Charakterkopf:
Porträt mit Lichtproblemen

Eine Porträtsituation, bei der viele Standardprobleme aufgetreten sind, die jedoch relativ leicht zu lösen sind.

Leserfoto: Klick für Vollansicht und Fotodaten (© Antje Zwanzig).

Leserfoto: Klick für Vollansicht und Fotodaten (© Antje Zwanzig).

Kommentar des Fotografen:

Naja, zeigen wollte ich natürlich einen “Charakterkopf”. Durch die knappere Tiefenschärfe habe ich versucht, den Blick des Betrachters ins Gesicht der porträtierten Person zu lenken. Schwierig war das Licht, da er von hohen Mauern umgeben war, Licht kam nur von oben. Ich denke, daß deshalb die Augenpartie vielleicht etwas zu dunkel ist. Nun will ich natürlich wissen, ob mir damit trotzdem ein ausdrucksstarkes Portrait gelungen ist.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Antje Zwanzig:

Ein schönes Portrait, bei dem mich besonders freut, dass die Probleme von der Fotografin richtig erkannt wurden.

Die technischen Dinge kurz vorweg. Das 70-mm Objektiv ist die richtige Wahl für ein Portrait, da es die Gesichtszüge und -proportionen natürlich, das heißt unverzerrt, wiedergibt. Durch die Reduktion der Tiefenschärfe erreicht die Fotografin genau das, was beabsichtigt ist: der Betrachter schaut automatisch auf die Augen, da die anderen Dinge im Bild durch Unschärfe im Kopf ausgeblendet werden.

Einzig das helle Etwas stört mich, da es vom Menschen ablenkt. Der geöffnete Mund im übrigen auch.

Das Lichtproblem hat aber wohl eher zu Kopfzerbrechen geführt und ist eine Situation, in der sich Fotografen ständig befinden. Das Licht ist nämlich nie so, wie man es gern hätte. Also muss immer improvisiert werden.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Licht in die Augen zu leiten. Die einfachste Variante ist, die Person einfach ins Licht schauen lassen, hier also nach schräg oben. Zack!

Zweite Möglickeit wäre, ein reflektierendes Objekt vor der Person zu platzieren, so dass das Licht auf die Person zurückgeworfen wird. Dabei ist bei der Auswahl der Objekte Kreativität gefragt. Es könnte vielleicht sogar das glänzende Holz (oder was das auch immer ist) verwendet werden. Manchmal gehen helle Wände sehr gut.

Am einfachsten ist ein Reflexionsschirm, (Affiliate-Link) den es in silberner und goldener Beschichtung gibt. Die sind sehr leicht, man kann sie schön in einer Hand halten, ausrichten und mit der anderen Hand die Kamera bedienen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

 

Mehr lesen

Leserfoto: Mit der Unterhose in den Alpen

8.2.2013, 2 KommentareLeserfoto:
Mit der Unterhose in den Alpen

Wenn nackte Haut reichen soll, um einen Überraschungseffekt zu provozieren, wird eine ansonsten gute Idee schnell zur Karikatur ihrer selbst.

Bildbearbeitung: Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

23.1.2013, 3 KommentareBildbearbeitung:
Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

Der nachfolgende Artikel unseres Gastautors Thomas Brotzler befaßt sich mit den Möglichkeiten des Abwedelns und Nachbelichtens. Im vorangegangenen ersten Teil ging es um die Herkunft und Bedeutung dieser Technik. Im heutigen zweiten Teil werden praktische Aspekte mit einem Bearbeitungsbeispiel aufgezeigt.

Christian Patterson: Redheaded Peckerwood

14.1.2013, 0 KommentareChristian Patterson:
Redheaded Peckerwood

Christian Pattersons rekonstruierte mit Fotografien und historischem Material einen Kriminalfall, der in den Fünfzigern Amerika erschüttert hatte: Redheaded Peckerwood.

«Selection»: Blick durch Fotokunst

22.5.2013, 0 Kommentare«Selection»:
Blick durch Fotokunst

Die Berliner CWC GALLERY zeigt noch bis zum 24. August eine sehenswerte Fotoausstellung: «Selection». Dahinter verbergen sich über 100 ausgewählte Werke von sieben herausragenden Vertretern der Fotokunst, die erstmalig in dieser Zusammenstellung gezeigt werden und verschiedene Genres – von Akt und Porträt über Tierphotographie bis Stillleben – vereinen. Besonderer Bestandteil der Ausstellung sind zwei Portfolios von Helmut Newton und Jeanloup Sieff, die eigens in Zusammenarbeit von CAMERA WORK angefertigt wurden.

Margaret Bourke-White: Das Auge ihrer Zeit

12.2.2013, 0 KommentareMargaret Bourke-White:
Das Auge ihrer Zeit

Mit dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird: Das war Margaret Bourke-Whites "unstillbarer Wunsch" und sie sah sich als "Auge der Zeit".

Tim Walker: Poesie aus dem Kleiderschrank

30.1.2013, 0 KommentareTim Walker:
Poesie aus dem Kleiderschrank

Gastautor und Fotograf George Eberle stellt uns in unserer Rubrik "Fotografen im Fokus" seinen Lieblingsfotografen vor. Er schreibt über sein Vorbild: "Wenn man sich die Bilder von Tim Walker ansieht, will man glauben, er sei im Wunderland gross geworden, habe schon als Baby die Phantasie mit dem grossen Löffel gefüttert bekommen und etwas zu viel vom Zaubertrank getrunken."

Leserfoto: Mit der Unterhose in den Alpen

8.2.2013, 2 KommentareLeserfoto:
Mit der Unterhose in den Alpen

Wenn nackte Haut reichen soll, um einen Überraschungseffekt zu provozieren, wird eine ansonsten gute Idee schnell zur Karikatur ihrer selbst.

Teil 2 von 2: Essen in Szene setzen

13.12.2012, 1 KommentareTeil 2 von 2:
Essen in Szene setzen

Im ersten Teil habe ich ein paar allgemeine Ausführungen zu Food Styling gemacht. Mit ein wenig Übung kann auch ein Anfänger schnell effektvolle Essensfotos aufnehmen.

Einführung in Essensfotografie (Food Fotografie) und Food Styling / Teil 3

19.7.2012, 2 KommentareEinführung in Essensfotografie (Food Fotografie) und Food Styling / Teil 3

Im ersten Artikel über die Foodfotografie habe ich die wichtigsten Aspekte für dieses Thema aufgelistet. Nach Teil 2 hier nun noch der Rest mit detaillierten Ausführungen.

Walker Evans: Jahrzehnt für Jahrzehnt

11.10.2012, 0 KommentareWalker Evans:
Jahrzehnt für Jahrzehnt

Walker Evans in einer umfassenden Retrospektive in Köln - den Blick auf die Originale sollte sich der wahre Foto-Enthusiast nicht entgehen lassen.

7.9.2012, 8 KommentareLeserfoto:
Eisberg und Meer – Der Himmel liegt im Wasser

Bei manchen Motiven ist Umdenken gefordert.

Konzeptbild: Nur Licht am Ende des Tunnels

22.11.2010, 4 KommentareKonzeptbild:
Nur Licht am Ende des Tunnels

Ein spannendes Bildkonzept reicht noch nicht ganz für eine richtig gute Fotografie: Ohne inhaltliches Subjekt fehlt etwas.

8 Kommentare

  1. Hallo Jan,

    der große Kontrast zum Holzbalken (?) stört mich auch. Aber er ist doch gleichzeitig der Grund für den offenen Mund: Hist ist ein Mann bei der Arbeit! Der steht da ja nicht in Gemütsruhe rum und wartet auf die Fotografin ;-)

    skip

  2. Die Bildkritik endet etwas unvermittelt und ich war überrascht, dass ich schon am Ende des Textes angekommen war, obwohl ich das Gefühl hatte, erst in die Kritik einzusteigen. Mehr gibts zu dem Bild nicht zu sagen? Schnitt? Format? Verbesserungen nachträglich?
    GRüße

  3. Vielen Dank für die Analyse!

    @ skip: Ja, richtig erkannt: Er trägt einen Holzbalken auf der Schulter. Vielleicht ist einfach ein bißchen zu viel davon zu sehen. Ich habe nämlich schon mal gehört, daß das ein wenig ablenkt.
    Und richtig, er hatte nicht wirklich so viel Lust, lange zu warten bis ich nun endlich in die Pötte komme :o)

    Die Sache mit dem Reflektor habe ich mir natürlich auch schon gedacht. Ich finde es aber schwierig, beide Dinge gleichzeitig zu halten (Kamera und Reflektor).
    Hätte es denn etwas gebracht, zu blitzen. Ich meine, würde dadurch die natürliche Lichtwirkung beeinträchtigt, oder kann man das in so einer Situation auch mal versuchen?
    Viele Grüße

  4. @ Antje: Mir gefällt das lebendige, ungekünstelte an deinem Bild. Blitzen, Reflektor, Windmaschine würde ich dem Profi vorbehalten, der mit Profi-Modellen und Styropor-Holzbalken arbeitet, um seine Idee umzusetzen.

    Ich mache bisweilen Straßenfotografie, und mit der Übung lerne ich, den Moment zu erwischen wo alles stimmt. Ich denke Du hast es hier genauso gemacht.

    Die bereits angesprochenen Probleme werden durch den hohen Kontrast deiner Aufnahme verstärkt. Wenn Du deine Raw-Datei entwickelst, versuche den Kontrast flacher zu halten. das macht den Helligkeitsunterschied zwischen den Augenhöhlen und dem Balken geringer. Damit die einzelnen Haare konturiert bleiben, kannst Du vorsichtig nachschärfen, wobei der Radius groß und die Stärke sehr klein sein sollte.

    Was alternativ gut funktioniert, ist den Balken per Maske abzudunkeln und das Bild insgesamt etwas aufzuhellen (Gamma).

  5. Nur weil etwas schwierig scheint (Reflektor und Kamera gleichzeitig halten), heißt das nicht, dass es unmöglich ist. Auch Blitzen (Aufhelblitz) ist eine Möglichkeit – wenn man das beherrscht, merkt es der Betrachter im besten Fall gar nicht.

    Wenn es am Anfang also nicht gleich funktioniert, muss man entweder weiter üben oder man entscheidet sich prinzipiell dagegen. dafür braucht man aber meiner Meinung nach einen guten Grund. “Schwierig” ist in dieser Hinsicht kein Argument.

    Am Ende einer solchen Suche steht dann im besten Falle der eigene Stil.

  6. Naja, daß ich es schwierig finde, sollte ja auch keine Entschuldigung sein :o)
    Auf jeden Fall habe ich ja nun schon mal 2 Anregungen (Reflektor oder Blitz), um es das nächste mal besser hinzubekommen … Danke!

  7. Hallo Antje,

    was mich an diesem Foto stärker stört, als die dunklen Augen des Manns (dessen Blick, Gesicht und Haltung ich sehr gut eingefangen finde), ist der Balken, der im Vordergrund sehr verschwommen wird und einen großen Teil des Bilds bedeckt. (Herr Zappner wies schon darauf hin, dass ihn dieser stört)
    Soweit ich weiß, versucht man bei einer Porträtfotografie, (nur) das Porträt scharf zu stellen, um den Blick auf die Person zu lenken, aber ich finde, dieses Bild schreit geradezu nach einem scharfen Balken der den Blick auf die Person lenkt und somit nach einem Regelbruch. Vielleicht ist der Bruch der Regel aber auch nicht so groß, denn der Mann und der Balken gehören zusammen. Ein erkennbarer Balken würde das Gewicht deutlicher machen, das auf der Schulter des Manns lastet und das anscheinend seinen Gesichtsausdruck prägt. (und da wären wir dann wieder bei dem fehlenden Licht… ;-))

    Vielleicht ist dieser Vorschlag daneben, aber ich würde es zumindest spannend finden, mit der Schärfe des Balkens zu experimentieren.

    Gruß
    Dirk

  8. @Dirk:
    Ich finde den Vorschlag keineswegs daneben, denn offenbar führt die Unschärfe ja dazu, daß man gar nicht so recht erkennen kann, WAS er da eigentlich trägt. Aber genau in dieser Situation (nämlich mit dem Balken auf der Schulter) wollte ich ihn ja zeigen.
    Um den Balken so stark in Unschärfe aufgehen zu lassen, nimmt er wahrscheinlich einfach zu viel Raum auf dem Foto ein. Vielleicht hätte ich ihn ein bißchen mehr von vorn aufnehmen sollen … dann würde der Balken wahrscheinlich in die linke Ecke und nicht in die Mitte des Fotos zeigen, und wäre vielleicht nicht ganz so dominant …

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder