Bis September:
Die 40. Rencontres d’Arles

Die vierzigsten fotografischen Rencontres d’Arles widmen sich zum Geburtstag den Themen “Begegnungen” (Rencontres) und “Zusammenstößen”. Die 66 Ausstellungen sind bis September zu sehen.

Der Sommer in Arles sieht die Fotografin Nan Goldin als speziellen Gast. Sie wiederum hat ihre Freunde dazu eingeladen, ihre Fotografien zu zeigen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem weiter eine große Retrospektive von Duane Michals und die Präsentation von Lucien Clergue, dem Gründer und langjährigen künstlerischen Leiter, der ja selbst Fotograf ist.

Fotografie in Arles
Fotostrecke starten: Klick auf ein Bild (6 Bilder)

Francois Hébel, heutiger künstlerischer Direktor der Rencontres, blickt zurück auf die Gründungszeit:

“Wie viele Leute glaubten wohl an Lucien Clergue, als er 1970 die Idee von Fotoworkshops aus den USA importierte?” Damals- in einer Zeit, als Makramee-, Töpfer- und Mediationskurse aktuell waren – war es das Ziel, die Fotografen aus ihrer Isolation herauszubringen.

Heute eine kaum noch nachvollziehbare Situation, wo die fotografische Kunst weitgehend anerkannt, weltweit vernetzt und repräsentiert ist.

Lucien Clergue schreibt selbst über die Ausstellung seiner aktuellen Bilder unter dem Titel “Sacre d’Eros et Thanatos”:

Ich könnte Picasso parodieren, indem ich sagte: “Die Fotografie ist stärker als ich, sie kriegt mich immer dazu zu tun, was sie will.” Dann mache ich Bilder auf traditionellem Farbfilm von einem Stierkampf oder von einem Aktmodell, rolle den Film zurück, setze die Markierungen genau aufeinander und mache auf meinen Reisen in Museen neue Bilder auf die gleichen Negative. Das Ergebnis hat nichts mit Photoshop zu tun; ich lege meine Karten auf den Tisch und alles ist sichtbar, wie Cocteau anmerkte, “das Unsichtbare, das den schrecklichen Fehler macht zu erscheinen” – aber die Farbmischungen zwischen dem Tageslicht der Stierkämpfe und dem Kunstlicht der Museen schaffen neue Töne, die anders sind als die Originalfarben..

Diese seine Arbeit sei ein Loblied auf den Negativfilm, schreibt Clergue weiter. Er habe nicht vor, mit 75 noch seine Arbeitsweise zu verändern. “Glauben Sie mir, hier gibt es noch eine ganze Menge zu tun!”

Die Fotografen, die in der Vergangenheit “Zusammenstöße”, Kontroversen ausgelöst haben, sind in Arles zahlreich vertreten.

Neben den schon erwähnten Nan Goldin (mit ihrer “Ballade von der sexuellen Abhängigkeit”) und Duane Michals zählen dazu Brian Griffin, Martin Parr, Thomas Florschuetz, Naoya Hatakeyama, Joan Fontcuberta, René Burri, Eugene Richards, Paulo Nozolino und Bohdan Holomicek. Sie alle sind in ihren Ausstellungen präsent.

Eine weitere Gruppe von Ausstellungen bilden die Nominierten für den Discovery Award der Rencontres – die Fotografinnen und Fotografen also, die neu entdeckt werden können. Sie werden jeweils von etablierten Fotografen vorgeschlagen.

So schlägt Lucien Clergue zum Beispiel Jean-Francois Spricigo (Jahrgang 1979, Belgien) vor und schreibt darüber: “Diese Fotorafien stellen Fragen, faszinieren und, vor allem, entkommen den Fallen der zeitgenössischen Moden; ihre Bedeutung, ihr Ton und ihre Lebendigkeit machen Spricigo einzigartig unter den Fotografen seiner Generation.”

Der Modeschöpfer Christian Lacroix, der letztes Jahr Gast-Kurator in Arles, plädiert für die Stillleben von Véronique Ellena (Jahrgang 1966, Frankreich): “Diese Stillleben, entstanden während der letzten zwei Jahren in der Villa Medici, setzen mit ihren einfachen vollkommenen Linien und direkten Kompositionen ihre Marke in einer reduzierten, nüchternen und faszinierenden Weise, die fast barock zu nennen ist. Hier kann niemand dran vorbeigehen, ohne dass etwas passiert.”

Eine Übersicht über das wirklich umfangreiche Programm der vierzigsten Recontres d’Arles gibt es auf der Website, die auch in englische Sprache vorliegt. Wanderer, kommst du nach Arles in diesem Sommer, lass des dir nicht entgehen.

Rencontres d’Arles

Mehr lesen

Münchener Pinakothek der Moderne: «Die neue Wirklichkeit»

22.6.2011, 0 KommentareMünchener Pinakothek der Moderne:
«Die neue Wirklichkeit»

Die Münchener Pinakothek der Moderne zeigt einen sehenswerten Querschnitt durch den künstlerischen Aufbruch der Fotografie im frühen 20. Jahrhundert - und einen kurzen Blick in eine der wichtigsten und besten privaten Fotosammlungen von Ann und Jürgen Wilde.

Swiss Photo Award 2011: Verbrannte Erde

21.5.2011, 0 KommentareSwiss Photo Award 2011:
Verbrannte Erde

Meinrad Schade ist der Gewinner des Swiss Photo Award 2011. In seiner Serie "Verbrannte Erde" ging er auf "Spurensuche an den Rändern der Konflikte".

Peter Lindbergh: Mode auf der Straße

6.12.2010, 2 KommentarePeter Lindbergh:
Mode auf der Straße

Ungeschönte Bilder statt gelangweilter Model-Posen: Peter Lindbergh durchbricht die künstliche Welt der Modefotografie - Straße statt Studio.

Puzzlespieler-Strassenfoto: Die Komposition befiehlt

1.2.2010, 0 KommentarePuzzlespieler-Strassenfoto:
Die Komposition befiehlt

Jeder einzelne Aspekt Deiner Komposition sollte seinen Grund haben.

Getty-Stipendien: Fotografie mit Engagement

13.9.2008, 2 KommentareGetty-Stipendien:
Fotografie mit Engagement

Unbedingt einen Blick wert – die diesjährigen Gewinner der Getty Images-Stipendien für redaktionelle Fotografie.

15.6.2008, 0 KommentareLucien Clergue:
Das Leuchten der Provence

Aus Lucien Clergues Fotografien leuchtet die Provence – mit all den Erinnerungen an das unvergleichliche Licht, an Gemälde von Picasso oder Matisse oder an eine eigene vergangene Ferienreise.

Dummy-Preis am 3. Fotobook-Festival: Profi-Promotion zu gewinnen

25.3.2010, 0 KommentareDummy-Preis am 3. Fotobook-Festival:
Profi-Promotion zu gewinnen

Das Fotobook-Festival in Kassel schreibt den Dummy-Preis aus: Das beste Fotobuch wird produziert und promoted.

24 Stunden: Hunde, Mond und Kunst

7.2.2009, 1 Kommentare24 Stunden:
Hunde, Mond und Kunst

Bildersammelsurium zum Wochenende: Der treuste Freund des Menschen und sein liebstes Anheul-Objekt.

29.5.2008, 3 Kommentare4. Kasseler Fotofrühling:
Das gute (Foto)-Buch

Dem Foto-Buch als einer eigenständigen fotografischen Ausdrucksform widmet sich der 4. Kasseler Fotofrühling vom 30. Mai bis 1. Juni. Mit Gelegenheit für Fototalente, ihr Portfolio zu präsentieren.

Nan Goldin: Berliner Leben

8.1.2011, 2 KommentareNan Goldin:
Berliner Leben

Immer wieder lebte und lebt Nan Goldin in Berlin. Die Bilder ihres Berliner Lebens sehen wir nun in - Berlin, wo sonst?

Fotografie und Malerei: Verwandschaftliche Bande

23.10.2010, 0 KommentareFotografie und Malerei:
Verwandschaftliche Bande

Als Bilder unterliegen Fotografie und Malerei prinzipiell den gleichen Gestaltungsgrundsätzen. Ein Vergleich lässt das deutlich erkennen.

\

10.11.2007, 0 Kommentare"Kontaktabzüge":
Nan Goldin und Nobuyoshi Araki

"Kontaktabzüge" zeigt jeweils sonntagabends auf Arte TV eine halbe Stunde das Werk von einem oder zwei Fotografen. Abschließend kommen Nan Goldin und Nobuyoshi Araki zu Wort.

7.7.2008, 0 KommentareRencontres d'Arles 2008:
Seltene Vögel in der Provence

Die Rencontres d'Arles 2008 startet jetzt mit der Eröffnungswoche von 8. bis 13. Juli. Die Ausstellungen sind aber noch bis 14. September zu sehen – und allemal einen Trip im vielleicht anstehenden Urlaub wert.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.