch mit dem Ausschnitt des Fotos nachträglich regulieren.

Hast du die Fotografie noch am Computer entsättigt? Die Farbigkeit gefällt mir wirklich schon sehr gut. Durch diese Reduzierung auf das Blau im Wasser und im Himmel lenkst du den Betrachter auf die Menschengruppe, und der leichte rosarote Schimmer auf der Spiegelung und in den Wolken harmoniert gut mit dem hervorstechenden roten Shirt des Kindes.

Gerade fällt mir auch die Spiegelung noch auf, die auch noch etwas besser herausgekommen wäre, wenn du die Personen vor einer glatten Wasserfläche fotografiert hättest.

Aber ich denke, es sollte kein gestelltes Bild werden, sondern du hast deine Beobachtungsgabe und auch die Geduld geschult. Und dafür ist es schon sehr gut geworden. Wenn du wieder Zeit und Muße hast, geh auf Motivsuche – und vielleicht hast du Freunde dabei, die du mal etwas dirigieren kannst. Das macht Spaß und hilft das Sehen noch mehr zu verfeinern.

Ich hab aus dem Normalformat mal ein Panoramafoto gemacht, um den Menschen noch mehr Raum zum hineinlaufen zu geben. Das Rot sticht auch noch etwas mehr hervor und verstärkt somit den Komplementärkontrast zwischen Cyan und Rot.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. Torsten Kunkel
    schrieb am 24. Juli 2009 um 14:43 Uhr (#)

    Hallo,

    vorweg erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mein Bild genauer anzuschauen.
    Den Abstand zwischen Kutter und Familie hätte ich auch liebend gerne beim Foto grösser gehabt, ich wollte hier aber auch nicht per EBV eingreifen, denn bei meinen Versuchen wirkte der Kutter dann nichtmehr so schön als Ziel für die Wanderer. Aber ich merke schon, die Familie war wieder zu mittig, passiert mir immer wieder :) Aber ich gelobe Besserung!
    Was ich sehr interessant finde ist deine Meinung zur Farbgebung im Bild. Als ich es geschossen habe wirkte die Umgebung “normal” halt bedeckte Küste, als ich das Bild dann am PC angeschaut habe dachte ich “wieder eines für die Tonne”, aber irgendwie hat mich es immer wieder hingezogen das Bild anzuschauen. Ich habe das Bild nicht entsättigt, sogar im Gegenteil, ich habe den Himmel ein wenig (so 10%) in der Sättigung mit 3 Farbkontrollpunkten nach oben gezogen um ein wenig die Ansätze der Farbe hervorzuheben. Im Watt habe ich den Kontrast etwas erhöht und die Personen habe ich ein wenig aufgehellt (nur Personen + Spiegelung).
    Den Schnitt finde ich extrem passend, ich habe mich selber immer von meinem Bild im Kopf leiten lassen. Beim fotografieren hatte ich die Wasserfläche und den Pril in der unteren Bildhälfte mit eingepackt um die waagerechten Linien zwischen Himmel, Horizont etc als wiederholung drin zu haben, das führte dann dazu, dass ich immer versucht habe senkrecht das Bild zuzuschneiden. Aber waagerecht wirkt es gleich viel besser, danke für den Wink.
    Was ich aber anders sehe ist die Spiegelung der Personen, wenn sie sich in der Wasserfläche spiegeln würden, dann wäre die Spiegelung in meinen Augen zu deutlich und würde wegen des flachen Winkels die Personen quasi verdoppeln. Persönlich gefällt mir gerade die undeutliche Spiegelung, weil sie dem Auge etwas zum entdecken gibt.
    Es hat mir als Anfänger sehr viel Spass gemacht eine professionelle Analyse eines meiner Bilder zu lesen, da werde ich sicher in Zunft noch öfters eines einschicken :)

    Gruß

    Torsten

  2. Corinne ZS
    schrieb am 25. Juli 2009 um 09:34 Uhr (#)

    Mein Tipp in Fällen wie diesen: Mehrere Bilder schiessen und zuhause auswählen. Gerade wenn es bewegte Motive sind kann das nächste oder übernächste Bild Familie und Kutter im idealen Winkel zeigen. Habe ich übrigens von Peter Sennhauser gelernt. Früher dachte ich, es muss beim ersten Klick sitzen. Jetzt bin ich viel lockerer. (Danke, Pit!)

    Das Bild gefällt mir übrigens sehr gut. Es ist allerdings ein extrem ruhiges Bild mit extremer Betonung der Familienidylle. Deshalb kein Bild für meine Wohnzimmerwand, da gehören nur schräge Sachen hin. Eventuell hätte ein verfaulter Fischkopf im Vordergrund für mich die Sache geschaukelt (siehe dies hier). Spass beiseite: Dein Bild ist einfach schön.

  3. Torsten
    schrieb am 28. Juli 2009 um 16:13 Uhr (#)

    Hi Corinne ZS,

    danke fürs Feedback. Ich muss dir recht geben was den Vordergrund angeht. Wenn jemand an der Küste Telepath gewesen wäre, der hätte laut aufgelacht, denn ich ging an der Küste entlang immer den Satz im Kopf “Ein Weitwinkelbild braucht einen Vordergrund – ein Weitwinkelbild braucht einen Vordergrund – ein Weitwinkelbild braucht einen Vordergrund”.
    Leider war hier ausser dem Pril nix brauchbares um es in den Vordergrund zu packen :/
    Eine doofe Möwe oder ein Krebs oder so wäre echt klasse gewesen. Ein verfaulter Fischkopf aber – neeeee :-P

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