Dietlind Brödel-Waschke:
Die Kuscheltiere der Männer

Haben Männer Kuscheltiere? Ja – sie haben, wie die Grafik-Designerin und Fotografin Dietlind Brödel-Waschke belegt.

Dietlind Brödel-Waschke: Christoph, 26

Mitunter gleich eine ganze Menge, wie uns das Bild von Christoph (26) zeigt. Bei ihrer Expedition in diese Männerwelt erlebte Dietlind Brödel-Waschke Erinnerungen an Kindertage, an Wärme und Glück – eng verbunden eben mit dem „Kuscheltier des Vertrauens“.

Die in Niedersachsen lebende Fotografin berichtet über diesen Ausflug, den sie über zwei Jahre hinweg unternahm:

Es war eine schöne, berührende Reise, mein Ausflug in die Männerwelt … der Vergangenheit und die der Gegenwart! „Ein Kuscheltier?“… „Ja, das hatte ich einmal“… antworteten viele, „aber wo es jetzt ist, das weiß ich leider nicht mehr. Schade eigentlich weil“… und schon sprudelten die Erinnerungen, die Gefühle, die Gedanken an ihre Vergangenheit, an die Kindertage, die unwiederbringlich verflogen. So oft formte sich ein Lächeln um den Mund der Befragten und der Glanz in ihren Augen erzählte von Wärme und Glück. Viele von ihnen wussten aber doch auch noch, wo sich ihr Kuscheltier befand … auf dem Boden, in einer Kiste, im Elternhaus, in einer Tüte, einem Koffer oder aber ebenso oft war es noch bis zum heutigen Tag herübergerettet worden in das ganz normale Leben, saß auf dem Sofa, dem Nachttisch, im Regal oder wartete noch immer am Kopfende im Bett. Bis heute, wo man nach dem Prozess der Loslösung schon lange wieder zu seinen Gefühlen, den Gedanken der Erinnerung stehen kann und somit zu dem Streichelwesen, das eben diese Gefühle vermittelte.

Dietlind Brödel-Waschke: Maik, 31 Dietling Brödel-Waschke: Oliver, 42

Die Fotografin, Jahrgang 1951, berichtet weiter:

Es war ein schönes, tiefes, fröhliches Projekt und während die Fotos entstanden, erzählten, philosophierten und träumten viele Männer, fielen zurück in die Zeit des Erlebens, die Zeit, da ihr Kuscheltier den ersten Austausch der Zuneigung entgegennahm und alle Liebe und Wärme zurückbekam. Es war immer da für sie, war Ersatz für Vater und Mutter, war Therapeut und Spielgefährte. Es erzog und wurde erzogen, gab Anweisungen und musste gehorchen, war das stärkste und oft auch das schwächste Glied im Prozess der Sozialisation.

Dietlind Brödel-Waschke: Rolf, 66

So vermittelt uns Dietlind Brödel-Waschke also einen tiefen Einblick in einen verschwiegenen Teil der Männerseele. Ihre Bilder sind aktuell im Berliner Kulturhaus Spandau zu sehen. Es gibt sie auch als Buch: Männer und ihre Kuscheltiere, Pavo-Verlag, ISBN 3-931127-15-X. Weitere Infos auf Dietlind Brödel-Waschkes Website.

Dietlind Brödel-Waschke – Männer und ihre Kuscheltiere. Zwischen Nähe und Distanz
Noch bis 30. August 2009
Kulturhaus Spandau – Galerie, Mauerstraße 6, D-13597 Berlin
+49 (0)30 – 333 40 21 / 22, info@kulturhaus-spandau.de
Geöffnet Montag bis Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 – 20 Uhr; Eintritt frei

Dietlind Brödel-Waschke
Kulturhaus Spandau

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