Fotografien vom Bodensee-Winter:
Was Projektarbeit bringt

Peter Sennhauser, 10. August 2009 10:03 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Ralf Augustin wollte (wieder) in die Fotografie einsteigen. Statt orientierungslos auf Bildersuche zu gehen, hat er sich ein Projekt gegeben. Das Resultat ist eine Bildserie, die sich sehen lassen kann.

Das Bild vom Sprungtum im Strandbad war der Anlass für mich, den Lehrer und Fotografen Ralf Augustin zu kontaktieren: Er hatte selber in der Bildbeschreibung angemerkt, dass die Fotografie Teile einer Serie, eines fotografischen Projekts war.

Winter am Bodensee - © Ralf Augustin
Fotostrecke starten: Klick auf ein Bild (7 Bilder)

Erstens hat mich die besprochene Aufnahme gefesselt, wie man der Kritik wohl unschwer anmerkt. Und zweitens höre ich immer wieder (und stelle es auch bei den Profis fest), dass man sich als Fotograf am schnellsten weiter entwickelt und Fortschritte macht, indem man sich einem konkreten Projekt widmet.

Ralf, seit seinem 14. Lebensjahr Fotograf, hat sich mit der D3 von Nikon die erste Digitalkamera geleistet, die seinen (offensichtlich recht hohen…) Ansprüchen genügt. Und dann hat er sich nach einiger theoretischen Inspiration aus verschiedenen Quellen für den Wiedereinstieg in die Fotografie via Projekt entschieden.

Die Selbstgegebene Aufgabe bestand darin, den Winter und seine Stimmung und Besonderheiten rund um den Bodensee einzufangen. das Resultat sind, meiner Ansicht nach, erstaunliche Bilder von grosser Kraft und einem sehr persönlichen Stil – etwas, was viele Hobbyfotografen lange vergeblich anstreben und sich auf der permanenten Suche vielfach verlieren. Die Auswirkungen des Projekts beschreibt Ralf selber so:

Dabei habe ich meine Kamera kennen gelernt, mein fotografisches Auge trainiert, den Wert eines guten Statives zu schätzen gelernt, etc, etc. Und nicht zu vergessen, habe hunderte Kilometer abgespult, bin viel zu früh aufgestanden, ergebnislos tiefgefroren und frustriert ohne Bild wieder nach Hause gekommen. Kurz gesagt: Gnadenlos meine Unzulänglichkeiten aufgezeigt bekommen und meinen Frustrationspegel ausgelotet.

Ist das jetzt alles? Eine Bildserie, eine länger andauernde Erfahrung – und dann auch noch eine Folge-Erfahrung: Seit April, schreibt Ralf, habe er kein einziges vernünftiges Bild mehr geschossen.

Aber da kommt ein weiterer Teil der “Projekt-Therapie” ins Spiel: Nicht nachlassen, auch wenn über längere zeiträume vermeintlich nichts mehr gelingt (das hat mir auch schon George Barr gesagt, der übrigens in seinem Buch einen ganzen Text zur Frustration und Motivation veröffentlicht hat). Im Herbst wird Ralf weitermachen mit der Bodensee-Serie und dem Projekt; ausserdem steht eine Reise nach New England an, die Motive im Indian Summer ohne Ende bieten dürfte (und mich schon neidisch macht).

Ansonsten möchte ich mich zukünftig wieder mal intensiv mit der Reportagefotografie auseinandersetzen. Obwohl ich weiss, dass man als Hobbyist sich nicht allzu sehr verkrampfen sollte, ist es mir doch wichtig, die einzelnen Bereiche intensiv zu erarbeiten und auch in irgend einer Form abzuschliessen.

Ein Vorsatz, der mit den Projekten eigentlich teilweise bereits erfüllt ist, aber ennoch immer wieder bedenkenswert ist: Ich bin nach jedem Gespräch über Strassenfotografie versucht, es damit zu probieren; bleibe nach einem Landschafts-Fotografie-Workshop überzeugt, ein Landschafts-Fotograf zu sein und konnte mich mehrfach nur knapp bremsen, eine kleine Porträt-Studiobeleuchtungsanlage zu kaufen.

Nichts spricht dagegen, all diese Dinge zu tun und jedes Genre zu versuchen. Aber wirkliche Fortschritte macht man dabei wohl am besten, wenn man sich jeweils eine Aufgabe stellt und sie, notfalls auch über längere Zeiträume und auch in Überschneidung mit andern Projekten, durchzieht.

Dieser Text ist mir was wert:

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Blitz-Fotografie: Dramatisch aus der Hand geschossen

8.7.2010, 9 KommentareBlitz-Fotografie:
Dramatisch aus der Hand geschossen

Spektakuläre Blitzszenarien sind immer ein Augenschmaus und gar nicht so schwierig einzufangen.

Landschaftsfoto: Spannende Ungereimtheiten

12.5.2010, 0 KommentareLandschaftsfoto:
Spannende Ungereimtheiten

Landschaftsfotografie lebt von der Tiefe. In mancher Tele-Aufnahme aber kleben Vorder- und Hintergrund dafür umso beeindruckender aufeinander.

Andy Spyra: Schlachtfeld Kaschmir

6.4.2010, 0 KommentareAndy Spyra:
Schlachtfeld Kaschmir

Andy Spyra zeigt uns die schöne Landschaft Kaschmir als Garten Eden und das Schlachtfeld, das er ist.

Dummy-Preis am 3. Fotobook-Festival: Profi-Promotion zu gewinnen

25.3.2010, 0 KommentareDummy-Preis am 3. Fotobook-Festival:
Profi-Promotion zu gewinnen

Das Fotobook-Festival in Kassel schreibt den Dummy-Preis aus: Das beste Fotobuch wird produziert und promoted.

13.1.2009, 0 KommentareFlammenwald:
Technik zum Stil entwickeln

Es lohnt sich, eine eigene technische oder stilistische Entdeckung weiter zu verfolgen und zu -entwickeln. Der bewusste Einsatz eines Effekts adelt diesen erst als Stil - oder gar als Kunst.

Sonnenuntergang: Schlitzoptik in Grönland

9.6.2010, 9 KommentareSonnenuntergang:
Schlitzoptik in Grönland

Sonnenuntergänge verlieren ihre Banalität häufig durch interessante Wolken.

Symbolfoto: Einsam zu zweit

27.4.2010, 3 KommentareSymbolfoto:
Einsam zu zweit

Die besten Symbolbilder stellt der Alltag bereit. Man muss sie aber sehen.

Mittenhorizont: Symmetrisch ausgewogene Harmonie

22.3.2010, 0 KommentareMittenhorizont:
Symmetrisch ausgewogene Harmonie

Manchmal kann ein "regelwidrig" in die Mitte des Bildes gelegter Horizont einem Bild das gewisse Etwas verleihen.

Schloßpark in Schwarzweiß: Ausschnitt und Stimmung

15.4.2010, 0 KommentareSchloßpark in Schwarzweiß:
Ausschnitt und Stimmung

Wenn man die Zeit hat, ein Foto Stück für Stück zu komponieren, sollte man sich diese auch nehmen.

Paolo Ventura: Fantastische Wintergeschichten

18.1.2010, 1 KommentarePaolo Ventura:
Fantastische Wintergeschichten

In den Bildern des Italieners Paolo Ventura zeigt sich eine fantastische Welt in der Ästhetik von Fellini.

Jules Spinatsch: Spektakel in den Bergen

6.12.2009, 0 KommentareJules Spinatsch:
Spektakel in den Bergen

Jules Spinatsch zeigt uns Spektakel in den Bergen - Alpenglühn um Mitternacht.

Darmstädter Tage der Fotografie: Die erzählte Zeit

7.4.2010, 0 KommentareDarmstädter Tage der Fotografie:
Die erzählte Zeit

"Jetzt – Die erzählte Zeit" lautet das Thema der Darmstädter Tage der Fotografie 2010. Das internationale Festival findet von 23. bis 25. April statt.

Darmstädter Tage der Fotografie: Aussichten aufs Leben

15.4.2009, 0 KommentareDarmstädter Tage der Fotografie:
Aussichten aufs Leben

Das Festival Darmstädter Tage der Fotografie hat sich in den letzten fünf Jahren etabliert: Es setzt Themen und beleuchtet diese aus unterschiedlichen Sichtweisen und Genres.

Landschaft: Farbe als Motiv

2.3.2009, 4 KommentareLandschaft:
Farbe als Motiv

Landschaftsfotografie bietet als Motiv auch natürliche Farben, auf die man sich konzentrieren kann.

4 Kommentare

  1. Esther Bachmann
    schrieb am 10. August 2009 um 12:40 Uhr (#)

    Weil die Fotografie so viele Möglichkeiten bietet, ist es auch wahnsinnig schwer mit den vielen verpassten umzugehen, auszuwählen, wegzulassen, sich für eine/einige zu entscheiden und dran zu bleiben…
    Ist es nun tröslich oder frustierend, dass auch Fortgeschrittene davor nicht gefeit sind?

    @Ralf
    hoffentlich bekommen wir etwas aus der Herbst-Bodensee-Serie zu sehen

    Grüsse, Esther

  2. bee
    schrieb am 10. August 2009 um 14:19 Uhr (#)

    Eine sehr schöne Anregung und ein Mutmach-Artikel. Nicht gleich aufgeben, sondern durchhalten!

    Die Fotoserie ist phantastisch! Klar, reduziert, wunderbare Farben! Ralf, lass dich bloß nicht entmutigen. Du hast einfach den Blick für gute Motive, bleib ja dabei. Und ich möchte mehr Bilder von dir sehen, wenn es geht.

  3. Kopfgedanken
    schrieb am 11. August 2009 um 11:19 Uhr (#)

    Eine wirklich beeindruckende Fotoserie!

    Die im Artikel angesprochene Projektarbeit und ihre Vorteile (sowie auch die kleinen Enttäuschungen) halte ich ebenfalls für wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Mein Problem mit länger währenden Projekten ist der Alltag. Nicht immer lässt sich das gut einarbeiten und bleibt so leider doch auf der Strecke. Aber vielleicht gehört auch das zum Durchhalten!? ;)

  4. Nils
    schrieb am 15. November 2009 um 00:04 Uhr (#)

    Sehr schöne schon fast surreale Bilder!

    Es würde mich interessieren inwieweit der Fotograf hier digital nachbearbeitet hat?

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.