Charakterkopf:
Porträt mit Lichtproblemen

Jan Zappner, 7. August 2009 11:01 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Eine Porträtsituation, bei der viele Standardprobleme aufgetreten sind, die jedoch relativ leicht zu lösen sind.

Kommentar des Fotografen:

Naja, zeigen wollte ich natürlich einen “Charakterkopf”. Durch die knappere Tiefenschärfe habe ich versucht, den Blick des Betrachters ins Gesicht der porträtierten Person zu lenken. Schwierig war das Licht, da er von hohen Mauern umgeben war, Licht kam nur von oben. Ich denke, daß deshalb die Augenpartie vielleicht etwas zu dunkel ist. Nun will ich natürlich wissen, ob mir damit trotzdem ein ausdrucksstarkes Portrait gelungen ist.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Antje Zwanzig:

Ein schönes Portrait, bei dem mich besonders freut, dass die Probleme von der Fotografin richtig erkannt wurden.

Die technischen Dinge kurz vorweg. Das 70-mm Objektiv ist die richtige Wahl für ein Portrait, da es die Gesichtszüge und -proportionen natürlich, das heißt unverzerrt, wiedergibt. Durch die Reduktion der Tiefenschärfe erreicht die Fotografin genau das, was beabsichtigt ist: der Betrachter schaut automatisch auf die Augen, da die anderen Dinge im Bild durch Unschärfe im Kopf ausgeblendet werden.

Einzig das helle Etwas stört mich, da es vom Menschen ablenkt. Der geöffnete Mund im übrigen auch.

Das Lichtproblem hat aber wohl eher zu Kopfzerbrechen geführt und ist eine Situation, in der sich Fotografen ständig befinden. Das Licht ist nämlich nie so, wie man es gern hätte. Also muss immer improvisiert werden.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Licht in die Augen zu leiten. Die einfachste Variante ist, die Person einfach ins Licht schauen lassen, hier also nach schräg oben. Zack!

Zweite Möglickeit wäre, ein reflektierendes Objekt vor der Person zu platzieren, so dass das Licht auf die Person zurückgeworfen wird. Dabei ist bei der Auswahl der Objekte Kreativität gefragt. Es könnte vielleicht sogar das glänzende Holz (oder was das auch immer ist) verwendet werden. Manchmal gehen helle Wände sehr gut.

Am einfachsten ist ein Reflexionsschirm, (Affiliate-Link) den es in silberner und goldener Beschichtung gibt. Die sind sehr leicht, man kann sie schön in einer Hand halten, ausrichten und mit der anderen Hand die Kamera bedienen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Kommentare

  1. skip
    schrieb am 7. August 2009 um 11:59 Uhr (#)

    Hallo Jan,

    der große Kontrast zum Holzbalken (?) stört mich auch. Aber er ist doch gleichzeitig der Grund für den offenen Mund: Hist ist ein Mann bei der Arbeit! Der steht da ja nicht in Gemütsruhe rum und wartet auf die Fotografin ;-)

    skip

  2. Blue
    schrieb am 7. August 2009 um 13:44 Uhr (#)

    Die Bildkritik endet etwas unvermittelt und ich war überrascht, dass ich schon am Ende des Textes angekommen war, obwohl ich das Gefühl hatte, erst in die Kritik einzusteigen. Mehr gibts zu dem Bild nicht zu sagen? Schnitt? Format? Verbesserungen nachträglich?
    GRüße

  3. Antje
    schrieb am 7. August 2009 um 21:30 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Analyse!

    @ skip: Ja, richtig erkannt: Er trägt einen Holzbalken auf der Schulter. Vielleicht ist einfach ein bißchen zu viel davon zu sehen. Ich habe nämlich schon mal gehört, daß das ein wenig ablenkt.
    Und richtig, er hatte nicht wirklich so viel Lust, lange zu warten bis ich nun endlich in die Pötte komme :o)

    Die Sache mit dem Reflektor habe ich mir natürlich auch schon gedacht. Ich finde es aber schwierig, beide Dinge gleichzeitig zu halten (Kamera und Reflektor).
    Hätte es denn etwas gebracht, zu blitzen. Ich meine, würde dadurch die natürliche Lichtwirkung beeinträchtigt, oder kann man das in so einer Situation auch mal versuchen?
    Viele Grüße

  4. Uwe S
    schrieb am 8. August 2009 um 16:07 Uhr (#)

    @ Antje: Mir gefällt das lebendige, ungekünstelte an deinem Bild. Blitzen, Reflektor, Windmaschine würde ich dem Profi vorbehalten, der mit Profi-Modellen und Styropor-Holzbalken arbeitet, um seine Idee umzusetzen.

    Ich mache bisweilen Straßenfotografie, und mit der Übung lerne ich, den Moment zu erwischen wo alles stimmt. Ich denke Du hast es hier genauso gemacht.

    Die bereits angesprochenen Probleme werden durch den hohen Kontrast deiner Aufnahme verstärkt. Wenn Du deine Raw-Datei entwickelst, versuche den Kontrast flacher zu halten. das macht den Helligkeitsunterschied zwischen den Augenhöhlen und dem Balken geringer. Damit die einzelnen Haare konturiert bleiben, kannst Du vorsichtig nachschärfen, wobei der Radius groß und die Stärke sehr klein sein sollte.

    Was alternativ gut funktioniert, ist den Balken per Maske abzudunkeln und das Bild insgesamt etwas aufzuhellen (Gamma).

  5. Jan Zappner
    schrieb am 10. August 2009 um 13:01 Uhr (#)

    Nur weil etwas schwierig scheint (Reflektor und Kamera gleichzeitig halten), heißt das nicht, dass es unmöglich ist. Auch Blitzen (Aufhelblitz) ist eine Möglichkeit – wenn man das beherrscht, merkt es der Betrachter im besten Fall gar nicht.

    Wenn es am Anfang also nicht gleich funktioniert, muss man entweder weiter üben oder man entscheidet sich prinzipiell dagegen. dafür braucht man aber meiner Meinung nach einen guten Grund. “Schwierig” ist in dieser Hinsicht kein Argument.

    Am Ende einer solchen Suche steht dann im besten Falle der eigene Stil.

  6. Antje
    schrieb am 10. August 2009 um 19:45 Uhr (#)

    Naja, daß ich es schwierig finde, sollte ja auch keine Entschuldigung sein :o)
    Auf jeden Fall habe ich ja nun schon mal 2 Anregungen (Reflektor oder Blitz), um es das nächste mal besser hinzubekommen … Danke!

  7. Dirk
    schrieb am 11. August 2009 um 12:34 Uhr (#)

    Hallo Antje,

    was mich an diesem Foto stärker stört, als die dunklen Augen des Manns (dessen Blick, Gesicht und Haltung ich sehr gut eingefangen finde), ist der Balken, der im Vordergrund sehr verschwommen wird und einen großen Teil des Bilds bedeckt. (Herr Zappner wies schon darauf hin, dass ihn dieser stört)
    Soweit ich weiß, versucht man bei einer Porträtfotografie, (nur) das Porträt scharf zu stellen, um den Blick auf die Person zu lenken, aber ich finde, dieses Bild schreit geradezu nach einem scharfen Balken der den Blick auf die Person lenkt und somit nach einem Regelbruch. Vielleicht ist der Bruch der Regel aber auch nicht so groß, denn der Mann und der Balken gehören zusammen. Ein erkennbarer Balken würde das Gewicht deutlicher machen, das auf der Schulter des Manns lastet und das anscheinend seinen Gesichtsausdruck prägt. (und da wären wir dann wieder bei dem fehlenden Licht… ;-))

    Vielleicht ist dieser Vorschlag daneben, aber ich würde es zumindest spannend finden, mit der Schärfe des Balkens zu experimentieren.

    Gruß
    Dirk

  8. Antje
    schrieb am 11. August 2009 um 20:45 Uhr (#)

    @Dirk:
    Ich finde den Vorschlag keineswegs daneben, denn offenbar führt die Unschärfe ja dazu, daß man gar nicht so recht erkennen kann, WAS er da eigentlich trägt. Aber genau in dieser Situation (nämlich mit dem Balken auf der Schulter) wollte ich ihn ja zeigen.
    Um den Balken so stark in Unschärfe aufgehen zu lassen, nimmt er wahrscheinlich einfach zu viel Raum auf dem Foto ein. Vielleicht hätte ich ihn ein bißchen mehr von vorn aufnehmen sollen … dann würde der Balken wahrscheinlich in die linke Ecke und nicht in die Mitte des Fotos zeigen, und wäre vielleicht nicht ganz so dominant …

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